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Robert Wachowsky ist Geistlicher und Entertainer: Der Tausendsassa unter den Pfarrern

Robert Wachowsky ist Geistlicher und Entertainer : Der Tausendsassa unter den Pfarrern

Robert Wachowsky war über Jahrzehnte der Tausendsassa unter Bad Godesbergs Pfarrern. Einer, der neben seiner prosperierenden evangelischen Heiland-Kirchengemeinde in Mehlem gleich noch zwischen 1978 und 2006 die beispielhafte Königsberg-Hilfe für Arme und Kranke im russischen Kaliningrad auf die Beine stellte.

Einer, der schon gewandt per Internet kommunizierte, als das unter manch anderem Kirchturm noch als Teufelswerk galt. Der sogar frühzeitig selbstbewusst und sicher nicht ganz uneitel neben der Gemeinde- seine eigene Homepage fütterte: www.wachowsky.de. Für die evangelischen Gemeinden saß, nein wirbelte der heute 73-Jährige als Aufsichtsratsvorsitzender in den Gremien des Waldkrankenhauses, bevor es im Verbund mit dem Johanniter-Krankenhaus die Evangelischen Kliniken der Johanniter bildete. Mit der hiesigen Diakonischen Schwesternschaft arbeitete der geborene Westfale Seite an Seite.

Jedes Weihnachten überbrachte er am Rhein den Schiffern, begleitet vom evangelischen Posaunenchor, auf wankenden Bootsplanken Geschenke. Wo hinterließ dieses wortgewaltige Kraftpaket eigentlich nicht seine Spuren? Seine Richtlinie sei immer das Bibelwort gewesen: "Was ihr getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir getan", so Wachowsky. So waren diese Geringsten beispielsweise die vollgekifften Straßenkinder Kaliningrads, in deren Dreck er sich auf seinen Besuchen mutig mit hineinsetzte. Mit seinem Ehrenamtlichen-Team versetzte er Berge - auch wenn das im russischen Moloch von Stadt auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein konnte. Sind die Geringsten heute nun die Bettelarmen im peruanischen Lima, deren Leid er, inzwischen Ruhestandspfarrer im Dienst der dortigen evangelischen Gemeinde, nicht weiter mit ansehen konnte: Wachowsky, der Macher, stampfte auch in Südamerika eine Lima-Hilfe aus dem Boden. Sammelte Spenden für Baumaterial, mit Hilfe dessen am Rande der Slums eine ganze Reihe Häuschen für vielköpfige Armenfamilien entstanden sind. Was störte ihn je, dass er als "die Heilandkralle" oder "größter Bettler der Kirche" galt? Denn "was ihr getan habt einem von den Geringsten..."

Der Mann mit dem unheimlich schnellen Mundwerk konnte aber auch immer mit den Großen, wenn sie seiner Sache, der Sache des Herrn, dienten. 2005 berichtete die Berliner Morgenpost, wie Wachowsky der im Rolls-Royce zum Merseburger Dom kutschierten Moderatorin Tamara Gräfin von Nayhauß in den Hafen der Ehe verhalf. Die Braut hatte sich extra ihren "Lieblingspfarrer", der sie einst konfirmiert hatte, zum Promifest gewünscht. Unzählige Events stellte Wachowsky über seine Pfarrjahre an der Heilandkirche von 1978 bis 2006 immer gut gelaunt auf die Beine. Legionen von Ehrenamtlichen gewann er dafür - weshalb er "wandelndes Arbeitsamt" gerufen wurde. Warum so einer, der auch Entertainer hätte sein können, Pfarrer wurde? "Geboren im Zweiten Weltkrieg, wuchs ich auf in einer Zeit großer Not. Mein Vater wurde im Krieg getötet", schrieb er selbst einmal auf. Seine Mutter hätte im tiefen Westfalen Rat und Hilfe gebraucht und sie in der christlichen Gemeinde und im persönlichen Glauben an Jesus Christus gefunden, "der uns wissen lässt: Gott ist Liebe - gerade auch, wenn der Tod sehr nahe ist."

Er sei also Pfarrer geworden, "weil ich Menschen in schweren Zeiten ihres Lebens mit Kräften und Menschen zusammenbringen möchte, die ihnen helfen können." Was er nun im Ruhestand unvermindert weiter tut, "soweit die Kräfte reichen". Anfang dieses Jahres konnte er sich deshalb im Bonner Rathaus das Bundesverdienstkreuz abholen. Was sicher auch der Frau an seiner Seite und Mutter seiner Kinder, Margret Wachowsky, galt. Wachowsky hilft einfach weiter. Stichwort Lima: "Da können wir jetzt eine weitere Sozialarbeiterin einstellen, damit mehr und mehr Familien von der Unterstützung oder Kinderspeisung zur Selbsthilfe kommen", erzählt er dem GA. Der schwierigste Schritt vor Ort liege darin, Mütter, die selbst nicht lesen und schreiben könnten, zu alphabetisieren und von der Bedeutung der Bildung ihrer Kinder zu überzeugen, fügt er hinzu.

Stichwort Zirkus- und Schausteller-Seelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland. Denn auch da ist Wachowsky eingestiegen, reist durch die Lande, tauft und konfirmiert zwischen Autoscootern und bringt das Glockenläuten selbst als Handyton mit. "Da, wo wir uns versammeln, ist Kirche", kommt mit dem Brustton der Überzeugung, und: "In der fahrenden Gemeinde gibt es manche hilfsbedürftige Familie." Dass sein Vertretungsjob auf den Jahrmärkten mangels Amtsinhabers immer weiter Fortsetzung findet, braucht nicht hinzugefügt zu werden. Stichwort: Urlaubsseelsorge. Diesen Sommer wird Wachowsky im Süden der Türkei, in Alanya, "Residenten, die hilfsbedürftig werden, begleiten und beraten, wie sie im Ausland Hilfe bekommen". Letzten Sommer war er in gleicher Mission zwei Monate auf Kreta. Wie der Tausendsassa eben auch als 73-Jähriger nicht ruhig am Strand sitzend vorstellbar bleibt. Und was macht er, wenn er mal die Seele baumeln lässt? "Posaune spielen."