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Ideen für Thomaskapelle und Haus der Familie gesucht: Defizit der Thomaskirchen-Gemeinde wächst

Ideen für Thomaskapelle und Haus der Familie gesucht : Defizit der Thomaskirchen-Gemeinde wächst

Die evangelische Thomas-Kirchengemeinde muss aktuell Personal reduzieren. „Baustellen“ bleiben die Zukunft des Hauses der Familie und der Thomaskapelle. Das Defizit der Gemeinde liegt bei rund 400.000 Euro.

In der evangelischen Thomas-Kirchengemeinde lassen aktuell personelle Einschnitte aufhorchen: Die Gemeindediakonie wird in beiden Bezirken, also an der Friesdorfer Pauluskirche und der Plittersdorfer Christuskirche, ganz aufgelöst, die Jugendarbeit stark reduziert und die Kirchenmusik an der Christuskirche um 25 Prozent verringert. Das heißt, Ende März gehen für Tina Müller zehn Jahre als diakonische Gemeindeschwester zu Ende. Sie wechselt zum Hospizverein Bonn. Schon Mitte März wurde nach sieben Jahren der auf ganzer Stelle tätige Jugendleiter Daniel Schöneweiß verabschiedet. Er wechselte ins Saarland. Bis August versucht auf Acht-Stunden-Basis Julius Gummersbach, zumindest die Fäden zur Gemeindejugend zusammenzuhalten. Und die 75-Prozent-Kantorenstelle an der Christuskirche hat als Nachfolgerin von Barbara Dünne inzwischen Hannah Schlage übernommen.

Ja, man habe wegen eines erhöhten Haushaltsdefizits schweren Herzens gute Mitarbeiter verloren, erklärt der Presbyteriumsvorsitzende Pfarrer Siegfried Eckert auf Anfrage. „Das ist ein für beide Seiten trauriger Weg. Aber es gab keine andere Chance, unsere Gemeinde zu konsolidieren.“ Seit der Fusion zur Thomas-Kirchengemeinde im Jahr 2003 habe man ein strukturelles Defizit von rund 300.000 Euro mit sich herumgeschleppt. Obwohl man ab 2015 schon die drei Kindergärten an die Axenfeld-Gesellschaft abgegeben habe und sie nur noch mit je 15.000 Euro jährlich unterstütze, um Mitspracherecht zu behalten, habe der große Druck nicht nachgelassen. „Und seit der Pandemie reißen wir wohl die 400.000-Euro-Marke“, bedauerte Eckert. Da habe man das Personal reduzieren müssen.

Zukunftsausschuss ruft zur Diskussion auf

Im evangelischen Gemeindebrief Godesbergs ruft der gemeindliche Zukunftsausschuss zudem zur Diskussion über zwei weitere Baustellen auf: Man sammele Meinungen, wie es mit dem Gelände der Thomaskapelle und mit der Bildungsstätte Haus der Familie (HdF) weitergehen soll, schreiben Gerhard Thiele und Manuel Esser. Für die Zukunft des 4000-Quadratmeter-Geländes an der Thomaskapelle nahe der Amerikanischen Siedlung entwickle der Ausschuss neue Ideen, bestätigt Christuskirchen-Pfarrer Oliver Ploch. Die Kapelle sei momentan aus Corona-Gründen stillgelegt. „Sie ist zu klein, um darin unter den derzeitigen Bedingungen Gottesdienste zu feiern.“ Ob man sie nach der Pandemie neu öffne, werde sich zeigen.

Für das gemeindeeigene Gebäude des Kindergartens auf dem Gelände, den die Axenfeld-Gesellschaft betreibt, stehe eine Erneuerung an, berichtet der Pfarrer. Auch das werde sich erst nach der Pandemie klären. Für das Gesamtgelände und die Kapelle gebe es viele Optionen. „Man könnte auf diesem Filetgrundstück letztlich auch reizvolle Projekte entwickeln,“ so Ploch. Es sei momentan in Kirchengemeinden ohnehin ein Trend, sich nicht nur von Kirchensteuereinnahmen abhängig zu machen, sondern auch selbst Einnahmequellen zu generieren, indem man Immobilien und Grundstücke verwerte. Zuerst einmal wolle die Gemeinde jedoch eine Bestandsaufnahme machen, um dann für die Zukunft zu entscheiden. „Wir sind da im Überlegungsprozess.“

Haus der Familie bereitet Sorgen

Sorgen macht der Gemeinde das Haus der Familie direkt neben der Christuskirche. Wie berichtet, erhält es wie auch die beiden anderen Familienbildungsstätten in Bonn seit einem Ratsbeschluss von 2015 weniger und ab 2024 gar keine städtischen Zuschüsse mehr. Das HdF hoffe auf eine Novellierung des NRW-Weiterbildungsgesetzes, sagte dazu dessen Leiterin Katharina Bete dem GA im Februar. Das HdF stelle sich aus finanziellen Gründen immer mehr auf eigene Beine, erläutert Pfarrer Ploch. Leiterin Bete versuche für die wichtige Familienbildungsarbeit neue Fördertöpfe zu öffnen. „Eine Arbeitsgemeinschaft in der Gemeinde arbeitet intensiv an einer neuen Finanzierungsstruktur", so Ploch. "Ein Verhandlungspartner ist für uns die Axenfeld-Gesellschaft, die allerdings pandemiebedingt im Moment andere Schwerpunkte setzen muss.“

Pfarrer Eckert dröselt die finanzielle Situation, in der heutzutage alle evangelischen Gemeinden stecken, weiter auf: Durch Umlagen schöpften ja auch der Kirchenkreis und die Landeskirche Gelder ab. Die Godesberger Gemeinden hätten vor Jahren immerhin Erlöse durch den Verkauf ihres Waldkrankenhauses an die Johanniter erhalten. „Nachbargemeinden haben sie in Betongold umgesetzt“, sagt Eckert und spielt auf die Kirchensanierungen der Johannes- und Heiland- sowie den Gemeindehausneubau der Erlösergemeinde an (der GA berichtete). „Für uns war der Erlös in den letzten Jahren das Polster, mit dem wir unser Defizit abdeckten“, sagt Eckert. Das reiche aber auf Dauer nicht mehr. „Ich glaube, dass wir in der Gemeinde trotzdem hohe Entwicklungschancen haben“, meint sein Kollege Ploch. Man verfüge etwa auch über ein hohes Potential an engagierten Ehrenamtlichen. „Wir sollten nicht Panik schieben. Kirche geht nicht unter, wenn Finanzen sinken.“