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Professor Albrecht Meydenbauer in Bad Godesberg gestorben: Der Pionier der Photogrammetrie

Professor Albrecht Meydenbauer in Bad Godesberg gestorben : Der Pionier der Photogrammetrie

Am 15. November 1921 starb Professor Albrecht Meydenbauer in Godesberg. Am Montag wird seiner am Grab auf dem Rüngsdorfer Friedhof gedacht. Er gilt als Vater der berührungslosen Vermessung durch Kameraaufnahmen.

Ob den Nachbarn im Villenviertel 1911 eigentlich klar war, welcher bekannte Wissenschaftler da seinen Lebensabend in der damaligen Augustastraße 10 verbringen wollte, da, wo heute das Friedrich-List-Berufskolleg steht? Ein Professor Dr. Albrecht Meydenbauer war mit seiner Frau Mathilde zugezogen, ein weißbärtiger 77-jähriger Herr, den das Adressbuch als „Geheimen Baurat“ bezeichnete. GA-Leser Jürgen Krieg hat sich auf die Spuren Meydenbauers gemacht und recherchiert, dass der sich 1909, gerade pensioniert, in Berlin abgemeldet hatte. Zuerst wohnte der Professor wohl in einem Hotel an der Poppelsdorfer Allee, um 1911 nach Godesberg zu wechseln. Hier starb Meydenbauer vor genau 100 Jahren am 15. November 1921. Da waren die Eheleute gerade noch in die Ubierstraße 13 umgezogen.

Begründer der Photogrammetrie

„Albrecht Meydenbauer ist der Begründer der Photogrammetrie, die in seiner Zeit eine epochale Neuerung für Architekten und Bauingenieure war und noch heute für Vermesser und Architekten grundlegend ist“, klärt Krieg auf. Der Professor hatte also ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Möglichkeiten der Fotografie für die Dokumentation von baulichem Erbe zu nutzen gelehrt und damit auch die Geodäsie, also die Wissenschaft von der Ausmessung der Erde, geprägt. Krieg, ein historisch interessierter promovierter Jurist, war auf Ausstellungsbesuch im brandenburgischen Rathenow auf Meydenbauers biografischen Bezug zu Godesberg gestoßen. Und hatte dort den emeritierten Siegener Geodäsie-Professor Albrecht Grimm kennengelernt, der seit 30 Jahren zum Thema forscht und die Ausstellung angeregt hatte. Beide setzten sich ein, die Würdigung Meydenbauers zu dessen 100. Todestag auch in Bonn anzustoßen.

Kranzniederlegung an seinem Grab

 In diesem schmalen Haus in der Ubierstraße in Bad Godesberg lebte Meydenbauer bis zu seinem Tod.
In diesem schmalen Haus in der Ubierstraße in Bad Godesberg lebte Meydenbauer bis zu seinem Tod. Foto: Axel Vogel

So wird Michael Huppertz für die Bezirksgruppe Köln der Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement am Montag, 15. November, um 12.15 Uhr am Grab auf dem Rüngsdorfer Friedhof einen Kranz niederlegen. Und zwar für einen „bedeutenden Ingenieur und Begründer der Bildmessung“, wie er sagt. Die Stadt Bonn habe das zugewachsene Grab inzwischen freischneiden lassen und die Buchstaben der Grabstelle erneuert, berichtet Jürgen Krieg. Andreas Wizesarsky von der Gesellschaft für Geodäsie NRW hat derweil bei Oberbürgermeisterin Katja Dörner angeregt, die letzte Ruhestätte Meydenbauers zu einem Ehrengrab der Stadt zu erklären. Denn „mit seiner Messbild-Anstalt schuf er ein Denkmal-Archiv, das noch heute als das größte photogrammetrische Kulturgüterarchiv angesehen wird.“

Meydenbauer war gebürtiger Saarländer

Der 1834 im Saarland geborene Meydenbauer war zuerst Architekt im königlichen Gewerbe-Institut in Berlin. Kurz vor der Staatsprüfung als Bauführer der Regierung war er jedoch bei Messarbeiten am Dom von Wetzlar 25 Meter in die Tiefe gestürzt. Wie durch ein Wunder am Leben geblieben, zerbrach er sich nun den Kopf, wodurch an kolossalen Gebäuden das Messen von Hand ersetzt werden könnte. Seine bahnbrechende Idee war: die lebensgefährliche Methode durch das fotografische Bild abzulösen. Ob Meydenbauer in den kommenden Jahren Bauführer in Colberg oder Erfurt war, ob er den Eisenbahn-Streckenbau in Frankreich leitete oder in Cochem die Vorarbeiten der Moselbahn vorantrieb: Ruhelos tüftelte der kreative Kopf an Varianten seines Verfahrens weiter. Und entwickelte dafür eine neue Generation von Kameras.

Meydenbauers Werk wurde anfangs nicht gewürdigt

Ab 1885 baute er in Berlin die weltweit erste Anstalt für photogrammetrische Dokumentation von Kulturdenkmälern auf. Bis 1920 nahm sie an die 2600 Kulturdenkmäler auf 20 000 Glasplattenbildern auf. Anfangs sei Meydenbauers Werk noch nicht entsprechend gewürdigt worden, weil die Denkmalpflege mehr Wert auf schöne Zeichnungen als auf exakte Maße gelegt habe, erklärt Professor Grimm dem GA. Doch dann ermöglichte es Meydenbauers Sammlung nach dem Zweiten Weltkrieg, viele zerstörte Bauwerke neu zu errichten: eine enorme Bestätigung. Die Sammlung befindet sich heute im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege.

Bad Godesberg war der beliebteste Alterssitz hoher preußischer Beamter

Bonn möge doch mit Meydenbauer einen Pionier würdigen, der die Grundlagen für das Schaffen vieler geodätischer Institutionen auch vor Ort legte, regt Andreas Wizesarsky von der Gesellschaft für Geodäsie NRW deshalb an. Es seien dies neben dem Institut und der für die Landesvermessung zuständigen Behörde das geplante NU-Exzellenzzentrum der Geodäsie (Global Geodetic Centre of Excellence – GGCE) sowie das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) in der EU, die sich in diesem Jahr in Bonn ansiedeln wollen. Die Gesellschaft für Geodäsie jedenfalls werde das Wirken des Pioniers demnächst im Rahmen eines Kolloquiums würdigen.

 Aber warum hatte sich der ältere Herr mit dem weißen Bart eigentlich 1911 entschieden, seinen Lebensabend am Rhein zu verbringen? Auch da weiß Professor Grimm die Antwort: „Weil Godesberg damals einer der beliebtesten Alterssitze hoher preußischer Beamter war.“

Weitere Infos zum Verfahren gibt es auch auf der Seite www.geodäsie.nrw/taetigkeitsfelder/photogrammetrie.