30 Kunstschaffende stellen aus Das erwartet Besucher beim Skulpturengarten auf dem Katharinenhof

Schweinheim · 30 Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre Werke bei „The Rhine Art“ an der frischen Luft – auf dem Gelände des Katharinenhofs in Schweinheim. Was Besucher dort erwartet.

„Tanz der vier Winde“ ist ein Werk der Künstlerin Heidi Reichert, die dafür Flugdrachenmaterial verwendet hat.

„Tanz der vier Winde“ ist ein Werk der Künstlerin Heidi Reichert, die dafür Flugdrachenmaterial verwendet hat.

Foto: Martina Sondermann

Seit Donnerstag ist die 10. Skulpturenausstellung „The Rhine Art“ auf dem Katharinenhof von Anne und Konrad Beikircher offiziell eröffnet. Über das weitläufige Gelände des ehemaligen Forsthauses verteilen sich Arbeiten von 30 Künstlerinnen und Künstlern: Holz und Stahl, Figürliches und Abstraktes. Neben „Wiederholungstätern“ gibt es in diesem Jahr auch viele Neuzugänge.

Die Vernissage an Himmelfahrt wäre fast zu selbiger geworden, da die Ausstellung mit den teils schweren Skulpturen noch im März wegen des matschigen Bodens auf der Kippe stand, wie Konrad Beikircher berichtet. Umso erleichterter zeigte man sich am Eröffnungstag bei strahlendem Sonnenschein, wenngleich an der ein oder anderen Stelle festeres Schuhwerk von Vorteil gewesen wäre.

Hinter dem Hoftor fällt linker Hand gleich eine rote Skulptur der Künstlerin Jeanette de Payrebrune ins Auge. Die „The Rhine Prize“-Trägerin aus dem letzten Jahr nimmt an der diesjährigen Skulpturenausstellung mit 18 „Grazien“ teil, die paarweise einen „Reigen“ tanzen. „Ich sehe die Grazien nicht als rein weibliche Figuren“, betont sie, „sondern mir geht es vielmehr um das Symbol von innerer Haltung, von Kraft und Energie.“

 Der „Reigen der 18 Grazien“ stammt von der Künstlerin Jeanette de Payrebrune, der Vorjahrespreisträgerin des Rhine-Art-Prize.

Der „Reigen der 18 Grazien“ stammt von der Künstlerin Jeanette de Payrebrune, der Vorjahrespreisträgerin des Rhine-Art-Prize.

Foto: Martina Sondermann

Auf derselben Wiese befindet sich auch das Werk „Watar“ (übersetzt: Wasser) der niederländischen Bildhauerin Trees Jong, die mit ihrer Installation an das Trauma erinnert, als sie ihr Atelier bei der Flut im Ahrtal mitsamt ihrem künstlerischen Lebenswerk verloren hat. Ein paar Schritte weiter kommt eine Holzskulptur einigen Besuchern sicherlich bekannt vor. „Centaur“ stammt von dem unbekannten Street-Art-Künstler, der im ganzen Bonner Stadtbezirk immer wieder Holzreliefs anbringt, und dessen ausgestellte Skulptur irgendwann „einfach vor dem Tor lag“, wie Anne Beikircher berichtet.

Mit „Watar“ erinnert die niederländische Künstlerin Trees Jong an ihr Trauma bei der Ahrflut.

Mit „Watar“ erinnert die niederländische Künstlerin Trees Jong an ihr Trauma bei der Ahrflut.

Foto: Martina Sondermann

Der weibliche Torso nebenan heißt „Larissa“ und entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine Komposition zusammengeschweißter Schraubenmuttern. Der Künstler dahinter ist „Dauergast“ des Skulpturengarten und heißt Hans Bulla. Auf der gegenüberliegenden Wiese prangt der Schriftzug „Mitwelt“ auf einem notgedrungen gefällten Baum. „Ich möchte das Bewusstsein schärfen für das, was hier in der Natur passiert“, erklärt Künstlerin und Gastgeberin Anne Beikircher. Umwelt sei das, was einen umgebe, aber „Mitwelt“ sei ein Miteinander und ihr sehr wichtig.

Industrieroboter und Flugdrachen beim Skulpturengarten

Bevor es zum Innenhof geht, begrüßt einen rechter Hand die Installation „Up to you” (übersetzt: Es liegt an dir) von Guido Wolf, bei der sich ein alter Industrieroboter und ein Buchenholzast gegenüberstehen. „Die Konfrontation von kalter, ausrangierter Technik auf der einen und toter Natur auf der anderen Seite, diese Gegensätzlichkeit, die interessiert mich in all meinen Arbeiten“, erklärt der Künstler, der hauptberuflich Unternehmensberater ist und wiederholt an der Skulpturenausstellung teilnimmt.

Im Innenhof hat keineswegs jemand seine Schuhe vergessen, sondern „die Schuhe meines Vaters“ sind ein Bronzeguss des Beueler Künstlers Wolfgang Hunecke, der im März an der israelisch-deutschen Ausstellung „Act of Change“ in Israel teilgenommen hat. Am schattenspendenden Baum hängend führen die Figuren von Heidi Reichert den „Tanz der vier Winde“ auf. Die Kölner Künstlerin, die zum wiederholten Mal an „The Rhine Art“ teilnimmt, verwendet für ihre Mobiles das Material der Flugdrachen. So fröhlich die Figuren wirken, so ernst ist das Motiv. „Mir geht es um die Umwelt“, sagt Reichert. „Das Klima und die Winde hängen sehr stark zusammen.“

 Künstler Ralf Witthaus hat mit einem Rasentrimmer das Werk „2x2 Pantheon“ in die Wiese geschnitten.

Künstler Ralf Witthaus hat mit einem Rasentrimmer das Werk „2x2 Pantheon“ in die Wiese geschnitten.

Foto: Martina Sondermann

Schaut man auf die Wiese, fällt ein Muster im Rasen auf, das keineswegs die Vorstufe zu einem Beet, sondern ein Landschaftskunstwerk ist. Das Bodenmosaik des Pantheon-Tempels in Rom und das Geheimnis seiner Proportion haben Ralf Witthaus zum Werk „2x2 Pantheon“ inspiriert. „Es geht um räumliches Erleben“, erklärt der bildende Künstler, der mit Motorsense und Rasenmäher schon so manche Grünfläche gestaltet hat. Vergängliche Kunst, denn in zwei Wochen wächst alles wieder zu, da Witthaus nur bis zur Grasnarbe schneidet.

Querfeldein geht es auf die große Wiese, um weitere Skulpturen wie die Lärchenholzfiguren „Licht des Feuers“ und „Alpentango“ der Holzbildhauerin Simone Carole Levy zu entdecken. Die Arbeit „Consciousness“ des mongolischen Künstlers Ochirbold Ayurzana, eine überlebensgroße Menschenfigur steht im Innenhof. Aber nicht nur dort, sondern auch vor dem UN-Hauptgebäude in New York sowie auf der diesjährigen Biennale in Venedig im Pavillon der Mongolei.

Alle Besucher der Skulpturenausstellung im Katharinenhof sind aufgerufen, ihr favorisiertes Kunstwerk zu wählen und einen Stimmzettel abzugeben. Der Publikumspreis in Höhe von 1500 Euro wird zur Finissage am 13. Oktober um 14 Uhr verliehen. Er finanziert sich über Spenden und Eintrittsgelder. „The Rhine Prize“ wird alle zwei Jahre verliehen, und die Beikirchers hoffen nach eigenen Angaben, dass sich im kommenden Jahr genügend Spender für den mit 8000 Euro dotierten Preis finden werden.

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