1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Hilfe für Schwangere in Bonn: Corona-Pandemie sorgt für unsichere Familienplanung

Hilfe für Schwangere in Bonn : Corona-Pandemie sorgt für unsichere Familienplanung

Viele junge und werdende Mütter isolieren sich aus Sorge, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Die Beratungsstelle EVA in Bad Godesberg hilft ihnen in dieser Situation.

Geleitet von dem Wunsch, verstärkt mit und für Frauen zu arbeiten, trat Claudia Küster Anfang Oktober die Stelle als Leitung der evangelischen Beratungsstelle für Schwangerschaft, Sexualität und Pränataldiagnostik (EVA) an. Schon im Studium hat die Familientherapeutin in einer Beratungsstelle für Frauen gearbeitet – nun, nach zehn Jahren in der Suchthilfe, wollte sie bewusst „andere Zugänge zu schwierigen Lebenssituationen auffrischen“. „Als systemische Familientherapeutin ist mir der Blick auf junge Frauen und Familien gut bekannt“, sagt sie.

Claudia Küster ist im Diakonischen Werk keine Unbekannte: Vor zehn Jahren hat sie die Klinik Im Wingert der Ambulanten Suchthilfe von Caritas und Diakonie mit aufgebaut und war seitdem dort als psychologische Leitung im Einsatz. Nach einigen personellen Fluktuationen in der Beratungsstelle im vergangenen Jahr sei eine starke Leitung gefragt, deshalb sieht Küster ihre Rolle schwerpunktmäßig in der Führung und Koordination des 14-köpfigen Teams.

Aber auch in der Schwangerschafts-konfliktberatung wird die Therapeutin tätig sein. Trotz der Corona-Situation, die große Teamsitzungen in Präsenz unmöglich macht, ist Claudia Küster gut im Team angekommen. „Die Kolleginnen sind sehr offen und machen es mir nicht schwer“, erzählt sie.

Die Beratungsstelle des Diakonischen Werks bietet ein vielfältiges Spektrum an Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten an – in einer Schwangerschaft und vor und nach der Geburt eines Kindes. Das Angebot reicht von Verhütungsberatung, über Sexualpädagogik bis hin zu einer Babykleiderkammer. Frauen, die über einen Abbruch ihrer Schwangerschaft nachdenken, finden in der Schwangerschaftskonfliktberatung Ansprechpartnerinnen, die sie ergebnisoffen beraten und begleiten – auch über einen möglichen Schwangerschaftsabbruch hinaus. „Mit der Frau, für die Frau und an der Seite der Frau“ – so das Leitbild der evangelischen Beratungsstelle. Eltern, die sich mit einem auffälligen pränataldiagnostischen Befund konfrontiert sehen, können sich an die Beratungsstelle wenden.

Interkulturelles Frühstückscafé für Mütter und Kleinkinder

Nach der Geburt leisten die Familienhebammen des Diakonischen Werks Unterstützung praktischer Art und begleiten die jungen Familien beim „ersten Schritt ins Leben“ des Kindes. „MamaMia“ heißt das interkulturelle Frühstückscafé von EVA, das sich an Mütter und ihre Kleinkinder richtet. Das Angebot richtet sich vor allem an Frauen, die besondere Herausforderungen meistern müssen. Alleinerziehende Mütter, Frauen mit sozial-wirtschaftlichen Problemen oder konfliktreichen Familienverhältnissen sowie geflüchtete Mütter. Das Frühstückscafe stellt einen Zugang zum Hilfesystem von EVA dar – für Frauen, die sonst vielleicht durch das Raster fallen würden.

Nach den ersten Eindrücken, die Küster in der Beratungsstelle sammeln durfte, ist sie sehr beeindruckt von der Arbeit des Teams. Oft gibt es für ein individuelles Problem, die individuelle Lebenslage der Mutter viele verschiedene Ansatzpunkte. „Die Einrichtung ist darauf eingestellt, für jede Situation das passende Puzzleteil zu finden“, so Andrea Hillebrand vom Diakonischen Werk. Die Beratungsstelle offeriert ein ganzheitliches Angebot und ist auf die Beantwortung kurzfristiger Fragen genauso eingestellt wie auf die Begleitung der Familien über einen längeren Zeitraum hinweg. Nicht selten komme es vor, dass eine Frau sich beispielsweise wegen finanzieller oder organisatorischer Fragen die Geburt betreffend an die Einrichtung wendet und im Verlauf der Beratung werden weitere Bedarfe deutlich.

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf die Arbeitsweise des EVA-Teams genauso wie auf die Situation von werdenden Müttern aus. Die in der Beratungsstelle tätigen Frauen nahmen eine große Verunsicherung bei den Klientinnen wahr. Die Sorge, sich als Schwangere oder als junge Mutter zu infizieren, bewog einige Mütter dazu, sich vollkommen zu isolieren. Die Erfahrung von Vereinsamung, aber auch angespannte Situationen in der Partnerschaft stellten eine Herausforderung dar. „In dieser Zeit galt es, als Beratungsstelle zu signalisieren, dass wir weiterhin da sind“, erklärt Küster. Zu jeder Zeit telefonische Beratungstermine, aber auch solche vor Ort – unter Berücksichtigung der Hygienebedingungen – anbieten zu können, war dem Team besonders wichtig. Gerade Frauen, die die Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch nehmen, können nicht mehrere Wochen warten.

Daneben verstand das Team von EVA seine Rolle in der Pandemie auch darin, die sich ständig ändernde Informationslage zu entschlüsseln, für Klärung zu sorgen und so Sicherheit zu vermitteln. Besonders brisant war die „Kreißsaalfrage“ in den ersten Wochen der Pandemie: Wie wird meine Geburt ablaufen können? Wer darf mich begleiten? In solchen und allen anderen Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt berät das Team von EVA Einzelne, Paare und Familien unabhängig ihrer Herkunft oder Konfession. Die Beratung ist kostenlos.