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Muffendorfer Bilderfund: Böninger-Villa musste Vermessungsamt weichen

Muffendorfer Bilderfund : Böninger-Villa musste Vermessungsamt weichen

Es gibt Muffendorfer, die sich an die Villa Böninger erinnern oder sogar in ihrem Park gespielt haben. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde das Gebäude an der Deutschherrenstraße für die Erweiterung des Landesvermessungsamtes abgerissen.

Dank verschiedener Hinweise von GA-Lesern ist nun auch diese letzte offene Frage rund um den Muffendorfer Dachbodenfund geklärt. Auf dem Speicher des Pfarrhauses war kürzlich das wertvolle Bild „Auferweckung des Lazarus“ von Robert Böninger gefunden worden (der GA berichtete). Aus der Familienchronik ging hervor, dass Vater Moritz Böninger 1873 ein Grundstück in Muffendorf kaufte und später das Erstlingswerk seines Sohnes der dortigen Kirche stiftete.

Leser, die bei der Suche nach der einstigen Villa Böninger auf die Stella Rheni des Aloisiuskollegs tippten, liegen, was Baustil und Zeit angeht, nicht falsch. „Die Villen auf dem Berg, Stella Rheni und Annaberg, stammen noch aus der Zeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts“, berichtete der ehemalige Bonner Stadtkonservator Franz Josef Talbot. Die Bebauung an der heutigen Deutschherrenstraße habe erst vor dem Ersten Weltkrieg begonnen. Insofern war die Villa, die die Böningers auch wegen der guten Luft in Muffendorf gebaut hatten, ein echtes Einzelstück.

Versteckspiel im Garten

GA-Leser Ralph Metzger hat in einem Adressbuch von 1913 entdeckt, dass Moritz Böninger in der Kurfürstenstraße 2 im damals noch selbstständigen Ort Muffendorf wohnte, der heutigen Deutschherrenstraße. Auf historischen Luftbildern sei die Villa noch zu erkennen.

Walter Jüssen (88) erinnert sich daran, dass die Villa für die Erweiterung des Landesvermessungsamtes abgerissen wurde. „Wir sind als Kinder immer im Park herumgelaufen, haben Verstecken gespielt und aufgepasst, dass uns keiner sah“, sagt er. Jüssen wurde in direkter Nachbarschaft, in der Gringsstraße, geboren.

An die Böningers kann er sich nicht erinnern, er sei noch zu klein gewesen. Wohl aber daran, dass das Grundstück sehr zugewachsen war („Man musste über den Zaun oder durch Löcher klettern“) und dass es eine Kutscherwohnung über den Garagen zur Waasemstraße hin gab.

Spende ermöglicht Restauration

Der große Garten reichte ursprünglich von der Gringsstraße bis zur Muffendorfer Straße. Über die spätere Nutzung der Villa gibt es verschiedene Aussagen: Während der NS-Zeit sollen dort Schulungen der SA stattgefunden haben, nach dem Zweiten Weltkrieg soll sie von den Alliierten genutzt worden sein, später als Hotelfachschule.

Die Böningers sind in Muffendorf nicht vergessen. Ihr Grab liegt neben dem Familiengrab Klokow-Heinen. „Bei der Grabpflege unseres Grabes wurden auch immer Blätter vom Böninger-Grab entfernt, sogenannte Nachbarschaftshilfe. Das habe ich schon von meiner Oma so gelernt“, sagt Inge Köllen. Auch Annemie Heinemann, Seniorchefin des Muffendorfer Blumenhauses Rieck, erinnert sich noch an die Grabpflege. Sie kann sich auch noch an die Bewohner der Villa entsinnen – und an deren Abriss.

Zumindest das Lazarus-Bild von Robert Böninger soll den Godesbergern erhalten bleiben. Eine große Spende aus Muffendorf ermöglicht die Restaurierung des Ölgemäldes und zweier ebenfalls auf dem Speicher wiederentdeckter Altarbilder des 17. Jahrhunderts.