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Jugendtreff Adendorf: Bürgermeisterin ohne Mehrheit

Jugendtreff Adendorf : Bürgermeisterin ohne Mehrheit

Mit zehn zu vier Stimmen und einer Enthaltung hat der Ausschuss für Bildung und Jugend des Wachtberger Gemeinderates am Mittwochabend einen Vorschlag der Verwaltung abgelehnt, den Jugendtreff Adendorf im umgebauten Theaterkeller der Grundschule unterzubringen.

Der vorherige Rat hatte zu Jahresbeginn beschlossen, ein Blockhaus am Schulgelände als Jugendzentrum zu errichten. An diesen vor der Kommunalwahl nicht mehr umgesetzten Plänen wollte die Mehrheit der Ausschussmitglieder festhalten. Bürgermeisterin Renate Offergeld (SPD) hatte argumentiert, dass der Umbau des Schulraums nicht nur 19.000 Euro günstiger sei, als der Bau eines Blockhauses für 73.000 Euro. Auch die Folgekosten seien im Altbau geringer.

Hans Guenther Pillig, Mitarbeiter im Fachbereich Infrastruktur der Gemeindeverwaltung, stellte nach einem Ortstermin an der Schule auch in der Sitzung noch einmal die Idee vor, die bestehenden Räume für das Jugendzentrum zu nutzen. Seitlich in die Außenwand der Schule müssten drei bodentiefe Fenster eingebaut werden. Über eine abgeschrägte Böschung und eine neue Terrasse mit Sitzstufen käme Licht in den Keller. Insgesamt sei diese Lösung weniger pflegeaufwendig als ein Holzhaus, so die Verwaltung.

Volker Gütten (CDU) sagte, das neue Jugendhaus hätte schon zum Sommer fertig sei müssen. Offergeld verwies jedoch darauf, das das noch Sache ihres Vorgängers gewesen wäre. Im Kern ging es am Ende um die Frage, welche der beiden Lösungen die Jugendlichen besser finden werden. Anna Heck-Hansen (CDU) bezweifelte, dass ältere Jugendlich ab 14 Jahren Räume in einer Grundschule annehmen. "Die Akzeptanz für ein Blockhaus wäre sicherlich größer", sagte sie.

Michael Maichle (ebenfalls CDU) argumentierte anders: Es gehe darum, die Sechs- bis Zwölfjährigen zu erreichen und an den Jugendtreff zu binden. "Ein Kellerraum ist dafür nicht geeignet." Ilse Fuss (FDP) fand, dass sich die Betroffenen selbst dazu äußern müssten. Sie hielt den neuen Vorschlag von Bürgermeisterin und Verwaltung aber für eine "gute, preiswerte und praktikable Lösung". Wolfgang Neusüß (SPD) sagte, Akzeptanz entstehe vor allem durch die Möglichkeit zur Mitgestaltung.

"Gerade in kleineren Einrichtungen ist es schwierig, alle Altersgruppen anzusprechen", gab Monika Engels vom Kreisjugendamt zu bedenken. "Wenn Sie den Fokus auf Ältere legen wollen, ist die Frage, ob man die in ein Holzhaus holen kann. Möglicherweise wollen sie sich gar nicht aus dem Ortszentrum locken lassen", so Engels. "Wir wollen nicht länger über eine Alternative diskutieren, die keinen erkennbaren Vorteil hatte", fasste Christoph Fiévit die Haltung der CDU zusammen. Renate Offergeld sah das anders: "Wir haben versucht, den Jugendlichen in Adendorf eine gute Alternative zu bieten. Ich kann nur an Sie appellieren: Setzen wir das so um." Zustimmung erhielt sie nur von SPD und FDP.

Sichtlich erfreut über das Ergebnis war der ehemalige CDU-Fraktionschef und unterlegene Bürgermeisterkandidat Hartmut Beckschäfer, der von "Wachtberger Verhältnissen" spricht, wenn die sogenannte "neue Mehrheit" gegen ihre Bürgermeisterin regiert. SPD, Grüne, UWG und Wählervereinigung "Unser Wachtberg" hatten bei der Bürgermeister-Stichwahl gemeinsam Renate Offergeld unterstützt. Eine Koalitionsvereinbarung gibt es nicht. Insofern will der SPD-Fraktionschef auch nicht von gescheiterter Zusammenarbeit sprechen.

"Wenn wir wie die Bonner einen förmlichen Vertrag hätten, könnten wir von Scheitern reden", so Becker. Es gebe Mehrheiten anhand der Sache. "Dann wird es eben manchmal unübersichtlich." Becker will beantragen, das Thema Jugendzentrum noch einmal im Finanzausschuss zu beraten.