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Bonn: Franziskaner verlassen Pennenfeld - alte Missionszentrale marode

Alte Missionszentrale in Bonn marode : Franziskaner verlassen Pennenfeld nach 50 Jahren

Die Missionszentrale und der Konvent der Franziskaner werden den Bonner Stadtteil Pennenfeld nach 50 Jahren verlassen. Stadtdechant Picken sieht im Umzug der Franziskaner einen „empfindlichen Eingriff“ in die Gemeinde.

Aufbruchstimmung einerseits, Abschiedsschmerz andererseits: So lässt sich das emotionale Bild zeichnen, nachdem bekannt wurde, dass Missionszentrale und Konvent der Franziskaner den Stadtteil Pennenfeld nach 50 Jahren verlassen werden. Wie berichtet, ziehen die Mitarbeiter in die oberen Etagen des früheren Puppenkönig-Gebäudes in Bonn, die vier Franziskaner-Brüder ans Küsterhaus der Münsterpfarrei.

Er sei schon vor drei Jahren mit Gemeinde und Diözese in Verhandlungen über die Zukunft getreten, sagte am Montag Pater Matthias Maier, Leiter der Missionszentrale, auf Anfrage. Denn sowohl beim Büro- wie auch beim Wohnhaus der Kommunität sei eine Kernsanierung nötig gewesen. „Es haben sich dann andere Angebote ergeben, denen wir aus Verantwortung nachgehen mussten“, begründete der Pater die Entscheidung für Bonn.

Der Mietvertrag, der noch einige Jahre Laufzeit hatte, sei dann fristgemäß gekündigt worden, um im  Frühjahr 2021 umziehen zu können. „Wichtig war uns, auf jeden Fall in Bonn zu bleiben, schon unserer guten Mitarbeiter wegen“, meinte der Missionsleiter. Das sei nicht selbstverständlich, angesichts vieler Klöster, die deutschlandweit frei würden und ebenfalls Kapazitäten zur Beherbergung böten. „Zudem sind hier viele Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit“, so der Pater.

Wirtschaftlich sei das Ganze nachvollziehbar, da am aktuellen Standort kaum Möglichkeit zur Expansion bestanden habe, sagte ein Mitglied der angrenzenden Gemeinde, die zur Pfarrei Sankt Martin und Severin zählt. Die Person möchte anonym bleiben. Die Entscheidung sei für viele rund um die Albertus-Magnus-Kirche trotzdem überraschend gefallen. „Mit der Missionszentrale gab es weniger Kontakt, dafür aber war der Konvent wichtig, an dessen Gebeten am Morgen und am Abend einige teilgenommen haben“, meinte das Gemeindemitglied. Um die besondere Spiritualität der Franziskaner zu erleben, seien auch Gläubige von außerhalb angereist.

Die Gläubigen der Gebetsgruppe habe er persönlich verständigt. „Sie wollen dann künftig in die Innenstadt fahren, sind ja nur zwei Stationen mit dem Zug“, sagte der Missionsleiter. An sich aber habe man bislang nur ehrenamtlich mitgeholfen. Das aber in nicht ganz geringem Umfang, wie Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claudia Plener-Kalbfleisch auf Anfrage sagte. „Die Patres haben gerade im Südviertel des Seelsorgebereichs wertvolle Dienste geleistet und das Gemeindeleben unterstützt. Sie übernahmen zum Beispiel seelsorgerische Aufgaben, Messfeiern, Exequien oder auch die Thementage der Firmvorbereitung“, so die Vorsitzende. Deshalb bedauere man sehr,  dass der Konvent Bad Godesberg verlasse.

Hinsichtlich der Zukunft der Gemeinde räumte Bonns Stadtdechant Wolfgang Picken, der auch Pfarrverweser in Godesberg ist, ein, dass der Wegzug der Franziskaner durchaus einen empfindlichen Einschnitt in das Leben der Gemeinde der Pfarrei Sankt Martin und Severin bedeute. Es werde aber ein Franziskanerpater, Pater Francis, als Pfarrvikar dort bleiben.

Der Personalschlüssel dort sei genauso ausgestattet wie in den anderen Gemeinden, „es wird in der Seelsorge keine Engpässe geben“, versprach Picken. Zur Frage, was mit dem Gebäude der Missionszentrale in Pennenfeld geschehen wird, sagte er, es sei so marode, dass es wohl nur noch abgebrochen werden könne. Man überlege derzeit, es an einen Investor zu verkaufen, um dort einen Neubau zu errichten. Die 30 Mitarbeiter des international tätigen Hilfswerks werden ab 2021 wieder Leben bringen in das Gebäude des früheren Puppenkönigs. Das alteingesessene Spielwarengeschäft in der Bonner City hatte 2019 geschlossen. Es befindet sich unmittelbar neben dem Bonner Münster. Im früheren Münsterladen plant Picken ab Ende des nächsten Jahres einen inklusiven Restaurationsbetrieb, ähnlich der von der Caritas betriebenen Kostbar in der Riesstraße.

Nach der derzeitigen Planung soll die Kostbar in den Betrieb involviert werden, sagte Picken. Der Restaurationsbetrieb soll vormittags und mittags geöffnet  haben, nachmittags und am Wochenende soll das Ladenlokal der jugendpastoralen Arbeit zur Verfügung stehen. „Wir erwarten für den Sommer einen neuen Stadtjugendseelsorger“, freute sich Picken. Das Kölner Erzbistum habe die seit längerem vakante Stelle mit einem Kaplan neu besetzt.

„Wir wollen neue Akzente in der Arbeit am Münster setzen“, kündigte der Stadtdechant an, die Konzeption sei indes noch in der Entstehungsphase. Fest steht schon jetzt, dass der frühere Münsterladen der Caritas anlässlich ihres 100. Geburtstages für Repräsentationszwecke ab Herbst 2020 bis zum darauffolgenden Herbst zur Verfügung steht.