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Diandra Schöbe, die beste Kellnerin in NRW, hat in Godesberg gelernt

Auszeichnung für Diandra Schöbe : Die beste Kellnerin des Landes hat in Godesberg gelernt

Die beste Restaurantfachfrau in NRW hat einen Teil ihrer Ausbildung im Godesberger Sternerestaurant „Halbedel’s“ absolviert. Die 24-Jährige träumt von einem American Diner.

Kater müsste man sein bei Diandra Schöbe. Denn wenn der 24-Jährigen danach ist, bekocht und bedient sie auch ihre beiden Lieblinge. Dass ihr, was Service angeht, so schnell keiner etwas vormacht, weiß die Wahl-Meckenheimerin spätestens seit Mitte November. Da erhielt sie von der Industrie- und Handelskammer (IHK) die Auszeichnung, die beste Restaurantfachfrau in NRW des Ausbildungsjahrgangs 2019/20 zu sein.

Gelernt hat sie in „Halbedel’s Gasthaus“ in Bad Godesberg. Doch bis sie im Sterne-Tempel und im Job ankam, dauerte es etwas. „Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Soziale Arbeit studieren“, sagt die junge Frau, die im rheinland-pfälzischen Bad Ems aufgewachsen ist. Kellnererfahrung hatte sie in der Dorfkneipe gesammelt, dann heuerte sie als Aushilfe im Badhaus in Bad Ems an. Sie servierte dort gehobene bürgerliche Küche und griff zu, als man ihr einen Ausbildungsplatz zur Restaurantfachfrau anbot.

Per Tripadvisor zum neuen Ausbildungsplatz

Doch Schöbes Freund wohnte in Bonn, und als sich die Stimmung im Badhaus-Team änderte, beschloss sie Ende 2018, rheinaufwärts zu ziehen. Dass sie schließlich bei Rainer-Maria und Irmgard Halbedel anlandete, war eher ein Zufall, wie sie sympathisch ehrlich gesteht: „Ich habe einfach bei Tripadvisor nach den besten Restaurants in Bonn und Umgebung gesucht.“ Klar, dass der seit fast 40 Jahren bei Michelin mit einem Stern gelistete Gourmet-Tempel bei der Reiseplattform oben gelistet war. 

Für Schöbe war jedenfalls nicht nur der groß geschriebene Wasserservice an der Rheinallee völlig neu. „Ich komme aus einer Handwerkerfamilie und hätte nie die finanziellen Mittel gehabt, dort Kunde zu sein“, gibt sie zu. Unsicherheit sei deshalb anfangs ein ständiger Begleiter gewesen, aber auch wegen der sehr versierten Hausherrin habe sie schnell Fuß gefasst.

Kritik an veralteten Prüfungsinhalten

Mit ihr zusammen waren drei Koch-Azubis da. An Nahrung mangelte es nie. „Sie mussten für ihre Prüfung vor allem einfachere Übungsgerichte wie Kohlroulade, Wurstsalat oder Erbsensuppe lernen, das haben wir dann mittags gegessen“, erinnert sie sich gerne zurück. Einmal die Woche ging es ins städtische Robert-Wetzlar-Berufskolleg nach Bonn. „Ich habe die Zeit dort sehr genossen, Schüler und Lehrer waren sehr herzlich und hatten immer ein offenes Ohr“, sagt die 24-Jährige.

Kritik übt sie lediglich an den ihrer Meinung nach veralteten Standards in Teilen der Prüfung: „Offenes Flambieren am Tisch sowie Filetieren und Tranchieren sind überhaupt nicht mehr aktuell.“ Und da im Alltag nicht gebräuchlich, bei den Prüflingen verhasst. Wobei IHK-Ausbildungsberater Dennis Kotzias betont, gerade bei Einsätzen in guten Häusern im Ausland sei dieses Können wichtig.

Im praktischen Teil des Abschlusses, den sie im Katholisch-Sozialen Institut auf dem Siegburger Michaelsberg unter Coronabedingungen absolvierte, kam das Tranchieren dran. „Aber obwohl ich die Gelenke nicht direkt gefunden habe und beim Weinservice Probleme mit dem Korken hatte, habe ich anscheinend überzeugt“, sagt sie immer noch ungläubig über das Ergebnis „96 von 100 Punkten“.

Sie kocht und backt leidenschaftlich gerne

Beim Verkaufsgespräch, bei dem sie den Veranstalter einer (erdachten) internationalen Konferenz beriet, machte sie ihre Sache ebenfalls gut. „Es ist zum Beispiel wichtig, Budget und kulturelle Hintergründe zu berücksichtigen, die Reihenfolge der Speisen und saisonale Angebote zu beachten“, gibt sie Einblicke in die Welt der Restaurantfachleute. Dass sie selbst gerne backt und kocht, habe ihr bei den Vorbereitungen enorm geholfen. „Es ist dann leichter, ein Menü zu schreiben“, meint die Landesbeste, die in der Theorie 93 von 100 Punkten holte. Auch das Gucken von Kochsendungen habe nicht geschadet, meint sie mit einem Schmunzeln.

Da liegt die Frage nahe, wann man sie denn als Köchin erleben wird. Die Antwort überrascht: „Mein Traum wäre es, in ein paar Jahren einen American Diner mit Original-Einrichtung und Servicekräften auf Rollschuhen zu eröffnen.“ Auch wenn sie die Zeit im „Halbedel’s“ nicht missen möchte und dort viel gelernt habe, könne sie sich auf Dauer nicht mit der Sterneküche identifizieren. Und man könne auch Fast Food als gute Küche verkaufen, zeigt sich Schöbe überzeugt.

So ist sie nun erstmal weitergezogen, arbeitet seit dem Ausbildungsende in der Marktscheune in Berkum. „Eigentlich bin ich für Service und Küche angeheuert worden, aber wegen des erneuten Lockdowns helfe ich gerade überall aus.“ Für sie kein Problem, denn Schöbe möchte sich ohnehin „ausprobieren“.

Bald will sie ihr betriebswirtschaftliches Wissen aufbessern: „Denn wenn ich meinen kleinen Laden aufmache, soll das nicht in die Hose gehen.“