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Tageszentrum für psychisch Kranke: Breite Front gegen Anwohnerprotest

Tageszentrum für psychisch Kranke : Breite Front gegen Anwohnerprotest

Das geplante Tageszentrum, das der Verein für gemeindenahe Psychiatrie am Moltkeplatz 2 eröffnen möchte, soll nicht in dieses Haus einziehen. Einen entsprechenden Bürgerantrag haben 23 Geschäftsleute und Anlieger unterzeichnet.

Er steht in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung auf der Tagesordnung. In der Politik regt sich Widerstand gegen den Antrag der Bürger.

Wie berichtet, soll am Moltkeplatz eine Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch Erkrankte, Angehörige und Freunde eingerichtet werden. Abends sollen die Räume an die Volkshochschule oder andere Einrichtungen vermietet werden. "Oberstes Gebot ist die Integration psychisch kranker Menschen in die Gesellschaft", sagt Wolfgang Pütz, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Das funktioniere in Einrichtungen des Vereins wie an der Augustastraße und dem Bonner Talweg sehr gut.

Moltkeplatz und Umgebung seien von zentraler Bedeutung für Bad Godesberg, heißt es in der Begründung des Bürgerantrags. Markt, Gastronomie, Banken und Geschäfte würden gut angenommen; der Platz nehme innerhalb der Stadt eine "hervorragende Stellung" ein.

Sollte das Tageszentrum eröffnet werden, würde die "existenzielle Chance aus der Hand gegeben, am Moltkeplatz und seiner Umgebung weitere infrastrukturelle wirtschaftliche Verbesserungen zu erreichen". Durch das Zentrum wäre die "bislang intakte Infrastruktur (...) in großer Gefahr". Der Platz verliere an Qualität, Geschäfte und Gastronomie wanderten ab, Anlieger und Fiskus müssten mit wirtschaftlichen Einbußen rechnen. "Für die vom Verein angestrebte Inklusion" sei der Standort kontraproduktiv. Die Ziele des Vereins ließen sich andernorts erreichen.

Die Ratsfraktionen von Grünen und CDU zeigen sich "befremdet und enttäuscht von dem Versuch, die Eröffnung eines Sozialpsychiatrischen Zentrums am Moltkeplatz zu verhindern". Das stehe im Gegensatz zum Gedanken der Inklusion, dem sich die Stadt verschrieben habe.

"Wir halten es für provinziell, ichbezogen und kurzsichtig, sich dieser Entwicklung entgegen zu stellen", sagen Ingeborg Cziudaj (CDU) und Detmar Jobst (Grüne). Die Annahme, dass die Qualität des Platzes durch die Eröffnung des Tageszentrums leide, lege den Schluss nahe, dass sich die Antragsteller nicht mit den Potenzialen einer Beratungsstelle beschäftigt haben. "Wir sehen in dem sozialpsychiatrischen Zentrum eine Bereicherung in jeder Beziehung und unterstützen den Träger in diesem Vorhaben."

Dies sieht die SPD genauso: "Innenstädte sollen für alle da sein. Das betrifft nicht nur Modestile oder Brotvorlieben. Manche wollen zum Arzt, andere zur Kreditberaterin. Wer eine Beratung im psychosozialen Fragen braucht, ist oft darauf angewiesen, dass der Weg dahin möglichst einfach, am besten vertraut ist. Eben barrierefrei", sagt Hillevi Burmester.

Und Peter Kox ergänzt: "Noch im August wird der Bürgerantrag im Projektbeirat für den behindertenpolitischen Teilhabeplan und dann in der Bezirksvertretung beraten. Ich gehe davon aus, dass damit Ende dieses Monats das Ausspielen der Interessen von behinderten Menschen gegen wirtschaftliche Erwägungen in den politischen Gremien abschließend einhellig verurteilt wird."

Der Antrag "ist ein Schlag ins Gesicht von Menschen mit psychischen Erkrankungen", sagt Martin Behrsing (Die Linke). Der Vorstoß zeige neben mangelnder Kenntnis der Materie "auch den deutlichen Unwillen, sich mit der Situation von Menschen mit psychischen Erkrankungen auseinanderzusetzen". Man müsse die Einwände der Bürger ernst nehmen, sagt Ulrich Hauschild (FDP). Und dennoch: "Ich finde diese Einrichtung toll. Sie ist segensreich für die Betroffenen."

"Wir begrüßen die Initiative des Vereins, halten aber den gewählten Standort nur für eingeschränkt geeignet", sagt Marcel Schmitt (Bürger Bund Bonn). Durch das Tageszentrum würde in einem "prosperierenden Teil von Godesberg wertvolle Geschäftsfläche wegfallen". Das Pfarrheim Sankt Marien wäre ein idealer Standort gewesen, so Schmitt.

Tageszentrum:
Um sich ein Bild vor Ort zu machen, haben Mitglieder der Bonner SPD das Tageszentrum an der Augustastraße besucht, das an den Moltkeplatz ziehen soll - weil dort laut Verein für gemeindenahe Psychiatrie mehr Platz zur Verfügung steht und das Objekt zentraler liegt. An der Augustastraße schauen täglich rund 23 Personen vorbei, nach der Eröffnung vor fünfeinhalb Jahren waren es sechs. Außerdem gab es dort früher ein Beratungsangebot zum betreuten Wohnen. Die Mitarbeiter sind aber bereits an den Moltkeplatz gezogen.