Frühlingserwachen in Bonn Bloß keine Kröte überfahren

Bonn · In Bad Godesberg machen sich die ersten Kröten auf den Weg zum Laichen. Auf dem Heiderhof wird extra eine Straße gesperrt. Und es gibt noch mehr Anzeichen für den aufkommenden Frühling.

 Eine Kröte auf Wanderung in der Stadt.

Eine Kröte auf Wanderung in der Stadt.

Foto: Pixabay/Dennis Seiffert

Die Krokusse und Schneeglöckchen blühen, die Kröten zieht es über die Straßen zu ihren Laichgewässern. Für sie macht die Stadt auf dem Philosophenring sogar – wie in den Jahren zuvor – den Weg frei. Autofahrer müssen sich einen anderen Weg suchen. Auch wenn der Frühling diesmal etwas früher beginnt, muss man sich keine Sorgen machen. Das sagt Markus Radscheit, technischer Leiter der Botanischen Gärten in Bonn – zumindest auf die Pflanzen bezogen. „Das fängt jetzt richtig an.“

Bei 17 Grad am Freitag kommt alles aus den Löchern. Da gilt es, vor allem die Amphibien zu schützen, denn sie „gehören zu den am stärksten gefährdeten Tiergruppen in Europa“, teilt Anke Breuer von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) mit. „Der Bestand der Tiere geht seit vielen Jahren zurück. Gerade auf der Straße können innerhalb weniger Tage fast ganze Populationen sterben. Daher ist es wichtig, den Tieren das Ablaichen in den Gewässern zu ermöglichen.“

Der Weg Dorthin soll sicher sein, sodass der Philosophenring bis in den April auf 100 Metern zwischen der Fichtestraße und der Nietzschestraße nicht befahrbar ist. Busse müssen woanders langfahren, am Freitag wunderten sich einige Autofahrer, drehten dann aber. „Das ist alles kein Problem für mich“, meinte ein verständnisvoller Anwohner. Es sei sowieso eine Ringstraße, die von zwei Seiten an den Heiderhofring angebunden ist. Die Anwohner könnten halt über die eine oder die andere Einfahrt ihre Wohnungen erreichen.

Auf dem Heiderhof sind immer besonders schutzbedürftige Arten unterwegs: Erdkröten, Spring- und Grasfrösche sowie Teich- und Bergmolche. Sie dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Schon vor Jahren hat Christian Chmela, Leiter der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft, beobachtet, dass es immer weniger Tiere werden. Woran das liegt, sei nicht bekannt. Amphibienpopulationen schwankten aber stets stark. Auf dem Heiderhof geht es jedes Jahr schon recht früh los, weil sich der Springfrosch da schon recht früh auf die Reise mache.

Schutz erhalten Frösche, Kröten und Lurche auch an weiteren Straßen. Seit dem vergangenen Jahr gelangen sie an der Pützchens Chaussee in Beuel durch einen für sie eingerichteten Tunnel sicher auf die andere Seite, so die Stadt. Zudem stellt die Biologische Station wieder temporäre Zäune auf, etwa auch in Beuel. „Sie halten die Tiere davon ab, die Straße zu überqueren. Die Amphibien fallen in ebenerdig eingegrabene Eimer und werden täglich von freiwilligen Helfenden auf die andere Seite getragen“, so Yasmin Kalkan vom Presseamt der Stadt.

Der Heiderhofer Philosophenring ist wegen der Krötenwanderung gesperrt.

Der Heiderhofer Philosophenring ist wegen der Krötenwanderung gesperrt.

Foto: Richard Bongartz

Vorsicht ist laut Verwaltung auch geboten in der Annabergerstraße in Friesdorf, auf dem Finkenberg (Finkenbergstraße), im Steinbruchweg in Limperich, in der Burghofstraße in Oberholtorf, an der Hauptstraße am Holzlarer See, entlang der Villiper Allee in Röttgen sowie im Nachtigallenweg in Poppelsdorf.

Ein Stückchen weiter unten im Tal befindet sich noch ein kurioser Baum, „unser Kamelleboom“, wie es Radscheit sagt. Dieses Mandelbäumchen (Prunus Dulcis) blüht immer an Rosenmontag in Bonn. „Danach kann man die Uhr stellen. In diesem Jahr war das wieder so“, so der Experte. Die Mandel steht im Nutzpflanzengarten an der Ecke Carl-Troll-Straße und Friedrich-Hirzebruch-Allee.

Der Frühling naht: Ein Eichhörnchen auf einer Wiese voller Krokusse.

Der Frühling naht: Ein Eichhörnchen auf einer Wiese voller Krokusse.

Foto: Pixabay/garten-gg

Die kalte Phase vor Kurzem hat die Pflanzen laut Radscheit stimuliert und ihren vorgegaukelt, es habe einen strengen Winter gegeben. Nun bei der Wärme „freuen sie sich“. Phänologisch, also vom periodischen Jahreslauf her, sei es in Ordnung, dass es jetzt bereits sprießt. Der Experte meint dabei vor allem die Schneeglöckchen und Krokusse. Und falls sich jemand über erste Baumblüten an der Maxstraße in Bonn wundert: Da gebe es gewisse japanische Blühkirschen, die bereits im Winter Farbe zeigen.

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