Zukunft des Stadtbezirks Bürger diskutieren über Weiterentwicklung Bad Godesbergs

Bad Godesberg · Es geht in die nächste Runde: Die Bad Godesberger haben weiter an einem Konzept zu Tourismus, Kultur, Freizeit und Sport für den Stadtbezirk gearbeitet. Das jüngste Treffen brachte konkrete Vorschläge und Forderungen für die Umsetzung.

 Blick auf die Godesburg: Sie als Wahrzeichen des Stadtbezirks besser vermarktet und auch attraktiver werden.

Blick auf die Godesburg: Sie als Wahrzeichen des Stadtbezirks besser vermarktet und auch attraktiver werden.

Foto: Richard Bongartz

879 Bonner haben bei der Bürgerbeteiligung für die Zukunft Bad Godesbergs mitgemacht und ein Füllhorn an konstruktiven Ideen eingereicht. Da war selbst Stefan Sauerborn von der Standortentwicklung im Amt für Wirtschaftsförderung erstaunt. Als Gastgeber wollten die Stadt und dwif-Consulting GmbH nun noch einmal vor Ort diskutieren sowie konkrete Maßnahmen und Projekte für ein neues Konzept zum Tourismus, Kultur, Freizeit und Sport für Bad Godesberg ansprechen.

Waren es bei der ersten Veranstaltung dieser Art noch 50 Interessenten, so kamen am Donnerstagabend 30 überwiegend ältere Besucher in die Stadthalle. Nach Angaben Sauerborns waren auch Jugendliche gezielt angesprochen worden vorbeizukommen. Taten sie aber nicht. Einen Tag zuvor gab es schon eine Klausurtagung der Organisatoren und Verwaltung.

Dass sich der Prozess nicht von heute auf morgen vollenden lässt, wird schon an den Leitlinien deutlich. Sie sind mit der „Vision Bad Godesberg 2035“ umschrieben. Und da hängt so einiges auch mit einer endgültigen Auswahl und verfügbaren Fördermitteln zusammen. Der Stadtbezirk soll dabei unter anderem selbstbewusst auf seine Potenziale schauen und auch junges Publikum anlocken, teilten Michael Deckert und Hanna Zehren vom beauftragten Tourismusberatungsbüro dwif mit Sitzen in München und Berlin anfangs mit. Und stiegen dann auch schon bald in die von allen sehnsüchtig erwartete Diskussion ein.

Eine Frau ist der Meinung, dass man als Erstes die Innenstadt anpacken müsse, denn da gehe es bergab. Bezirksbürgermeister Michael Wenzel merkte allerdings an, dass es in Sachen Leerstand derzeit keine größeren Probleme gebe.

Zu wenig Kultur

Bonns Schauspieldirektor Jens Groß machte unmissverständlich klar, wo es am Konzept hapere: der Kultur. „Das größte Potenzial ist unterrepräsentiert“, sagte er. Ein anderer Besucher ergänzte, dass der Sport dagegen zu viel Gewicht habe. Jemand anderes fragte sich: „Warum ist Bad Godesberg nicht viel mehr Teil des Beethovenfestes?“ Niemand konnte auch die Frage beantworten, warum angeblich so wenige Leute von außerhalb das Kulturangebot in Godesberg nutzten.

Volker Kregel (Verein Bürger.Bad.Godesberg) erinnerte daran, auch andere gute Eigenschaften in den Ring zu werfen: Aus der maroden, aber ansonsten stattlichen Kurfürstlichen Zeile könne man so viel machen. Es sei schon schade, dass nach der missglückten Hochschulansiedlung nichts mehr nachkam. Angesichts der im Sitzungssaal ständig flackernden Lampe wünschte sich der Godesberger eher eine zukunftsfähige Kongresshalle als Visionen.

Mancher hatte seine eigenen, längst nicht neuen Thesen: Da war wieder mal vom „arabischen Sektor Koblenzer Straße“ die Rede, der zur Fressmeile verkomme. Und auch von 1969, als Bad Godesberg nach Bonn eingemeindet wurde. Seitdem, also seit 55 Jahren, gebe es von Seiten der Bonner Verwaltung Vorbehalte gegenüber dem Süden.

Die Burg bewerben

So wie sie schon ins Logo des Zentrenmanagements gerutscht ist soll künftig viel mehr für die Godesburg getan werden, um Neugierige anzulocken. Deckert und Zehren haben einige Bürgervorschläge priorisiert: Die Konzertmuschel an der Stadthalle sanieren, öffentliches WLAN in der City, digitaler Führer über Bad Godesberg, mehr öffentliche Toiletten (eine befindet sich hinter dem Schauspielhaus), ein schönerer Bahnhofsvorplatz, Veranstaltungskonzept und Instandhaltung der Kultur-, Freizeit- und Sportstätten.

Wichtig war allen, dass nicht alles wieder in der Schublade verschwindet. Es soll nun für jedes Thema eine Person oder Institution benannt werden, die sich kümmert. Ein Besucher wünschte sich mehr Mut in der Verwaltung.

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