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Otto-Kühne-Schule: Das ganze Päda wird zur Bühne

Otto-Kühne-Schule : Das ganze Päda wird zur Bühne

Eine Gruppe von 35 Personen wartet gespannt vor dem Treppenaufgang des 100 Jahre alten Gebäudes der Otto-Kühne-Schule. Die Türen des Päda sind vorschlossen. Pünktlich erscheint die adrett gekleidete Reiseleiterin (Anna Boeker) und gibt dem Publikum wichtige Instruktionen.

"Schalten Sie Ihre Handys aus!", ermahnt sie streng. "Sie brauchen keine Angst zu haben - Sicherheit ist unsere höchste Priorität. Aber bleiben sie dicht zusammen!", setzt sie fort. Die Zuschauer betreten die breite Treppe und stoßen direkt auf die erste Leiche an diesem Abend.

Oben am Ende der Treppe erscheinen plötzlich Gestalten in weißen Kitteln, die stumm die hölzernen Türen bewegen. Nur das Quietschen der Scharniere erfüllt den Raum mit einer bedrohlichen Atmosphäre. "Oh wie gruselig", flüstert eine jüngere Zuschauerin.

So begann die Inszenierung der Komödie "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt, die die Oberstufen-Theater-AG unter der künstlerischen Leitung von Andrea Wackertapp zeigte. Für acht Aufführungen am vergangenen Wochenende verwandelten die Schüler das Schulgebäude in die "Heilanstalt für Geisteskranke" und präsentierten ihrem Publikum an zehn verschiedenen Orten - der ungewöhnlichste war sicherlich ein alter Physikschrank - das Stück über die Ethik der Wissenschaft.

Inspektor Richard Voß (Josephine Kaufmann) soll die Mordfälle an Pflegerinnen der Anstalt unter der Leitung von Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd (Lina Kamp) aufklären. Bei den beiden Mördern handelt es sich um zwei Physiker, die sich für Einstein (Nayeli Herrera-Brincker) und Newton (Rena Lorscheid) halten. Der dritte Physiker im Bunde, Johann Wilhelm Möbius (Milene Weigert), versucht seine wissenschaftlichen Errungenschaften durch vorgespielten Wahnsinn zum Schutze der Menschheit zu verbergen.

Die zwölf Schülerinnen aus den Jahrgangsstufen neun bis zwölf hatten seit dem vergangenen Sommer an der grotesken Komödie geprobt. Vier Techniker haben dafür gesorgt, dass das gesamte Schulgebäude zur Bühne werden konnte. Zuvor hatten Schauspielerinnen und Regisseurin die Schulräume auf ihre Akustik hin getestet.

Danach experimentierten sie mit Gesten und Bewegungen, um den verrückten Sanatoriumsinsassen Ausdruck zu verleihen. "Kleinigkeiten machen das Verrücktsein aus", erklärte Andrea Wackertapp. Die spezielle Inszenierungsform hat an der Otto-Kühne-Schule Tradition. Die drei Theaterlehrer haben das Konzept für das Schuljubiläum entwickelt. Es wurde bereits in zahlreichen Performance-Nächten erprobt.

Der Aufführungsort ist wie geschaffen für Dürrenmatts Stück - nicht nur die Schulkorridore wirken durch gezielten Lichteinsatz wie Krankenhausflure, sondern auch die Topographie der Räume spiegelt den Verlauf der Komödie wider. Treppen hinauf und hinab, vorbei an Patienten, durch edle Salons, karge Waschräume und enge Flure - dabei variiert auch stetig die Distanz zwischen Publikum und Darstellerinnen.

Schließlich gipfelt die Aufführung im Dachstuhl der Turmuhr. Dort enttarnten Physiker und Sanatoriumsleiterin ihr wahre Identität. Eine gelungene Darbietung dank des tollen Engagements der Darstellerinnen, Techniker und der Regisseurin.