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Geschichte der Koblenzer Straße: Der Alt-Godesberger Peter Scheben erzählt von seinem Heimatort

Geschichte der Koblenzer Straße : Der Alt-Godesberger Peter Scheben erzählt von seinem Heimatort

Peter Scheben fühlt sich mit seinem Heimatort Bad Godesberg sehr verbunden. Obwohl der 78-Jährige nahezu 40 Jahre in Bergisch-Gladbach lebte, stand für ihn nach dem Tod seiner geliebten Frau 2005 sofort fest, dass er wieder nach Godesberg ziehen würde, erklärt der Rentner.

Nach dem Verkauf seines Hauses zog er 2006 zunächst in eine Godesberger Eigentumswohnung, seit 2011 lebt er im Seniorenheim Domhof in Mehlem. "Im August ziehe ich erneut um, jetzt geht es zum Heiderhof", lacht er. Scheben kennt sich wirklich gut in seinem Stadtbezirk aus. "Insbesondere die bekannte Koblenzer Straße, das ist wie mein Zuhause", sagt er.

Kein Wunder, hier stand und steht sein ehemaliges Elternhaus. Das Geschäftshaus mit der Hausnummer 3 an der Ecke zur Schultheißgasse war über 100 Jahre in dessen Familienbesitz, im Erdgeschoss befindet sich heute eine Rewe-Filiale. "Mein Großvater Josef führte seit Anfang 1900 dort die Polsterei Scheben, fast schon ein Fabrikationsbetrieb.

Zeitweilig geriet die Firma in große finanzielle Schwierigkeiten. Aber wir haben es geschafft. Gerade auch während der Kriegsjahre im Zweiten Weltkrieg, wo meine Mutter das Geschäft allein führte. Sie war mit Herzblut dabei", erinnert sich Scheben. Sein Vater, ein begeisterter Sportler und Ruderprofi, gewann 1921 mit seinem Bruder Heinrich die erste deutsche Meisterschaft im Doppelzweier.

"Er war sehr diszipliniert, und dies auch im Geschäftsleben", so der 78-Jährige. Das Elternhaus wurde 1961 abgerissen, neu errichtet und das Erdgeschoss an den Kölner Lebensmittelhändler Stüssgen verpachtet. "Stüssgen hatte bereits ein Geschäft im Ort und wollte sich vergrößern.

Wir traten in Verhandlungen, und ließen dann später das kleinere Haus abreißen, um einen größeren Bau für Stüssgen zu ermöglichen. In den oberen Etagen hatten wir Büros vermietet. Meine Eltern lebten ebenfalls im Gebäude", erklärt der Rentner. Stüssgen wurde in den achtziger Jahren an die Rewe-Gruppe verkauft.

Der gelernte Einzelhandelskaufmann arbeitete bis zur Pensionierung im April 1991 im Außendienst für eine Kölner Textilfirma und verwaltete sein Elternhaus. "Bald ging es leider nicht mehr. Ich hatte sehr viel Ärger. Auf der einen Seite wollte ich es nicht abgeben, weil es halt mein Elternhaus war. Ich tat mich schwer damit", betont er.

Zur Euro-Umstellung 2002 verkaufte Scheben das Geschäftshaus an die Bekleidungsfirma Spohr. "Es war der richtige Zeitpunkt", erinnert sich der 78-Jährige. "Ich vermisse das Haus natürlich, es war ja mein Elternhaus. In der Koblenzer Straße spielte sich das Leben ab. Es war familiär, auch unter den Geschäftsleuten."

Viele bekannte Unternehmen hatten dort ihren ersten Firmensitz. So auch die Fleischerei Rasting, die 1888 am heutigen Standort von Arcadia gegründet wurde. "Der Gründer Jakob Rasting hatte hier seine erste Metzgerei. Er war ein Original. Er arbeitete hart und schlief oftmals im Gottesdienst ein.

Als Messdiener an ihm vorbeigingen und mit einem Glöckchen läuteten, rief er laut: 'Rasting, wer dort?'. Die Fleischerei hat heute ihren Hauptsitz in Meckenheim. Auch das ehemalige Kaffee Vobbe, Hausnummer 35, war eine Institution. "Hermann Vobbe war ein begnadeter Konditor und er konnte gut mit Kindern umgehen.

Es machte ihm sichtlich Freude, wenn er uns in seiner Backstube die Gesichter anmalen konnte", so der Rentner. Von der Jahrhundertwende bis nach dem Zweiten Weltkrieg war die Konditorei im Familienbesitz. "Später stand das Gebäude allerdings leer und war als Taubenhaus bekannt." Heute hat dort Optik Eberz seinen Firmensitz.

Auch der Familienbetrieb des Blumenhauses Senff , in der sich heute die Parkbuchhandlung befindet, war bei den Godesbergern sehr beliebt. "Die Schwestern Cläre und Lenchen waren die Seelen des Ladens und im Bundesviertel und der Redoute für ihr schönen Blumendekorationen bekannt", sagt der Rentner. Das Geschäft wurde in den 1970er Jahren geschlossen.

Ungern erinnert sich Scheben allerdings an seine Kindergartenzeit. "Unsere Kindergärtnerinnen Tante Illa und Gertrud waren bei uns Kindern zwar sehr beliebt. Aber morgens gab es zur Begrüßung immer einen Löffel Lebertran." Das Gebäude am Durchgang zur Villichgasse steht schon lange nicht mehr, heute befindet sich dort ein Parkplatz. Scheben ist überzeugt: "Es gab unter den Geschäftsleuten wenig Konkurrenzneid und vor allen Dingen gute Geschäfte.

Aber dies hat sich Ende der 60er Jahre geändert. Daran ist auch das Altstadtcenter nicht ganz unschuldig." Seit dem Bau sei die Kaufkraft nicht wirklich gestiegen. "Auch wenn dies schon wirklich lange her ist, sind bis heute viele Leute nicht davon begeistert." Einen weiteren Einbruch der Umsätze habe es auch mit dem Umzug der Regierung nach Berlin gegeben, meint er. "Aber all das ist kein Grund, sich aus Godesberg zurückzuziehen. Ich möchte, dass sich die Godesberger wieder in ihrer alten Heimat wohlfühlen", wünscht sich Scheben.