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Koedukation am Aloisiuskolleg: Blick zurück auf zehn Jahre gemeinsamen Unterricht

Koedukation am Aloisiuskolleg : Blick zurück auf zehn Jahre gemeinsamen Unterricht

Das Aloisiuskolleg (Ako) lobt seine zehnjährige Koedukation als "Erfolgsgeschichte". Schulleiter Manfred Sieburg schlug neben dem Jubel, dass auch Mädchen die alteherne Jungenbastion erobern dürfen, mit aktuellen pädagogischen auch nachdenkliche Töne an. "Das Jubiläum gibt Anlass zur Reflexion", sagt er. Man müsse nachdenken über Folgen und Konsequenzen und wachsam sein gegenüber eventuell drohenden Benachteiligungen.

Zum einen sei da die erfreuliche atmosphärische Neuerung: "Auf den Höfen, in den Fluren und Sälen des Kollegs geht es weniger rau, weniger laut und weniger präpotent zu", meint Sieburg zum Einfluss der Mädchen. Andererseits erinnert der Schulleiter daran, dass eine Schule natürlich auch geschlechterspezifisch an einen Unterrichtsgegenstand herangehen müsse, um die Schüler möglichst individuell zu fördern. Auch eine latente Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem will das Kolleg vermeiden.

Dabei gibt Sieburg zu, dass die Entscheidung für die Koedukation vor zehn Jahren auf dem Ako-Berg nicht aus pädagogischen Gründen gefällt wurde. Es sei um die Existenzsicherung der Internatsschule gegangen. In einer Zeit, in der jedes Internat um Schüler kämpfte, hatte das Ako ab dem Schuljahr 2003/2004 darauf gehofft, dass Familien mit mehreren Kindern jetzt auch die Töchter an die Elisabethstraße schicken würden, erinnert sich Sieburgs Vorgänger Bernhard Wißmann.

In den 1980er-Jahren hatte das Ako eine Kooperation mit dem benachbarten erzbischöflichen Clara-Fey-Gymnasium - damals eine reine Mädchenschule - begonnen und damit zunächst die Koedukation in der Oberstufe eingeführt. Vor zehn Jahren nahm das Ako dann auch in den unteren Jahrgängen Mädchen in die Schule auf. Seit 2006 gibt es auch im Internat Mädchen, die in einem separaten Neubau untergebracht wurden.

"Wir sehen das Jubiläum zwar auch als Anlass zum dankbaren Rückblick und zur Erinnerung, vor allem aber als Beginn einer immer noch spannenden pädagogischen Beobachtung", sagt auch Kollegsrektor Pater Johannes Siebner. Während zu Beginn noch ein Drittel Mädchen in den Klassen zwei Dritteln Jungen gegenübergestanden habe, liege inzwischen der Schnitt in allen Klassenstufen bei knapp 40 Prozent Schülerinnen.

"Im Blick auf die ganze Schule liegen wir bei 38 Prozent Mädchen." Wobei zur Zeit im Internat nur ein Viertel Mädchen wohnen. "Die Kapazität hier ist auch auf ein Verhältnis von einem Drittel zu zwei Dritteln ausgelegt", so Siebner.