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Bonn - Kunst im öffentlichen Raum: Die Oase auf dem Brüser Berg​

Kunst im öffentlichen Raum : Die Oase auf dem Brüser Berg

Wer die Borsig-Allee entlangflaniert, blickt auf eine langgestreckte Grünzone. Die „Grünen Bauteile“ der Gruppe Haus-Rucker-Co definieren die Lebensader des Brüser Bergs.

Wer die Borsig-Allee, sozusagen die Lebensader des Brüser Bergs, entlangflaniert – die auch deswegen eine Lebensader ist, weil die Mitte der Allee so üppig bewachsen ist – blickt auf eine langgestreckte und mitunter hoch aufragende Grünzone, die aus Natur, kleinen Plätzen und Architekturelementen aus Stahlrohren und Gittern gebildet ist. Grünanlage oder Kunst im öffentlichen Raum?

Gabriele Zabel-Zottmann zählt den üppigen Brüser Grünstreifen in ihrer Bonner Dissertation „Skulpturen und Objekte im öffentlichen Raum der Bundeshauptstadt Bonn“ (2012) zur Kunst im öffentlichen Raum. Was im Zusammenhang mit der Philosophie des österreichischen Architekten- und Künstlerkollektivs Haus-Rucker-Co überzeugt, das von 1967 bis 1992 bestand und zwischen Kunst, gestalteter Natur und Architektur keinen Unterschied machte, ist eine erfrischende Offenheit. Nach dem gewonnenen Wettbewerb von 1987 realisierten Laurids und Manfred Ortner, Gründungsmitglieder von Haus-Rucker-Co, 1993 das Stadtteilzentrum mit Edith-Stein- und Emmauskirche auf dem Brüser Berg, ein Ensemble, über das das Architekturportal „Next Room“ schreibt: „Ein Meisterstück der Kommunikation aus den Werkstätten der Ortners ist auch das Gemeindezentrum Brüser Berg, das in einem gemeinsamen Miteinander, das der Pfarrer so gern predigt, aus Kindergarten, Bibliothek, evangelischer und katholischer Kirche besteht. Der Glockenturm steht als verbindendes und kommunikatives Zeichen im Hof, wie es auch der Leseturm für das Museumsquartier gewesen wäre. Die Fassade des Kindergartens übernimmt in verkleinerter Form die Proportion des gegenüberliegenden Pfarrzentrums.“

Die „Grünen Bauteile“ entlang der Borsig-Allee gehören zu diesem kommunikativen Konzept dazu, bieten sich mit ihren Ruhezonen, Spielplätzen, (in der Regel gesperrten) Treppchen und Balkonen zwischen Fahrenheitstraße und Celsiusstraße und dann noch ein Stück Otto-von-Guericke-Allee bis zur Gauß-Straße als wucherndes Biotop an. Mancher nannte die umrankten Gerüste auch abschätzig „Affenkäfige“. Ebenfalls im GA war zu lesen, dass das Kunstwerk nur den Vögeln gefalle. Was unüberhörbar ist. Und nicht nur denen: Die Glyzinien haben hier Jahr für Jahr ab April ihren großen Auftritt.

 Etwas verwarlost: Der Volksmund sagt „Affenkäfig“ zu dieser Konstruktion
Etwas verwarlost: Der Volksmund sagt „Affenkäfig“ zu dieser Konstruktion Foto: Thomas Kliemann

Anfang und Ende der Zone markieren Spiel-Räume für Schach oder dergleichen. Auf halber Strecke öffnet sich die Grünzone zu einem am Samstag gut gefüllten Marktplatz und einem offenen grünen Areal auf der Höhe der beiden Kirchen. Für das Alltagsleben, für Besucher der Gastronomie und Menschen, die zu den vielen Geschäften auf dem Brüser Berg unterwegs sind, bietet die langgestreckte Grünzone einen sehr angenehmen Kommunikations- und Naturraum. Gerade in diesen Tagen großer Hitze ist diese Oase von unschätzbarem Wert.

Bekannt wurden Haus-Rucker-Co 1985 durch ihren Rahmenbau bei der documenta 6 in Kassel, ein Stahlrahmen mit Rampe mitten in der Natur, der noch heute sozusagen den Blick auf die Karls-Aue einrahmt und durchaus als entfernter Verwandter der Brüser Berger Installation zu bewerten ist. In Bonn entwickelten Haus-Rucker-Co, beziehungsweise Laurids und Manfred Ortner, eine Pavillonarchitektur im Bonner Regierungsviertel und das Kunstzentrum am August-Macke-Platz mit Kunstverein – eine umgebaute Blumenhalle -, Gesellschaft für Kunst und Gestaltung und Künstlerforum. Die Ortners zeichnen auch für das neue Haus der Sparkasse Köln Bonn am Friedensplatz verantwortlich.