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Evangelische Landessynode: Die Akademie in Bad Godesberg steht vor dem Aus

Evangelische Landessynode : Die Akademie in Bad Godesberg steht vor dem Aus

"Nach der Synode ist vor der Synode", merkt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, am Mittwochabend im Kongresszentrum von Bad Neuenahr-Ahrweiler an, nachdem die 210 stimmberechtigten Mitglieder der Synode seiner Landeskirche fast einstimmig das umfangreiche Sparpaket in Höhe von über elf Millionen Euro beschlossen haben. Und davon ist vor allem Bad Godesberg betroffen.

Bis zur nächsten Landessynode in einem Jahr soll die Kirchenleitung konkrete Vorschläge für das Amos-Comenius-Gymnasium, das "Haus der Begegnung" mit Evangelischer Akademie und Pädagogisch-Theologischem Institut (PTI) vorlegen. Erstaunlich ist vor allem, dass in der Plenardebatte über die landeskirchlichen Einrichtungen in Bad Godesberg mit einer Ausnahme kein Synodalmitglied aus der Region Bonn das Wort ergreift.

Einige Frauen und Männer aus der Bonner Region haben schlicht resigniert. Sie ahnen, dass sie die entsprechenden Vorlagen der Kirchenleitung doch nicht mehr ändern können. Und der neue Superintendent des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel, Matthias Mölleken, hält das Ergebnis gar nicht für schlecht. Nun kommt es darauf an, was es in den kommenden Monaten bedeutet, dass nach der Synode vor der Synode ist. Und Präses Rekowski wehrt sich am Donnerstag vor der Presse gegen den Vorwurf, man habe Bonner Einrichtungen über die sprichwörtliche Wupper gehen lassen.

Freilich wird es in absehbarer Zeit keine Evangelische Akademie mehr auf dem Heiderhof geben. Die Mitarbeiter sollen eine neue Konzeption für die Akademie erarbeiten, die künftig ihre Veranstaltungen nicht mehr an einem Ort, sondern an zahlreichen Orten anbieten, mit vorhandenen Stadtakademien (in Köln und in Düsseldorf) oder Citykirchen zusammenarbeiten soll. Auf GA-Anfrage wollte sich die Sprecherin der Akademie dazu gestern nicht äußern.

Das "Haus der Begegnung" auf dem Heiderhof, in dem bislang auch die Akademie untergebracht ist, wird aufgegeben - entweder verkauft (für eine Million Euro) oder vermietet. Interessenten soll es mehrere geben, darunter die Axenfeld-Stiftung, die es entweder in ein Wohnheim oder eine Einrichtung für Behinderte verwandeln will. So die Mutmaßungen in der Synode. Erfolgreicher werden freilich Gespräche mit dem Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) beurteilt. Da dieses Werk bereits Hotelerfahrungen in Bonn besitzt, könnte es das "Haus der Begegnung" als Tagungsstätte oder Hotel weiterführen.

Das hätte den Vorteil, dass die Landeskirche dann in dem "neuen Haus der Begegnung" Räume und Zimmer für das Pädagogisch-Theologische Institut (PTI) anmieten könnte. Im Gegensatz zu den Bonner Synodalen haben die Mitarbeiter des PTI in den zurückliegenden Monaten eine gute Lobbyarbeit an den Tag gelegt und bei der Kirchenleitung Bonn auch als künftigen Standort festgeklopft. Während der mehr als einstündigen, entscheidenden Plenardebatte meldete sich lediglich eine Synodale aus der Region Bonn zu Wort und plädierte leidenschaftlich für die Beibehaltung des Standortes Heiderhof: "Die Akademie ist auf einen festen Standort angewiesen, sie hat seit ihrem Umzug von Mülheim eine hervorragende Arbeit geleistet und ihr Themenspektrum ist dem einer kirchlichen Akademie angemessen."

Allerdings wurde diese Synodale gerüffelt, weil sie ein Manuskript zur Hand nahm, was laut Geschäftsordnung nicht vorgesehen ist. Mit etwas Großzügigkeit hätte man darüber hinwegsehen können. Doch offensichtlich fürchtete man eine neue Grundsatzdebatte über den Standort Heiderhof.

Nach Meinung einiger Synodaler aus dem Bonner Raum kann der Sparbeschluss auch Chancen beinhalten. Welche, darüber ist man sich freilich noch uneins.

Die Zukunft des Amos-Comenius-Gymnasiums

Mit Spannung verfolgten gestern Schüler des Amos-Comenius-Gymnasiums, Lehrer und Eltern die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland. Von den Sparbeschlüssen ist auch das einzige evangelische Gymnasium in Bonn betroffen.

Der für Bildungsfragen zuständige Oberkirchenrat Klaus Eberl versicherte dem GA: "Machen Sie sich keine Sorgen um das Amos. 2016 sehen wir weiter." Die Synode beschließt, dass die Kirchenleitung bis 2016 untersucht, wie die neun kirchlichen Schulen den geforderten Einsparbetrag von 4,5 Millionen Euro erbringen. Nach Oberkirchenrat Eberl "hat man bereits über drei Millionen Euro beisammen".

Große Hoffnungen setzt man auf die Gründung eines Schulwerkes als künftigem Träger der kirchlichen Schulen. Da sich auch der Kirchenkreis Godesberg-Voreifel an den Kosten für das Amos-Comenius-Gymnasium beteiligt, gilt diese Schule als gerettet.