Projekt im Kindergarten Kinder der Kita Mini-Mäuse lernen spielerisch den Umgang mit dem Rollstuhl

Bad Godesberg · Spielerisch sollen die Kinder der Mini-Mäuse bei einm Projekt die Funktion eines Rollis kennenlernen. Mit ihrer Erzieherin Julia Fertig haben sie eine richtige Expertin an ihrer Seite, weil die 39-Jährige Rollstuhlfahrerin ist.

Viel Spaß haben offensichtlich die Kinder der Kita Minimäuse mit ihrer Erzieherin Julia Fertig beim Rollstuhlprojekt.

Viel Spaß haben offensichtlich die Kinder der Kita Minimäuse mit ihrer Erzieherin Julia Fertig beim Rollstuhlprojekt.

Foto: Petra Reuter

Sturzbügel, Bremsen und Gurte zum Anschnallen haben die Kinder der Kita Mini-Mäuse mit ihrer Erzieherin Julia Fertig an ausgeliehenen „Kinder-Rollis“ entdeckt: Die 39-Jährige sitzt selbst im Rollstuhl und hatte die Idee zu diesem Rollstuhlprojekt, bei dem die Kleinen mit und ohne Förderbedarf die Gelegenheit bekamen, einmal das Leben und Spielen im Rollstuhl auszuprobieren. Der Nachwuchs ging mit Entdeckergeist an die Sache.

„Kinder haben weniger Berührungsängste, sie probieren einfach aus“, sagte Einrichtungsleiter Hendrik Lohmer. Bei der Nachricht, dass sie bald echte Kinderrollstühle ausprobieren dürften, sei der Nachwuchs zuerst etwas aufgeregt gewesen. Julia Fertig erklärte ihnen die Regeln: Der Rollstuhl darf nur mit den vorgesehenen Handläufen bewegt werden und man darf nicht aufstehen. „So konnten die Kinder testen, wie es ist, wenn man im Rollstuhl sitzt“, sagte die Erzieherin. Wenige Minuten später drehten die Fünf- und Sechsjährigen erste Testrunden und spielten anschließend Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser. Diesem Spiel folgte ein kleiner Slalomparcours, ein Ballspiel und ein Stopptanz.

„Das geht leichter, als ich gedacht hatte“, fand Finn (6). Am besten fanden die meisten der Vorschulkinder den Stopptanz. Im Rollstuhl sei man kleiner, weil man sitzt, stellte Hannah (5) fest und ergänzte: „Aber man kann sich trotzdem gut bewegen“. Eigentlich empfanden sie das Fortbewegungsmittel gar nicht mehr als etwas Ungewöhnliches. Schließlich kennen sie ihre Erzieherin Julia schon mehr als ein halbes Jahr. „Und ich sitze nun einmal immer darin“, sagte die 39-Jährige. Sie selbst hindere „der Rolli“ ebenfalls nicht an der Beweglichkeit. „Ich spiele seit 23 Jahren Rollstuhlbasketball.“

Die ausgebildete Lehrerin für Englisch und Sonderpädagogik wollte gerne auch mit jüngeren Kindern arbeiten und hatte sich deshalb als Erzieherin beworben. Bis sie eine Stelle in der Kita bekam, musste sie lange suchen. „Oft kamen Ablehnungen, weil die Gebäude nicht barrierefrei waren“, berichtete Fertig. Auch bei den Mini-Mäusen mussten einige Rampen angeschafft werden, damit sie kleinere Hürden eigenständig überwinden kann. Manche Tätigkeiten, wie die Begleitung bei Spaziergängen, seien zwar möglich, „aber nicht optimal“, so die Erzieherin. Bei der Arbeit gebe es für sie dennoch keinen „Rollstuhlbonus“. Man verteile Aufgaben einfach so, dass es für alle gut passt. „Ich kann beispielsweise hier viele Dinge in der Gruppe vorbereiten, während die anderen draußen sind.“

Die Idee zum Rollstuhlprojekt hatte Fertig erstmals bei ihrer Arbeit in einer Kölner Kita. Von den guten Erfahrungen dort sollten auch die Kinder der Mini-Mäuse profitieren. Das Ziel sei, einen offenen Umgang auf Augenhöhe mit Menschen im Rollstuhl und eine einfache Lebenshaltung zu vermitteln: „Es ist nicht nur alles schlimm, wenn man körperlich beeinträchtigt sitzt. Man kann trotzdem eine Menge Spaß haben.“ Mit dem Projektergebnis zeigte sich die Erzieherin zufrieden: „Inklusion sollte ganz früh anfangen – und Inklusion beginnt im Kopf.“

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