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Bonn-Beuel: Cartoonistin Konstanze Ebel dichtet und malt „Corona-Gebete“

Konstanze Ebel aus Bad Godesberg : Cartoonistin dichtet und malt „Corona-Gebete“

Konstanze Ebel hat sich als Cortoonistin mit humorvollen Pandemiekommentaren einen Namen gemacht. Die Bilder, die sie „Corona-Gebete“, nennt kann man unter anderem bei Instagram finden. Die besten Ideen kämen ihr abends beim Zähneputzen, nachdem sie die täglichen Nachrichten verfolgt habe.

„Geduld mit dem Impfpass, dem digitalen“, steht in einer schwungvollen Schreibschrift über einem der neuesten Cartoons von Konstanze Ebel. Und der zeigt, wie unter der Schreibtischlampe ein bebrilltes Männlein mit schütterem Haar angestrengt handschriftlich den nächsten Pass herstellt. Was Ebel humorvoll reimend mit: „Es ist viel Arbeit, QR-Codes zu malen“ kommentiert. Und damit wieder einmal eines der aktuellen pandemiebedingten Themen mit einem Augenzwinkern auf den Punkt bringt. „Meistens zeichne ich meine Ideen morgens ab 5 Uhr aufs iPad und stelle sie dann ins Netz“, berichtet die 46-Jährige. Das Feedback auf ihre Aussendungen komme dabei sofort: Lacher, Glückwünsche, zustimmende Kommentare aus Flensburg bis aus dem tiefsten Bayern. „Ich erreiche mit meinen inzwischen gut 400 Posts rund 700 Abonnenten“, sagt Ebel und lacht.

Für das Projekt hatte Ebel keinen Plan

Denn eigentlich war die Kunsthistorikerin, die für die Berliner Berhard-Heiliger-Stiftung arbeitete, bei diesem Projekt gar nicht nach Plan vorgegangen. „Ich war schon immer diejenige, die privat bei Festen für Lieder und Zeichnungen sorgte“, berichtet sie. Klar, dass auch die Abiturrede von ihr in Reimen gehalten wurde. Dann kamen die Pandemie und die Notwendigkeit, für ihre vier Kinder eine eigene „Privatschule“ aufzumachen. Ebel lächelt. Da habe sie morgens um 5 Uhr einfach Auszeiten für sich selbst gebraucht. Sie male und dichte also ihren täglichen Kommentar zur Lage: „Mist, ich sitze in der Falle. Und das Klopapier ist alle“, war eines der ersten Themen 2020. „So mit Corona fühle ich mich fast wie Jona“, ein anderes. Bürger im Lockdown säßen halt wie der biblische Jona mutterseelenallein im Walfischmagen zwischen Plastiktüten, die faulen, und täten Eines: maulen.

Mit ihren Corona-Gebten drückt Ebel all das aus, womit sie „innerlich ringe“

 Cartoonistin Konstanze Ebel bei der Arbeit an ihren "Corona-Gebeten"
Cartoonistin Konstanze Ebel bei der Arbeit an ihren "Corona-Gebeten" Foto: Privat

„Ich nenne meine Cortoons Corona-Gebete“, erläutert Ebel, die vier Jahre Presbyterin der evangelischen Thomas-Kirchengemeinde war. Aber ihr Begriff von Gebet sei weiter gefasst als der kirchliche. „Ich drücke damit alles aus, womit ich innerlich ringe“, sagt sie. Die besten Ideen kämen ihr abends beim Zähneputzen, nachdem sie die täglichen Nachrichten verfolgt habe. „Dann schreibe ich das sofort in meine Kladde.“ Anfangs habe sie Freunde mit den Cartoons begeistert. Dann habe sie sich gedacht: Wenn jeder im Lockdown schon isoliert sei, könne man doch gemeindliche Schaukästen damit ansprechender gestalten. Und bald hingen im Fenster des Café Selig der Pauluskirche jeden Tag neue Vierzeiler mit Bild – die dann gezielt von den Friesdorfern aufgesucht wurden.

Zeichnungen sind bei Instagram zu finden

Ihre Kinder hätten sie schließlich auf die Idee gebracht, ihre täglichen Gebete bei Instagram zu posten, so Ebel. Etwa auch solche zu Corona-Leugnern, die sie neben Mitdemonstranten mit Springerstiefeln abbildete und dazu schrieb: „Gott, wie schwer ist‘s es oft zu seh’n, welche Menschen mit uns gehen. Kann man Nazis erst erkennen, wenn sie in den Reichstag rennen?“ Inzwischen hat sich auch die Evangelische Landeskirche bei Ebel gemeldet. Deren Gemeindebrief-Plattform hat sie einen Schwung neuer Cartoons geschickt. „Man sollte immer mal einen Schritt zurücktreten, um das aktuelle Geschehen besser zu überdenken“, ist ihr Motto. Sie befolgt es mit kreativen Cartoons.

Die Zeichnungen findet man auf Instagram unter dem Account „Dichtungsding“.