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Konfirmation in Bad Godesberg: Das Miteinander war fast nur per Video möglich

Konfirmation in Bad Godesberg : Das Miteinander war fast nur per Video möglich

Neun der 36 Konfirmanden der evangelischen Johannes-Kirchengemeinde in Bad Godesberg feierten am Sonntag ihren großen Tag. Der sich coronabedingt allerdings anders darstellte als sonst. Die Gründe, warum die Jugendlichen nicht bis zum September warten wollten, fallen sehr unterschiedlich aus.

Daumen hoch oder runter: Wie angespannt sind alle? Bei den Konfirmanden schwankten die Daumen vor dem Gottesdienst am Sonntag irgendwo in der Mitte. Nach der Fotosession auf der Wiese hinter der evangelischen Johanneskirche blieb Jugenddiakon Dennis Ronsdorf nur noch, mit seiner „Kabinenrede“ den Jugendlichen die Nervosität zu nehmen. Für sie war es immerhin ihr großer Tag.

Jetzt stünden sie mal im Mittelpunkt, meinte Silke Stornfels, deren Sohn Julius zu den neun Konfirmanden gehörte, die am Sonntag konfirmiert wurden. „Das kam in Corona-Zeiten ja auch zu kurz.“ Wie eigentlich nahezu alles, was die Vorbereitungen ausmacht, fand Julius. „Ich habe einen Teil der Konfis einmal gesehen, ansonsten lief alles über Videokonferenzen“, erzählte der 13-Jährige. Immerhin habe es viel Interaktion gegeben. Aber die Glaubensgrundlagen seien etwas knapp ausgefallen, denn es gehe ja auch um die Aufnahme in die Gemeinde, aber ein Miteinander in der Vorbereitung gab es so gut wie nicht. „Das nimmt viele Erfahrungen.“

Die Konfi-Fahrten mussten coronabedingt ebenso ausfallen wie das Gemeindepraktikum, was Ronsdorf bedauerte. „Wir haben alles genutzt, um mit den Konfirmanden im Gespräch und Kontakt zu bleiben“, sagte er. Aber in Zeiten der Kontaktvermeidung blieb es bei einem als Schnitzeljagd gestalteten Jugendkreuzweg und der Blumenaktion: Die Jugendlichen sollten eine Rose kaufen und sie zusammen mit einer von der Gemeinde gestellten Karte, auf der sie einen Sinnspruch geschrieben hatten, für Bewohner eines Seniorenheims abgeben. Selbst der Vorstellungsgottesdienst lief digital ab. „Die Jugendlichen haben richtig gut mitgemacht und sich auch auf Besonderes eingelassen“, lobte Ronsdorf.

Insgesamt 36 Teilnehmer haben sich ihm zufolge im letzten Sommer auf den Weg gemacht. Eigentlich sollten sie schon im Mai konfirmiert werden, dann wurde der Termin auf den Juni verschoben, und weil die Corona-Lage immer noch schwer einzuschätzen war und ist, wurde dann ein zusätzlicher Termin im September angeboten, für den sich die meisten Jugendlichen entschieden. Die Hoffnung, dass man dann größer feiern kann und wieder mehr Menschen in der Kirche erlaubt sind, schwingt da mit. Denn zur Konfirmation am Sonntag, bei der eine Teilnehmerin zunächst getauft wurde, waren nur wenige Verwandte pro Jugendlichem zugelassen.

Die September-Konfis müssen auf den Heiderhof ausweichen

„Man weiß ja nicht, wie es im Sommer weitergeht“, meinte Paul (13). Deshalb habe sich die Familie für den Juni-Termin entschieden. Und: „Ich wollte in der Johanneskirche feiern.“ Die wird ab dem Sommer renoviert, als kleiner Vorgeschmack sieht man schon ein Gerüst an einer Seite des Kirchengebäudes. Die September-Konfis weichen in die Immanuelkirche auf dem Heiderhof aus.

Für Julius gab es einen anderen Grund. „Mein Opa ist krank“, erzählte er. „Man weiß nicht, wie lange er noch teilnehmen könnte.“ Gefeiert wurde coronakonform mit 18 Personen im Restaurant Interieur beim Arp-Museum in Rolandseck. Auch Julius‘ ältere Schwester hatte dort ihre Konfirmation gefeiert. Er bezeichnet sich als gläubig. „Ich wollte zur Konfirmation gehen, um ein bisschen mehr über unseren Glauben zu erfahren. Ich gehe auf eine katholische Schule, der evangelische Religionsunterricht ist da nicht so ausgeprägt.“

Wieder ein anderes Argument für den Juni-Termin hatte Nils (13): „Wir ziehen im Sommer ins Ausland, da hätte es keinen Sinn gemacht, die Sommerferien abzuwarten.“ Aber auch ohne den zeitlich begrenzten Ortswechsel nach Budapest hätte er lieber im Juni gefeiert. Auch er vermisste bei den Vorbereitungen das Miteinander – und die große Feier.

Paul möchte gerne Pate werden können

Nils feierte im kleinen Kreis zu Hause, aber immerhin bestellte die Familie ein kleines Buffet. So wie sie es auch bei seinen beiden älteren Brüdern gemacht hatten, allerdings konnten die im Gemeindehaus feiern: Der Älteste hatte mehr als 50 Gäste, berichtete Nils‘ Mutter Anja Decker, der Zweitälteste musste 2020 schon die Hälfte der Eingeladenen wieder ausladen. Da war schon absehbar, dass es für Nils nicht leichter wird. Aber zur Konfirmation gehen wollte er auf jeden Fall. In der Vorbereitung habe er gelernt, „dass man immer an Gott glauben kann, egal, in welcher Situation man sich befindet“.

Pauls Motivation, in die Gemeinde aufgenommen zu werden, ist eine ganz pragmatische: „Ich will mal Pate für meine Cousinen sein“, erzählte er, „und ich will Teamer bei der Kindersonntagskirche werden.“ Dafür muss er konfirmiert sein. Er feiert noch kleiner: Da seine Verwandtschaft in Lippe und in den Niederlanden lebt, hat die Familie entschieden, dass nur eine Patentante und die 94-jährige zweifach geimpfte Oma aus dem Nachbarland kommt, sagte seine Mutter Karin Schott. „Zwei Leute zu Besuch, das ist schon etwas Besonderes in diesem Jahr.“ Aber man werde später noch mal nachfeiern.