Konfirmation in Bad Godesberg Der eigene Glaube als Versuch

Mehlem · Dass sich Jugendliche heutzutage konfirmieren lassen, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Während es einige aus Glaubensgründen machen, entscheiden sich andere für die Konfirmation, weil sich die Geschwister oder Freunde haben konfirmieren lassen. Der GA sprach mit zwei Konfirmanden.

 Verstehen sich prächtig: Jugendleiter Sebastian Vick (Mitte) mit den Konfirmanden Nils (l.) und Hendrik.

Verstehen sich prächtig: Jugendleiter Sebastian Vick (Mitte) mit den Konfirmanden Nils (l.) und Hendrik.

Foto: Stefan Knopp

Erst standen einige Gruppen- und Einzelfotos auf dem Programm, danach ein wenig Zeit zum Entspannen, ehe es in die Kirche ging: Für 16 Jugendliche war es in Mehlem das lang ersehnte Wochenende, an dem die Konfirmanden-Vorbereitungszeit in eine große Feier in der evangelischen Heilandkirche mündete. Es ging darum seinen Glauben und die durch die Taufe bestätigte Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft zu stärken. Oder, wie es Pfarrer Klaus Merkes ausdrückte eine gewisse Orientierung zu erhalten: „Sie bekommen etwas, das sie unterstützen könnte, nämlich den Segen.“

Bekenntnis zu Gott nicht selbstverständlich

Denn das inbrünstige Bekenntnis zu Gott kann man heute nicht mehr von den jungen Leuten erwarten, das zeigte sich im Gespräch mit zwei Konfirmanden. Leonard Meyer, 14 Jahre alt, hatte sich für die Konfirmation entschieden, weil er an Gott glaubt und als Zeichen dafür, dass er zur Gemeinde gehört. Antworten, über die sich Geistliche sicher freuen. Aber Merkes, der die beiden Gottesdienste am Samstag und Sonntag zelebrierte, konnte den Antworten vom 14-jährigen Hendrik Hewickers, warum er sich konfirmieren lassen, etwas abgewinnen: „Meine beiden älteren Geschwister haben das gemacht, ich wollte es auch machen und Freunde treffen. Es hat Spaß gemacht.“

Zwei sehr unterschiedliche Ansätze. Hendrik geht offen damit um, dass er sich nicht sicher ist, ob er überhaupt an Gott glaubt. „Aber ich halte mir die Option offen. Das gehört auch dazu.“ Das klingt sehr pragmatisch, aber Merkes hat dafür Verständnis. „So denken doch die Menschen heute: Man könnte ja vielleicht auch etwas Besseres finden.“ Was die Konfirmation angeht: „Niemand kann von jungen Menschen eine Entscheidung verlangen: Ich bin ein gläubiger Mensch.“ Gerade in der Pubertät nicht. Da verändere sich nicht nur der Körper, sondern auch das Seelische.

Die Auseinandersetzung mit dem Glauben ist wichtig

„Man muss sich damit auseinandersetzen“, sagte er. „Glaube ist ein Versuch, und da muss man den Menschen immer die Möglichkeit lassen zu sagen: Ich kann das nicht.“ Das sei eine freie Entscheidung, „und dazu gehört: Die können alles sagen und einen eigenen Standpunkt haben.“ Er nannte das „intellektuellen Atheismus“. Auch aus den Worten des Pfarrers spricht die moderne Welt: Diese lockere Einstellung gab es gewiss auch im Protestantismus nicht immer.

Merkes erkennt aber in der großen Distanz zu vielen Kircheninhalten auch „ein unmittelbares selbstverständliches Gottesverständnis. Gott beschützt mich, ist im Hintergrund da“. Auch für ihn war die Konfi-Vorbereitung eine spannende Zeit, die ihm einen Einblick in die Weltsicht der jungen Leute offenbarte. „Da lerne ich auch.“

Während der Vorbereitung wurde viel diskutiert

Vor allem bei den Diskussionen. Und diskutiert wurde viel, das fand nicht nur Merkes, sondern auch Sebastian Vick, Jugendleiter der evangelischen Heilandkirche Bonn-Bad Godesberg. Es seien „vernünftige Diskussionen“ gewesen. „Wir haben es sogar geschafft, Herrn Merkes dazu zu bringen, sich selbst zu widersprechen“, erinnerte sich Hendriks Kumpel Nils. Immerhin konnte alles in Präsenz stattfinden, anders als bei Hendriks Schwester, die die Konfi-Vorbereitungsrunden am Computerbildschirm verfolgen musste. Allerdings gab es keine größeren Fahrten, sagte Leonard. „Aber ein Konfi-Wochenende mit Spielen und Grillen.“

Für ihn war die Konfirmation nicht nur ein kirchlicher Akt, um seinen Glauben an Gott zu bekräftigen. „Es ist auch ein Zeichen, dass man aus der Kindheit raus ist, ein Schritt zum Erwachsenwerden.“ Er fand die Vorbereitungstreffen spannend, war überrascht davon, dass es dort nicht nur um Gott und Jesus ging, sondern auch Spiele gespielt wurden und es so locker zuging. Henrik war nicht von allem angetan. „Der Unterricht war vielleicht nicht so interessant, aber mir war wichtiger, dass ich da Freunde hatte. Wir haben nachher immer was gemacht im Jugendtreff Lemon im Keller des Gemeindehauses.“ Jeder hat seine eigenen Prioritäten. Aber immerhin hat es ihm und Kumpel Nils so viel Spaß gemacht, dass sie bei den nächsten Konfirmationsvorbereitungen als Teamer mithelfen wollen. Auch das kann man als Stärkung der Gemeindezugehörigkeit sehen.

Anmeldungen für kommendes Jahr schon möglich

Die Heilandkirche gehört zum evangelischen Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel, der sich von Mehlem bis Zülpich und Bad Münstereifel erstreckt. Zur Region gehören außerdem die Kirchenkreise Bonn und An Sieg und Rhein. In allen drei Kreisen zusammen gingen in diesem Jahr gut 1000 Jugendliche zur Konfirmation. Nach zwei Jahren mit vielen Einschränkungen durch die Pandemie „freuen sich viele, dieses großartige Fest für die Familie und die ganze Gemeinde wieder halbwegs normal feiern zu können", so Pressepfarrer Joachim Gerhardt. Zugleich läuft in diesen Wochen in fast allen Kirchengemeinden auch die Anmeldung für den Konfirmationsunterricht 2022/23, teilt er mit. Auch Nichtgetaufte seien immer willkommen.

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