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Bonn-Plittersdorf - 70 Jahre Amerikanische Siedlung​

70 Jahre Amerikanische Siedlung : Die amerikanische Seele von Plittersdorf

Das 70-jährige Bestehen der Amerikanischen Siedlung in Plittersdorf wurde mit einem Fest rund um die Stimson Memorial Chapel gefeiert. Unter den Gästen waren Bewohner, die John F. Kennedy sogar persönlich getroffen haben.

Als die US-Amerikaner das 200-jährige Jubiläum ihrer Nation feierten, da gab es auch in Bonn eine Party, genauer gesagt im „American Embassy Club“. Der Plittersdorfer Wolfgang Heedt war am 4. Juli 1976 als Jugendlicher dabei, als über der Amerikanischen Siedlung ein prächtiges Feuerwerk gezündet wurde. „Wir haben alle auf der Wiese gelegen und gestaunt“, erinnert er sich. Zum 70-jährigen Bestehen dieser Siedlung gab es zwar kein Feuerwerk, aber ein gutgelauntes Fest am vergangenen Samstag vor der Stimson Memorial Chapel.

Die Besucher konnten mit Kinderprogramm, Musik, alten Fotos vom Bau der Siedlung ab 1951 bis zum Besuch Bill Clintons 1999 und vielem mehr vergnügen.Vor der Kapelle parkten schicke alte Autos, unter anderem das Oldsmobile Super 88 mit V8 Rocket Engine, Baujahr 1959. Den fuhren Petra und Christian Klee vor, die ihre Leidenschaft für die 1950er-Jahre ausleben. Der Festakt fand in der Kapelle statt, besonderer Ehrengast war die US-Generalkonsulin für NRW, Pauline Kao. In ihrer Rede hob sie die Demokratie als wertvollste aller Regierungsformen hervor und ließ nicht aus, dass die deutsche auch an diesem Ort mitentwickelt wurde. Die Stimson Memorial Chapel sei ein wichtiges Symbol für die deutsch-amerikanische Freundschaft, sagte sie.

Kinobesucher John F. Kennedy

Die Kirche als Zentrum dieser Siedlung ist auch Karin Ulrich und ihrer Schwester Brigitte Müller-Schönau wichtig, vor allem, weil sie neben den Wohnhäusern, einem Kindergarten und dem Embassy Club das einzige Gebäude ist, das der Abrisswelle entging. Die Shopping-Mall, die Post, das Kino, die Schule, ein Schwimmbad, eine Bowlingbahn und das Heizwerk - alles weg. Besonders an das Kino erinnern sich die Schwestern gerne. „Man konnte Popcorn essen, das gab es damals in Deutschland noch nicht“, so Müller-Schönau. Und Ulrich hatte durch ein gewitztes Manöver eine außergewöhnliche Begegnung. „Man hatte mir verraten, dass John F. Kennedy, wenn er hier war, immer den Hintereingang ins Kino nahm.“ Bei einem seiner Besuche postierte sie sich dort und durfte dem überraschten US-Präsidenten die Hand schütteln.

Kennedys Besuch 1963 war für Walter A. Bawell einer der wichtigen Momente in der deutsch-amerikanischen Beziehung. Bawell kam als Colonel in die HICOG-Siedlung und arbeitete in den 80ern und 90ern in der US-Botschaft. Jetzt wohnt er immer noch in der Siedlung. Die Begegnung Kennedys mit Konrad Adenauer im US Embassy Club sei ein „Turning point“ in dieser Freundschaft gewesen, sagte er beim Festakt. Aber diese Beziehung habe schon früher begonnen, in seinen Augen 1954, als die jungen Deutschen lieber „Rock around the clock“ im American Forces Network hörten als das heimische Liedgut. Für ihn war die HICOG-Siedlung ein Ausdruck dieser Freundschaft. „Diese Community war von Anfang an international.“

Partys mit den Marines

Das konnten auch die beiden Schwestern bestätigen. „Das war auf kleinem Raum die ganze Welt“, sagte Karin Ulrich. „Die berühmte World in a Nutshell. Man geht aufeinander zu, begrüßt sich.“ Sie liebt die Siedlung wegen dieser Internationalität, aber auch wegen der breiten Straßen und der großzügigen Grünflächen. Die Amerikaner am Ort hätten sich sehr offenherzig und sympathisch gezeigt, berichteten zwei andere Bewohnerinnen der Siedlung. Zum Beispiel seien sie immer herzlich willkommen gewesen, wenn die Marines ihre Thank God it’s Friday“-Parties gefeiert hätten – was jeden Freitag der Fall gewesen sei.

Für die Stadt Bonn war Bürgermeisterin Ursula Sautter gekommen, außerdem sprach der stellvertretende Bad Godesberger Bezirksbürgermeister Michael Wenzel. Er hoffe, dass der Embassy Club mit Hilfe der Montag Stiftung erhalten bleiben könne. Mario Weyers, Pastor der American Protestant Church Bonn (APC), lobte, dass die Stimson Memorial Chapel, die Präsident Clinton 1999 offiziell der Stadt Bonn geschenkt hatte, durch die Arbeit des Fördervereins ein multikultureller Ort der Begegnung geworden sei. Neben der APC nutzen eine koreanische, eine srilankische und eine russisch-messianische Gemeinde die Kapelle. Auch die Präsidentin dieses Fördervereins Angela Beckmann hob das Bauwerk als Symbol für die deutsch-amerikanische Botschaft hervor.

Einzigartige Architektur

Überwiegend haben deutsche Arbeiter die Siedlung errichtet, zeitweise waren bis zu 3500 am Werk, sagte Jörg Schecker, der Vorsitzende des Vereins „Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf“ (RASP). Auch sein Großvater sei darunter gewesen. Diese Architektur sei in Deutschland einzigartig. Am Stand des Vereins konnte man sich Projekte anschauen, die RASP gerne angehen würde. Zum Beispiel den Erhalt der Grünflächen, bessere Beleuchtung, Aufklärung über Mülltrennung, Einbindung der jüngeren Generation, ein eigener Bücherschrank und ein fußläufig erreichbarer Briefkasten. Der Verein kämpft auch gegen Sanierungsstau an und möchte eine Zeitzeugen-Dokumentation erstellen.