Widerstand in der NS-Zeit Wer war der Namensgeber für die Löbestraße in Bad Godesberg?

Bad Godesberg · Die Löbestraße kennt jeder Bad Godesberger, wer sich dahinter verbirgt, wissen aber nicht alle. Das soll sich auf Wunsch eines Bürgers nun ändern.

 Blick in die Löbestraße in Bad Godesberg.

Blick in die Löbestraße in Bad Godesberg.

Foto: Axel Vogel

Egal ob mit Auto, Bus, Fahrrad oder zu Fuß: Wohl so gut wie jeder, der in Bad Godesberg unterwegs ist, wird wenigstens einmal die Löbestraße passieren. Nicht nur, dass sie in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs liegt und dort zahlreiche Busse haltmachen, sie ist auch eine wichtige Verbindungsstraße. Nach wem die Straße allerdings benannt ist, wird nicht ersichtlich. Denn an dem Straßenschild fehlt jeglicher Hinweis auf den Namensgeber.

Ein Missstand, den es zu beheben gelte, meint ein Bad Godesberger. Seine Lösung, die er in einem entsprechenden Antrag formuliert hat: Ein Zusatzschild muss her. Stimme die Bezirksvertretung zu, sei das kein Problem, meint die Stadt. Allerdings müsste der Antragsteller laut eines Ratsbeschlusses das Schild nicht nur bezahlen, sondern auch die Anbringung finanzieren – insgesamt rund 155 Euro.

Finanzierung aus städtischem Haushalt

Das sah das Gremium in seiner jüngsten Sitzung anders. Einstimmig sprach man sich für das Zusatzschild aus. Allerdings wird auf Antrag des Bürger Bunds Bonn nicht der Bad Godesberger zur Kasse gebeten. Vielmehr wird die Maßnahme aus dem städtischen Haushalt finanziert.

Doch wer war Paul Löbe? Paul – mit vollen Namen Paul Gustav Emil – Löbe wurde im Dezember 1875 im schlesischen Liegnitz geboren. Mit 18 Jahren trat der gelernte Schriftsetzer 1893 in die SPD ein. Er war journalistisch tätig, Ende des 19. Jahrhunderts wurde er Redakteur der Breslauer Volkswacht, später war er (bis 1919) Chefredakteur der Zeitung.

 Alterspräsident Paul Löbe spricht am 7. September 1949 während der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestages in der einstigen Turnhalle der Pädagogischen Akademie, die zuvor zum Plenarsaal umgebaut worden war.

Alterspräsident Paul Löbe spricht am 7. September 1949 während der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestages in der einstigen Turnhalle der Pädagogischen Akademie, die zuvor zum Plenarsaal umgebaut worden war.

Foto: dpa

1919 war er Teil der verfassungsgebenden Nationalversammlung, von 1920 bis 1933 Mitglied des Reichstags. 1920 wurde er mit einer überwältigenden Mehrheit zum Reichstagspräsidenten gewählt, er erhielt, so ist auf der Seite bundestag.de zu lesen, 397 von 420 Stimmen. Mit einer kurzen Unterbrechung hatte er das Amt zwölf Jahre lang inne (von 1920 bis 1924 und von 1925 bis 1932). Nach den Wahlen 1932 übernahm Hermann Göring den Reichstagsvorsitz.

1933 und 1944 kam er ins KZ

1933, die SPD war im Juni verboten worden, wurde Löbe – eines der wenigen Mitglieder des SPD-Parteivorstandes, die noch nicht emigriert waren – verhaftet und ins Konzentrationslager Breslau-Dürrgoy gebracht. Es sollte nicht bei dem einen KZ-Aufenthalt bleiben. 1944, aufgrund seiner Verbindungen zum Widerstand um Goerdeler und Leuschner, wurde er nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 erneut inhaftiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Zerfall des nationalsozialistischen Regimes war Löbe maßgeblich am Wiederaufbau der SPD beteiligt. Ende der 1940er Jahre war er Teil des Parlamentarischen Rats und wirkte „an einigen der konstitutiven Artikel des Grundgesetzes mit“, so bundestag.de. 1949 eröffnete er als Alterspräsident die erste Sitzung des Deutschen Bundestages. Bis 1953 blieb er Mitglied des Gremiums. Er setzte sich stets für die Wiedervereinigung Deutschlands und den europäischen Gedanken ein.

Löbe verstarb im August 1967 im Alter von 91 Jahren in Bonn.

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