Liberaler Talk im Atelier "Bundeskunsthalle ist auf Provinzniveau"

Bad Godesberg · Da hatte FDP-Chef Ulli Hauschild einen heißen ersten Kandidaten auf das silberne Sofa seines neuen Liberalen Talks im Atelier gesetzt. Denn mit Wilfried Gatzweiler stellte sich ein Manager der Öffentlichkeit, für den seit Jahren die Welt nicht mehr in Ordnung ist.

Nahm als erster Platz auf dem silbernen Sofa des Atelier-Gesprächs: Wilfried Gatzweiler ließ bei seinem Rückblick auf seine Kunsthallen-Zeit an seinem ehemaligen Arbeitgeber kein gutes Haar.

Nahm als erster Platz auf dem silbernen Sofa des Atelier-Gesprächs: Wilfried Gatzweiler ließ bei seinem Rückblick auf seine Kunsthallen-Zeit an seinem ehemaligen Arbeitgeber kein gutes Haar.

Foto: Ronald Friese

Vor dem Hintergrund der aktuellen heftigen Diskussionen um die Bundeskunsthalle werde ihr ehemaliger kaufmännischer Geschäftsführer Stellung beziehen, wohin es mit der Kultureinrichtung gehe, hatte Hauschild versprochen. "Ich habe mir lange überlegt, ob ich hier reden soll. Das Kapitel ist für mich ja nicht abgeschlossen", leitete der vormalige Oberamtsrat der Stadtverwaltung den Abend unter den expressiven Bildern von Leonardo Raciti ein.

Klar, dass er all die Höhepunkte seiner 15 Jahre am Kulturtempel des Bundes bis zur spektakulären Guggenheim-Ausstellung 2006 noch einmal hervorhob, den internationalen Fair, den er mit Intendant Wenzel Jacob ins "Provinznest Bonn" gebracht habe. "Und heute sind wir beide beruflich so geschädigt, dass wir nicht mehr arbeiten können", tippte Gatzweiler indirekt auch die Insolvenz seiner zwei Bonner Kaffeehäuser an.

Das sei seine persönliche Misere. Aber auch Bonn sei nach dem abrupten Ende ihrer beider Amtszeit kulturell nicht mehr auf die Beine gekommen, klagte Gatzweiler nun direkt an. "Ich gebe der Kunsthalle auf mehr als nationalem Niveau keine Chance mehr. Sie ist wieder auf Provinzniveau angekommen." Der Einbruch der Besucherzahlen spiegele das auf dramatische Weise. Und er bestreite gar den Wahrheitsgehalt der veröffentlichten neuen Zahlen. "Die können nur stimmen, wenn sie haufenweise Freikarten verschenkt haben."

Selbstverständlich ließ Gatzweiler es sich nicht nehmen, süffisant darauf hinzuweisen, dass bis heute alle Ausstellungen außer der von der Kritik zerrissenen letzten noch von ihm und Jacob vorbereitet wurden. "Das ist doch das Dümmste, was man machen kann, nur einem einzelnen Sammler eine Ausstellung zu geben", zog Gatzweiler gegen die aktuelle Anselm-Kiefer-Ausstellung vom Leder.

Und wer sei an der ganzen Misere Schuld?, fragten die Gäste nach. Eindeutig die Politik, sprich: Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der sich aktiv eingemischt habe, damit Gelder in die neue Hauptstadt Berlin umgeleitet werden konnten, gab Gatzweiler zurück. Und wie geht es weiter mit der Bundeskunsthalle?

Gatzweiler sieht auch in den aktuellen personellen Entscheidungen nur Dilettantismus, sträflichen Leichtsinn und damit eine Schädigung des Kulturstandorts. Da müsse aus der Politik endlich der Finger für Bonn gehoben werden, forderten Diskussionsteilnehmer. "Wo sind in der Sache die lokalen Bundestagsabgeordneten?" Und dann nahm man sich auch Godesbergs Parteichef Hauschild vor. Wo äußere sich denn die FDP? "Gehen Sie mal ran an die Jungs." Tja, nickte Hauschild. "Von Christian Lindner hört etwa hört man seit seinem NRW-Wahlsieg nichts mehr."

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