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Aloisiuskolleg in Bad Godesberg: Bewunderung für DDR-Flüchtlinge

Aloisiuskolleg in Bad Godesberg : Bewunderung für DDR-Flüchtlinge

Warum wurde die Berliner Mauer gebaut? Welchen Wert hat Freiheit heute? Diesen Fragen gingen Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des Aloisiuskollegs (Ako) in einem einwöchigen Austausch mit Gleichaltrigen aus Ungarn, Italien und Belgien nach.

Zuvor hatte für alle der Roman "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" von Thomas Brussig auf dem Lehrplan gestanden. Die Berliner Sonnenallee war durch die Mauer geteilt, ihr kürzeres Ende lag in der DDR.

In dieser Woche kamen die Jugendlichen am Ako zusammen, um den Roman zu besprechen und die Ereignisse um die Mauer und ihren Fall zu diskutieren - in Englisch. Das Jesuitenkolleg war Gastgeber des internationalen European-Youth-Exchange-Projekts (EYE). Thema des Literaturprojektes war Teilung und Einheit Deutschlands.

"Der europäische Austausch mit Gleichaltrigen ist für unsere Schüler lehrreich", sagte Raffaela Langner-Rüb, Mathematik- und Englischlehrerin am AKO. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Mario Jeck betreute sie das Eye-Projekt.

Die Schüler stellten historische Szenen nach, wie etwa die berühmte Rede des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in West-Berlin. Sie spielten ein Wissens-Quiz zum Thema DDR - "Wie lange hat die Mauer gestanden? 30.000, 46 oder 28 Jahre?". Einige stellten Fluchtszenen mutiger DDR-Bürger nach und fragten die anderen, ob es sich um eine wahre oder erfundene Geschichte gehandelt habe.

Ergebnis: Nur wenige glaubten an die wahre Geschichte einer gelungenen Flucht eines DDR-Bürgers auf einer Luftmatratze. Arnaud aus dem belgischen Gent und Anna aus dem ungarischen Miskolc hatten von der DDR in der Schule gehört. "Aber nur Zahlen und Fakten.

Die Emotionen der Menschen beim Mauerfall haben wir erst bei diesem Projekt erfahren", sagte die 17-Jährige aus Ungarn. Für die 18-jährige Marlisa aus Turin waren die deutsche Geschichte und der Mauerfall Neuland. Doch bei der spielerischen Einführung allein blieb es nicht. Die Jugendlichen erinnerten an die Opfer des DDR-Regimes und diskutierten, was Freiheit heute für die Menschen bedeute.

"Wir sind unfrei geworden - durch Konsum, Leistungsdruck und Gruppenzwang," konstatierten sie. Als schließlich "Wind of Change" der Gruppe "The Scorpions" angestimmt wurde, fielen alle mit ein. Die Rock-Ballade wird als eine Hymne der Wende angesehen.

"Diese Schüler-Generation ist zu jung, um Teilung, DDR und Mauerfall erlebt zu haben", sagte der Schulrektor des Ako, Johannes Siebner. Umso wichtiger sei es , die Jugendlichen spielerisch mit Hilfe eines Romans zu animieren, sich mit Teilung und Vereinigung Deutschlands auseinanderzusetzen. "Ich sehe hier eine europäische Jugend, die zusammenwächst," ergänzte Siebner.

Ihren Aufenthalt fanden die jungen Besucher "cosy" - also gemütlich: "Eine so hübsche kleine Stadt hatten wir nicht erwartet." Zum Abschied packte alle ein wenig die Wehmut: "Nach einer so schönen Woche sind wir jetzt alle ein bisschen melancholisch", sagte Marlisa aus Turin.