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Bonn - Bäume - Oberster Pfleger sieht Stadtbäume in gutem Zustand​

Heiße Phase auch für das Stadtgrün : Oberster Pfleger sieht Stadtbäume in Bonn in gutem Zustand

„90 Prozent der Bäume sind gesund, bei den restlichen besteht Handlungsbedarf“, sagt der Leiter des Bonner Amtes für Stadtgrün. Aber nicht alle Bäume vertragen die Trockenheit - und es gibt bereits einen Notfallplan.

Bei 27 Grad lässt es sich herrlich im Bad Godesberger Kurpark verweilen, denn viele grüne Giganten werfen mit ihren Blätterdächern große Schattenkegel und spenden ein kühles Klima. Ihre Wurzeln reichen meist so tief, dass sie auch in trockenen Perioden an das Grundwasser herankommen. Trockenstress leiden in den Sommermonaten hingegen Jungbäume. Sie müssen deshalb regelmäßig gegossen werden. Passanten, die am Bad Godesberger Bahnhof unterwegs sind, können den Prozess gut an einem neugestalteten Hochbeet sehen. Die Blätter der Jungbäume, die in dem Beet stehen, hängen schlaff herab – teilweise sind sie gebräunt.

Die Bäume in den Städten leiden zurzeit stark unter der Trockenheit und Hitze, erklärt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in einer Mitteilung. Zu kleine Baumscheiben, hohe Bodenversiegelung und dadurch hoher Oberflächenabfluss setzen besonders Jungbäumen zu. Ihre Abwehrkraft gegenüber Schädlingen nimmt ab. „Bäume haben den größten positiven Einfluss auf das urbane Mikroklima, weshalb ihre Bewässerung vor allem in der heißen Sommerzeit von extremer Wichtigkeit ist. Generell ist es in Städten heißer als im Umland“, erklärt Sabine Krömer-Butz von der SDW.

Baumschützer sehen Möglichkeiten für Stadtgrün

Der Bundesverband ruft deshalb dazu auf, dass mittelfristig mehr für das Überleben der Stadtbäume getan werden muss. „Die Kommunen müssen die Rahmenbedingungen für ihre Bäume verbessern, sonst werden die meisten Stadtbäume zukünftig nicht überleben können“, so Krömer-Butz. Möglichkeiten sind die Vergrößerung von Baumscheiben, die dauerhafte Bepflanzung mit Bodenbedeckern, die vor Verdunstung schützen, und die Entsiegelung von Wegen und Plätzen zur besseren Wasserspeicherung.

„Auch Konzepte wie das der sogenannten Schwammstadt, bei der viele Elemente zur Wasserspeicherung und kontinuierlichen Abgabe beitragen, müssen in die Planungen einfließen“, fordert die SDW. Und: Generell müssten mehr Bäume in der Stadt gepflanzt werden. „In Zeiten des Klimawandels mit Temperaturen an die 40 Grad in den Stadtzentren sind Stadtbäume und innerstädtische Grünflächen als natürliche Klimaanlagen überlebensnotwendig für die Bevölkerung“, betont Krömer-Butz.

Bäume haben demnach größten positiven Einfluss auf das urbane Mikroklima. „Laubbäume kühlen durch Verdunstung ihre Umgebung um mehr als fünf Grad ab.“ Und sie seien effektive Schattenspender: Mit gerade einmal 15 Metern Kronendurchmesser schafft es ein einziger Laubbaum, eine Fläche von 160 Quadratmetern mit seinem Schatten zu kühlen.

Wegen Regen-Frühjahr noch keine großen Trockenschäden

Dass städtische Bäume in Straßenzügen einen grundsätzlich schlechteren Standort haben, beobachtet auch Dieter Fuchs, Abteilungsleiter im Amt für Umwelt und Stadtgrün. „Das Wurzelwerk ist durch Straße und Leitungen begrenzt, manche Baumscheiben sind verdichtet und auch das Klima ist in der Stadt wärmer als in Park- und Grünanlagen“, berichtet Fuchs. Dennoch gehe es den Bäumen im Bonner Stadtgebiet gut, versichert der Abteilungsleiter.

Vor allem wegen des regenreichen Frühjahrs seien an den Bäumen derzeit noch keine ungewöhnlichen Trockenschäden auszumachen. „Da hatten wir schon ganz andere Jahre, was die Trockenheit betrifft“, erinnert sich Fuchs. In den Sommermonaten 2018 bis 2020 hatten die städtischen Bäume besonders mit Trockenheit und Hitze zu kämpfen gehabt. Der Baumbestand war in diesen Jahren unterschiedlich stark betroffen gewesen. „Insbesondere in den Frühjahrsmonaten braucht der Baum viel Wasser, weil er dann im Wachstum ist“, weiß Fuchs. Die späteren Sommermonate seien hingegen, was die Wasserversorgung angeht, nicht so entscheidend.

In den nächsten Wochen Notfall-Wasserversorgung möglich

Mit Blick auf die aktuelle Trockenheit und die warmen Temperaturen sei man dennoch in „abwartender Position“. Vor allem weil der Juli nicht so viel Regen gebracht hat, könnte in den nächsten Wochen eine Notfall-Wasserversorgung durchgeführt werden – konkret geplant sei aber noch nichts, sagt Fuchs. „Wenn es nicht regnet, wollen wir vorbereitet sein.“

Jungbäume sind von dieser Regelung ausgenommen. Sie werden regelmäßig, bis zum vierten Standjahr, durch externe Unternehmen gegossen. Danach übernehme die Stadtverwaltung die Pflege der Bäume, erklärt Fuchs. „Dadurch haben sie schon ganz gute Startbedingungen. Spätestens ab dem 15. Standjahr muss ein Baum selbst zurechtkommen.“ Alle fünf bis zehn Jahre pflegt das Amt für Umwelt und Stadtgrün jeden städtischen Baum. Kontrolliert auf Zustand und Schäden werden die Bäume alle 15 Monate.

Mehr neue Bäume an Straßen als in Parks gepflanzt

„Wenn der Baum Vorschäden hat und unter Beobachtung steht, kann das Zeitfenster auch verkleinert werden“, erklärt Fuchs. „90 Prozent der Bäume sind gesund, bei den restlichen besteht Handlungsbedarf“, so Fuchs. Der Baumbestand sei in den vergangenen Jahren gleichgeblieben. „Wir pflanzen im Straßenbereich derzeit mehr Bäume, als gefällt werden. Während in Grün- und Parkanlagen mehr Bäume gefällt als gepflanzt werden“, erklärt Fuchs. Letzteres sei aber eine ganz normale Maßnahme, weil andere Bäume die frischen Lücken schnell ausfüllen würden. „Das Kronen- und Blattvolumen bleibt gleich“, versichert Fuchs.

Für die Nachpflanzungen wählt das Amt für Umwelt und Stadtgrün insbesondere Baumarten, die mit den sich verändernden klimatischen Bedingungen gut zurechtkommen, wie zum Beispiel Spitz-Ahorn, Zürgelbaum oder Ungarische Eiche. Die Stadt orientiert sich dabei an den aktuellen Empfehlungen der Gartenamtsleiterkonferenz, testet aber auch selbst neue Baumarten wie zum Beispiel Weiß- und Rot-Esche.