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Diana-Stein erinnert an römische Spuren in Godesberg

Heimatverein verschönert Standort in Muffendorf : Diana-Stein erinnert an römische Spuren in Godesberg

Viele Jahre fristete der Abguss eines römischen Weihesteins ein trauriges Dasein in Muffendorf. Der Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg verpasste dem Standort nun eine Schönheitskur. Warum das Original in Alt-Sankt-Martin einst eingemauert wurde, ist unklar.

Was nützt der schönste Fund, wenn er nicht wahrgenommen wird. Dieses Schicksal hat über Jahre den Abguss des so genannten Dianasteins ereilt. Zwar war er zur 1100-Jahr-Feier Muffendorfs 1988 extra angefertigt worden, doch entdeckte ihn an seinem Standort oberhalb des Remi-Baerts-Platzes kaum jemand. Damit sich das ändert, hat der Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg (VHH) Umfeld und Infotafel verschönert.

Bei der kleinen Einweihungsfeier erzählte Vereinsmitglied Martin Ammermüller, dass der originale Stein 1911 bei der Restaurierung der oberhalb gelegenen Alt-St. Martinskirche entdeckt worden sei – eingemauert in einen Seitenaltar. „Nach der lateinischen Inschrift, die viele Kürzel enthält, wurde der Stein von einem Scribonius aufgestellt“, so Ammermüller.  Dieser sei um das Jahr 170 n. Chr. Oberbefehlshaber der römischen Legion in Bonn gewesen. Gemäß Inschrift habe er Diana als Göttin der Jagd auch einen Tempel errichtet. Es könne sein, dass die Kirche über dem Tempel errichtet worden sei.

Diana war auch die Göttin der Frauen und Mädchen

Warum der Stein eingemauert wurde, dazu gibt es innerhalb des Heimatvereins mehrere Vermutungen. Eine findet sich auf der neuen Infotafel. „Möglicherweise sollte die Einmauerung des Weihesteins ein Zeichen für den Sieg des Christentums über die heidnischen Götter sein“, heißt es dort. Vorsitzende Iris Henseler-Unger hingegen verwies darauf, dass Diana auch noch die Göttin der Frauen und Mädchen sei. „Der Hexensabbat stand unter ihrer Schirmherrschaft, vielleicht musste der Stein deshalb verschwinden“, so Henseler-Unger. Das Original steht im Landesmuseum in Bonn.

Jedes Mal, wenn er an dem Abguss an der Verbindungstreppe zwischen Kirche und Platz vorbeigekommen sei, habe er sich einen neuen Hinweis für den Stein gewünscht, so Ammermüller: „Die alte, nur wenige Zentimeter große Blechtafel enthielt vor allem die lateinischen Kürzel und war eigentlich nur von Historikern zu übersetzen.“ Die Chance, Stein und Info ins rechte Licht zu setzen, sah der Verein, als die Tafel im Frühjahr zerstört wurde. „Aber wir mussten erst mal herausfinden, wer überhaupt zuständig war“, so der frühere Vorsitzende.

Der Abguss ist einbetoniert

Es schlug die Stunde von Vorstandsmitglied Franz Messinger. Als Garten- und Landschaftsarchitekt unterhält er gute Kontakte zur Stadt Bonn: „Aber selbst dort wussten viele Mitarbeiter nichts von der Existenz.“ Man zeigte sich jedoch offen und stellte sogar die Pflastersteine, die Bauunternehmer Thomas Hußmann später auf eigene Kosten verlegte. So wie auch Messinger hatte er sich schon bei der Neuanlage des Draitschbrunnens durch den VHH eingebracht. Anders aufstellen, wie ursprünglich geplant, ließ sich der Abguss nicht, da er fest einbetoniert war. „Deshalb steht er weiter schief da“, sagte Vorsitzende Henseler-Unger. 

Angesichts der Neugestaltungsaktion insgesamt für Vize-Bezirksbürgermeister Gabriel Kunze ein zu vernachlässigender Aspekt: „Danke, dass Sie an diesen, den römischen Teil unserer Geschichte erinnern.“ Denn meist stehe in Godesberg das Mittelalter im Vordergrund. Stephan Dörrstock vom Ortsausschuss Muffendorf zielte in die gleiche Richtung: Es werde eine Verbindung geschaffen zur Frage, wo wir überhaupt herkommen. Das römische Reich habe viele Spuren hinterlassen, nicht zuletzt im Recht.  

Im Innenhof der Godesburg gibt es einen weiteren Weihestein

Der wichtigste Fund aus römischer Zeit ist laut Ammermüller ein weiterer Weihestein, der sich im Innenhof der Godesburg befindet und dem griechisch-römischen Gott Äskulap und seiner Tochter Hygieia von dem damaligen Oberbefehlshaber um 200 n. Chr. gewidmet ist. Dessen ursprünglicher Standort ist unbekannt.

Die Infotafel in Muffendorf ist die 55. ihrer Art, die der Heimatverein seit 2012 installiert hat. Wer sein Handy auf den QR-Code hält, bekommt auch Hinweise zu Tafeln in der Nähe. Zu einem Denkmal des Ortes jedoch nicht, der Kommende. „Wir haben mehrfach versucht, mit den Verantwortlichen in Kontakt zu kommen, aber es gab irgendwann keine Rückmeldung mehr“, sagte Ammermüller am Rande.