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Der Suppenhimmel versorgt Bedürftige: Corona-Pandemie macht sich bemerkbar: Lunchpakete statt Suppe

Der Suppenhimmel versorgt Bedürftige : Corona-Pandemie macht sich bemerkbar: Lunchpakete statt Suppe

Der Suppenhimmel des Katholischen Gemeindeverbands spürt die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Statt Suppen gibt es nur noch Lunchpakete für die Bedürftigen. Damit das Angebot für die Zukunft gesichert ist, wird Hilfe benötigt.

Der Suppenhimmel in der Bad Godesberger City gilt für viele Bedürftige als erste Adresse für kostenlose und gute Mahlzeiten. In Zeiten von Corona muss aber auch der Treffpunkt am Fronhof seine Essensausgabe umstrukturieren.

Stehen sonst warme Suppen auf den Tischen, verteilen die ehrenamtlichen Helfer nun Lunchpakete direkt vor der Tür. Beinahe täglich bildet sich zur Mittagszeit eine Menschenschlange vor dem Suppenhimmel.

Viele Freiwillige stemmen das Projekt

Unter ihnen ist auch der 36-jährige Mohammed Zadeh, der weit vorne in der Schlange steht. „Gott sei Dank gibt es das hier, ich bekomme sehr wenig Geld im Monat und bin auf das Essen angewiesen“, sagt er. Während manche Bedürftige schon lange vor der Öffnung des Suppenhimmels einen guten Warteplatz ergattern wollen, herrscht hinter den Türen noch reger Betrieb - schließlich muss vieles vorbereitet werden.

Im Handumdrehen werden dort Brote geschmiert, Papiertüten gepackt und Tische aufgestellt. Zu den Freiwilligen zählen auch Schüler und Studenten, die in ihrer Freizeit aushelfen.

Jasmin Rongelraths hat im Frühjahr im Suppenhimmel angefangen. „Man spürt bei den Menschen die Dankbarkeit, die kommen gerne und unterhalten sich auch mit uns“, sagt die 18-jährige Studentin, die neben dem Ehrenamt auch die Gemeinschaft in der Kirche schätzt. „Aus dem Team ist eine Freundschaftsgruppe geworden und das macht großen Spaß.“

Kürzlich zur Gruppe hinzugestoßen ist Julia Velling. Sie wurde vor einem Monat von ihrem gleichaltrigen Mitschüler Louis Gesterkamp mitgeschleppt und kommt seitdem wöchentlich, erzählt die 17-jährige Schülerin. „Samstags haben wir ja keine Schule, da passt das ganz gut. Es macht mir großen Spaß hier. Viele Bedürftige sind sehr dankbar, die freuen sich, hierher zu kommen“, sagt Velling dem General-Anzeiger.

50 Lunch-Pakete werden jeden Tag gepackt

Sie und Gesterkamp sind an diesem Tag für das Broteschmieren eingeteilt. Larissa Burkart befüllt derweil Papiertüten mit kleinen Tomaten. „Eigentlich wollte ich in diesem Jahr nach Kanada, das hat nicht geklappt. Jetzt nutze ich die Zeit, um etwas Nützliches zu tun“, sagt die 32-jährige Godesbergerin. Dafür kommt die Übersetzerin zweimal die Woche zum Suppenhimmel. „Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die nicht so viel Glück haben und denen es in den Corona-Zeiten umso schlechter geht, deswegen will ich helfen“, sagt Burkart.

Insgesamt 50 Lunchpakete packen die sechsköpfigen Teams jeden Tag gemeinsam und verteilen sie. Übrig bliebe davon meist kein Paket, hat Manfred Wüllner beobachtet. „Jeder Kunde bekommt eine Tüte mit Broten, Joghurt und Obst“, so der Helfer. Obst und Brote stammen aus Lebensmittelspenden. Wurst, Käse und Butter müssen hingegen von den Ehrenamtlichen selbst eingekauft werden. „Wir müssen schauen, dass wir die Lunchpakete in den nächsten Monaten irgendwie finanziert bekommen“, so Wüllner. Denn das eigentliche Kerngeschäft, also die Suppenausgabe, werde noch bis voraussichtlich März/April ausgesetzt sein.

Bezirksbürgermeister ruft zu Spenden auf

Vor der Corona-Pandemie hatten sechs Godesberger Restaurants den Suppenhimmel mit ihren Lebensmittelspenden versorgt. „Bis das wieder möglich ist, muss die Lunchaktion weiter gesichert sein. Wir sind daher für jede Spende dankbar“, sagt Wüllner.

Auch Bezirksbürgermeister Christoph Jansen (CDU) unterstützt den für Bad Godesberg wichtigen Treffpunkt: „Der Suppenhimmel ist ein wichtiges Angebot in Godesberg. Ich möchte ausdrücklich dazu aufrufen, die Aktion mit Spenden zu unterstützen“, sagt Jansen. Um den Ehrenamtlichen seine Dankbarkeit auszudrücken, half der Politiker am Samstagmittag bei der Essensausgabe mit. „Unsere Gesellschaft lebt vom Ehrenamt. Darunter sind teilweise Angebote, die die Stadt gar nicht leisten kann und die ein wichtiger Baustein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind“, so Bezirksbürgermeister Jansen.

Der Suppenhimmel wird vom Katholischen Gemeindeverband (KGV) organisiert und ist ein Anlaufpunkt sowie Begegnungsort für bedürftige Menschen. Die Kosten für die Verpflegung in Höhe von rund 1000 EUR monatlich werden derzeit durch Spenden gedeckt. Wer den Suppenhimmel unterstützen möchte, kann sich an den KGV wenden. Die Ausgabe der Lunchtüten erfolgt täglich von Montag bis Samstag ab 13 Uhr. Wegen der Pandemie ruft der KGV die Bedürftigen dazu auf, sich erst kurz vor Beginn, also um 12.45 Uhr, anzustellen.