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Glückliches Ende: Claudia Ott kommt in die Godesberger Redoute

Glückliches Ende : Claudia Ott kommt in die Godesberger Redoute

Die Arabistin Claudia Ott kommt am Freitag in die Bad Godesberger Redoute und erzählt, wie sie ein seit Jahrzehnten unbeachtetes Textfragment entdeckte und übersetzte, das das erstaunliche Ende von Tausendundeiner Nacht enthielt.

Wenn der Morgen graut, dann wird es gefährlich für die Wesirs-Tochter Scheherazade in Tausendundeine Nacht, eine der berühmtesten Geschichtensammlungen der Welt. Dann nämlich könnte der einst von seiner Frau betrogene und deshalb rachsüchtige Sultan auch sie töten. Und so hangelt sich die begnadete Erzählerin schnell noch zur nächsten auch erotisch aufregenden Nacht: Das, was sie da berichten werde, „wird noch spannender sein, noch viel köstlicher und berauschender“.

Zumal es aus einem umwerfenden Textfund stammt, dank dessen die deutsche Arabistin Claudia Ott erstmals die Fortsetzung von 999 Nächten auf dem Folterbrett des Sultans herausgeben konnte: Ihr Buch „Tausendundeine Nacht. Das glückliche Ende“ von 2016 gilt als Sensation in Verlagsbranche und Wissenschaft.

Interkultureller Dialog

Und genau damit läutet die Parkbuchhandlung am Freitag, 16. Juni, in der Redoute ihren neuen Schwerpunkt zum „Interkulturellen Dialog“ ein. „Das Thema ist gerade auch im Stadtteil Bad Godesberg wichtig und brisant“, erläutert Barbara Ter-Nedden. „Wir möchten zunächst allen Vorurteilen zum Trotz den Reichtum der arabischen Literatur darstellen und dann aufklärende und kritische Fachvorträge bieten, die einen Blick auf Religion und Politik werfen.“

Der gerade unter deutschen Muslimen umstrittene Professor Mouhanad Khorchide aus Münster wird mit seinem Thema „Islam ist Barmherzigkeit“ ebenso zu Gast sein wie der islamkritische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad mit „Der Koran. Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses“ und der ebenfalls ausgewiesene Nahost-Experte Michael Lüders mit seinem Titel „Die den Sturm ernten. Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte“.

Wichtige Vermittlerin

Die Göttinger Sprachforscherin Claudia Ott gilt seit vielen Jahren als eine der wichtigsten Vermittlerinnen arabischer Kultur. 2004 übersetzte sie das bisher älteste Fragment von „Tausendundeine Nacht“, das den allseits bekannten Anfang der Geschichte enthält: korrekt und frei von allen europäischen Übermalungen. 2016 wagte sie sich auf Neuland: indem sie den Fund des deutschen Orientalisten Hellmut Ritter in der Türkei der 1930er Jahre ernst nahm, das chaotisch durcheinander gewürfelte Textfragment untersuchte und dann aus dem Dornröschenschlaf erweckte. Es war wirklich das seit Jahrhunderten gesuchte alte Ende von „1001 Nacht“, das sonst nur in europäisch beeinflussten neueren Kurzfassungen überliefert ist. Ott konnte also die uralte Handschrift übersetzen und den spannenden Geschichte der Scheherazade ein Happy End bereiten.

Was das mit heute zu tun hat? Das glückliche Ende der „1001 Nacht“ sendet die Botschaft von der Kraft der Kunst und des ständigen Dialogs aus, die selbst den hartherzigsten Sultan zum geläuterten Herrscher und liebenden Ehemann verwandeln kann.