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Speed Dating im Friedrich-List-Berufskolleg: Bewerbern auf den Zahn gefühlt

Speed Dating im Friedrich-List-Berufskolleg : Bewerbern auf den Zahn gefühlt

Beim "Speed Dating" im Friedrich-List-Berufskolleg konnten sich Schüler möglichen Ausbildern vorstellen und versuchen, einen Fuß in die Betriebstür zu bekommen.

"Ich habe die Schüler hier noch nie so gut angezogen gesehen", frotzelt Hermann Hohn. Der Schulleiter des Friedrich-List-Berufskollegs läuft gut gelaunt durch seine Hallen und fühlt sich sichtlich wohl an diesem Vormittag.

Der Grund: Zum vierten Mal hat das Kolleg den Tag der Bewerbung auf die Beine gestellt und 35 Unternehmen aus der Region eingeladen, den Schülern mal auf den Zahn zu fühlen.

In Form eines Speed Datings haben die Schüler jeweils 20 Minuten Zeit, sich den ausgesuchten Unternehmen möglichst positiv zu präsentieren. Dafür haben sie ein Jahr lang an zwei Stunden in der Woche "Berufs- und Studienorientierung" auf dem Lehrplan gehabt. "Wir wollen den Unternehmen schließlich gut vorbereitete Jugendliche servieren", sagt Hohn.

Einer davon ist der 18-jährige Andreas Wolf aus Oberwinter. Er hat soeben eine Zusage zu einem Bewerbungsgespräch bei Moritz Kühnle, Referent für Personalentwicklung bei der Dohle Handelsgruppe, bekommen, unter deren Dach sich auch der Hit-Markt befindet.

Noch eine halbe Stunde zuvor hatte Kühnle im GA-Gespräch über ein Motivationsproblem vieler Bewerber gesprochen. Dass der Einzelhandel seinerseits ein Problem hat, junge Menschen für die Branche zu begeistern, daraus machte Kühnle keinen Hehl.

Er hatte extra eine Auszubildende an seiner Seite, die den Bewerbern von ihren positiven Erfahrungen berichten sollte. Aber auch sie konstatierte: "Vielen Bewerbern bei uns fehlt schlicht die Motivation." Umso mehr freuten sich die beiden über Andreas Wolf. Womit konnte er überzeugen? "Ich arbeite seit eineinhalb Jahren nebenbei im Edeka-Markt, außerdem arbeitet meine Mutter seit 20 Jahren bei Hit."

Gut vorbereitet war auch Heiko Langen, der sich bei der Sparda- Bank vorstellte, um eine Ausbildung als Bankkaufmann zu machen. "Ich denke, dass ich gute Chancen habe", sagte er. "Die waren begeistert von meinem Vorwissen." Und warum die Sparda-Bank und nicht eine andere Bank? "Ich bin da selbst Kunde und habe dort immer nur gute Erfahrungen gemacht."

Einen guten Eindruck von seinen Bewerbern hatte auch Peter Radermacher von der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei Linzbach, Löcherbach und Partner. "Das Speed Dating ist eine wunderbare Möglichkeit, den Bewerben auf den Zahn zu fühlen und ihre Erwartungshaltung abzufragen. Die kaufmännischen Grundlagen haben die sowieso schon."

"Ziel ist es, wichtige Tipps zu geben und den Schülern Mut zu machen", sagt Antje Kost, die gemeinsam mit Heike Schäfer die Veranstaltung organisiert hat. "Viele Schüler kennen nur Haribo und die Telekom", berichtete Schäfer, um so wichtiger sei es, den jungen Menschen die Vielfalt von Möglichkeiten zu präsentieren. "Das Wichtigste", so Schäfer, "ist aber die Möglichkeit, den Unternehmensrepräsentanten von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu sitzen."