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Führung der Biostation Bonn: Das Naturdenkmal Hohlweg entdecken

Führung der Biostation Bonn : Das Naturdenkmal Hohlweg entdecken

Der Biologe Jochen Groddeck bringt viel Wissenswertes zu heilenden Wirkstoffen aus der Natur mit. Der Lößboden sorgt für zahlreiche Besonderheiten.

„Durch diese hohle Gasse muss er kommen...“ - literarisch beginnt die Heil- und Giftpflanzenführung von Biologe Jochen Groddeck von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft durch den Hohlweg oberhalb des Langenbergswegs in Mehlem mit einem Zitat aus Schillers „Wilhelm Tell“. Ein literarischer Hinweis darauf, wie verbreitet das Naturphänomen Hohlweg ist und wie lange es solche schon gibt.

Der Weg von Mehlem hoch in Richtung Wachtberg ist wohl bereits im achten Jahrhundert entstanden. Fuhrwerke haben im Laufe der Zeit Wege in den feinen Lößboden gegraben, der ursprünglich von der Nordsee herangeweht wurde und sich hier abgelagert hat. Die Entstehungsgeschichte des Hohlwegs an sich ist schon interessant, richtig beeindruckend ist jedoch das Naturdenkmal Hohlweg, das Groddeck an dem Tag zeigt.

Der feine Lößboden ist gut für die Landwirtschaft und bietet beste Voraussetzung für fruchtbare Erden. Im Hohlweg selbst können so auf vergleichsweise kleiner Fläche zahlreiche verschiedenartige Biotope entstehen. Hier kommt der Biologe zu den wild wachsenden Heil- und Giftpflanzen: So findet sich beispielsweise überall Efeu, das einen Inhaltsstoff gegen Husten aufweist.

Von einer Selbstmedikation in der gerade herrschenden Erkältungszeit rät Groddeck allerdings sehr ab: „Wirksame und schädigende Dosierung liegen hier oft nah beieinander. Außerdem darf man nicht die anderen Inhaltsstoffe der Pflanzen vergessen, die unter Umständen schädigend sein können. Insofern würde ich in den meisten Fällen tatsächlich meinen Arzt oder Apotheker fragen.“

Doch finden sich im Hohlweg auch andere Pflanzen, die man problemlos genießen kann, so zum Beispiel der Giersch, den Groddeck selber gerne im Frühjahr als Salat zubereitet und der gegen Gelenkkrankheiten hilft. Der Biologe erklärt geduldig, woran man die einzelnen Pflanzen erkennen und wie man sie verwenden kann. Wegerich hilft bei Mückenstichen oder Schürfwunden und die Wurzel von Nelkenwurz kaute man früher bei Zahnschmerzen.

Die verschiedenen Zonen des Hohlwegs machen sich auch klimatisch bemerkbar, und so ist man etwa auf halber Höhe recht froh über die mitgebrachte Jacke. Oben angekommen führt der Weg zurück entlang der Schrebergärten und bietet weitere bekannte Pflanzen: den vitaminreichen, aber scheußlich schmeckenden Hartriegel, Weißdorn (gut bei Herzbeschwerden), Weiden, deren Rinden einen Wirkstoff des Aspirin beinhalten, sowie Holunder, der mit seinen Wirkstoffen sogar Tumoren vorbeugen können soll.

Ganz ungetrübt ist die Freude an dem Naturdenkmal allerdings nicht, denn als solches ist der Hohlweg gefährdet. Um bei starken Unwettern die Wassermassen aus Wachtberg aufzuhalten, wurde der Weg von der Stadt geschottert. Dies verhindert jedoch, dass sich wilde Bienen oder Wespen im weichen Lößboden ansiedeln können.

Und auch die Entsorgung von Grünabfall aus den anliegenden Gärten sorgt für mehr Nährstoffe als eigentlich nötig oder gut sind. So finden sich beispielsweise keine Orchideen mehr im Hohlweg, die dort früher verbreitet waren, aber nur auf nährstoffarmem Boden wachsen.

Insofern sind wohl Maßnahmen nötig, das Naturdenkmal Hohlweg an dieser Stelle zu erhalten oder auch wiederherzustellen. Der Schutz dieser „Naturapotheke“ lohnt sich auf jeden Fall und ist einen Spaziergang wert.