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Bonn: Mehlemerin Angelika Mengden bietet in Touren mit Lamas an

Ungewöhnlicher Spaziergang am Rodderberg : Mehlemerin bietet Lama-Wanderungen an

Ein Spaziergang mit Andentieren fördert laut Angelika Mengden die Entspannung. Die Mehlemerin setzt auf tiergestützte Therapie und bietet am Rodderberg Wanderungen mit Lamas an.

Total unsicher fühlte sich Janine Vietze im ersten Augenblick, als sie mit ihrer Freundin Nicole Peschel zum ersten Mal auf die Lamas zuging. „Wir wussten einfach nicht, wie die reagieren und was man da tun muss“, beschrieb die junge Frau das Gefühl, das die meisten empfinden, wenn sie zum ersten Mal die Weide von Angelika Mengden in Mehlem betreten. „Das legt sich, wenn die Besucher sich ihr Lama für die Wanderung aussuchen. Manchmal sucht sich das Lama auch seinen Menschen aus“, beschrieb Mengden das Kennenlernen von Mensch und Tier vor den Wanderungen.

„Wann man nachher wieder bei der Weide ist, kann man nicht immer ganz genau sagen“, so Mengden. Das nämlich hängt vom Zusammenspiel mit den tierischen Mitwanderern ab, das sich individuell entwickelt. „Wenn wir die Weide verlassen, sage ich von vorneherein, dass wir für die ersten 150 Meter unter Umständen auch mal 20 Minuten brauchen“, sagte sie schmunzelnd. Grund zur Frustration ist das nicht, sondern eher normal. „Lamas sind nicht nur Herden- und Fluchttiere, sondern auch Distanztiere“, erklärt die staatlich anerkannte Erzieherin. Deshalb brauchen sie eine Weile, um sich an den einen oder die beiden Menschen zu gewöhnen, die da mit ihnen spazieren gehen.

„Wir waren in fünf Minuten da“, beschrieb Vietze ihren persönlichen Ablauf der ersten Strecke der Lamawanderung, die sie von Peschel zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Die beiden hatten die eineinhalbstündige Tour mit den wollenen Vierbeinern in vollen Zügen genossen. „Das Naturerlebnis ist viel intensiver, weil man sehr auf die Tiere achtet und auf das, was ihre Aufmerksamkeit erregt“, sagte Peschel. Vietze ergänzte: „Es gibt Dinge, die man gar nicht gesehen hätte, wenn das Lama nicht stehengeblieben wäre und nachgelauscht oder hingeguckt hätte. Das war unglaublich entspannend.“

Für Angelika Mengden hatte der Weg zu den in Europa ungewöhnlichen Weidetieren mit drei Lama-Stuten begonnen. „Ich wollte gerne wieder mit großen Herdentieren umgehen“, so Mengden. Wegen einer Tierhaarallergie kamen Pferde nicht infrage. Ihre Wahl fiel auf die für die meisten Allergiker unproblematischen Lamas und sie bildete sich zweieinhalb Jahre zur Therapeutin für tiergestützte Therapien mit Lamas und Alpakas weiter. Wer sich mit ihr zu einer Wanderung auf der Lama-Weide trifft, erfährt innerhalb der kommenden Stunden nicht nur viel über die Vierbeiner, sondern oft genug auch manches über sich selbst. „Die Tiere spiegeln durch ihren besonderen Charakter viele innere Facetten der Menschen wider, die sie umgeben“, beschrieb Mengden die Wirkung des Umgangs mit den Andentieren.

Sie selbst erfuhr das, als sie sich vor neun Jahren ihren Traum erfüllte und die ersten drei der heute fünf Stuten anschaffte. Auch Mengden musste erst lernen, dass der Weg zum Tier in diesem Fall über die eigene innere Ruhe führt. War sie selbst angespannt und gestresst, dann ließen die Tiere sie nicht an sich heran. Kam sie zuerst zur Ruhe, dann konnte sie mühelos mit ihnen arbeiten.

Ihre Familie stand dem Experiment anfangs skeptisch gegenüber, begeisterte sich aber schnell für die Vierbeiner. Um diese Erfahrung mehr Menschen zugänglich zu machen, bietet Mengden seit 2014 eine Monatswanderung und nach Absprache Gruppen- und Einzelwanderungen für Erwachsene und Kinder an. Auch Kindergeburtstage, After-Job-Veranstaltungen und individuelle Wanderungen unternimmt die Herrin der Mehlemer Lamas. Wegen der Corona-Pandemie können allerdings derzeit nur jeweils zwei Menschen gleichzeitig mit den Tieren losziehen.

Informationen zu den Tieren und Termine finden Interessierte unter www.lamas-bonn.de