John F. Kennedy und Adenauer waren schon da Die Geschichte des Amerikanischen Clubs in Bad Godesberg

Bad Godesberg · John F. Kennedy und Adenauer waren schon da: Der Amerikanische Club in Bad Godesberg schaut auf eine bewegte Geschichte zurück. 2024 soll der verfallende Club wiederbelebt werden. Die ganze Geschichte zeigt jetzt ein Dokumentarfilm.

 Der Amerikanischer Club von innen. Die weiten Fensterfronten sind mit Brettern vernagelt.

Der Amerikanischer Club von innen. Die weiten Fensterfronten sind mit Brettern vernagelt.

Foto: Kai von Westerman

Nach einem Schwenk über den Rhein nähert sich die Filmkamera zu Robert-Schumann-Klavierklängen einem versteckt am Plittersdorfer Ufer gelegenen Flachbau. Hinter Bauzäunen und dem Schild „Betreten verboten“ sind unter wucherndem Efeu Säulen, Bauschutt und quietschbuntes Graffiti zu sehen. „Dieser Bau war erstens niemandes Zuhause, zweitens niemals Sitz einer Behörde. Er war ein dritter Ort“, sagt eine Stimme aus dem Off in Kai von Westermans neuem künstlerischem Dokumentarfilm „American Embassy Club“, den er für die Montag Stiftungen gedreht hat.

Wie berichtet, soll der verfallenden Club der ehemaligen Amerikanischen Siedlung saniert und als „Zukunftsort für Demokratie“ wiedererweckt werden. Wie die Stiftungen mitteilen, soll im Herbst 2024 Baubeginn sein. Dazu habe man kürzlich eine gemeinnützige Projektgesellschaft gegründet. Von Westermans Film, den der GA schon einmal vor seiner Premiere am 10. Dezember sehen konnte, fragt nun, welche Rolle der 1951 erbaute Amerikanische Club mit seiner üppigen Rheinterrasse eigentlich in der Ex-Hauptstadt spielte. Auch die Frage, welche Perspektive der vor der Bonn International School (BIS) gelegene 2.000 Quadratmeter große, denkmalgeschützte Club-Bungalow heute hat, stellt sich.

John F. Kennedy und Adenauer waren schon zu Besuch

Er sei über viele Jahre einer der wichtigsten Treffpunkte für Diplomaten und hochrangige Vertreter der US-amerikanischen und deutschen Regierungen gewesen, antwortet im Film Zeitzeuge Walter Bawell. John F. Kennedy war ebenso hier wie Konrad Adenauer. Elegant in Jackett und mit Krawatte posiert der ehemalige US-Offizier vor den heute mit Brettern zugenagelten Glasfronten. Eingeblendete historische Fotos zeigen an derselben Stelle 50 Jahre zuvor Trauben von in Smalltalk versunkene Herrschaften, die Damen im Kleinen Schwarzen mit Nerzstola.

Heute herrscht hier nur noch Tristesse. Seit dem Umzug der Amerikanischen Botschaft nach Berlin 1999 hat der elegante Bau unter dem neuen Besitzer, der Vereinigten Bonner Wohnungsbau AG (Vebowag), und deren Pächter, der BIS, keine Verwendung mehr. Alle Nutzungspläne scheiterten.

„Hier fanden anfangs sogar die inoffiziellen Verhandlungen zur vollständigen Wiederherstellung der deutschen Souveränität statt“, erinnert sich im Film Walter Bawell an die Hoch-Zeiten des Clubs. Jeder habe übrigens die Kleiderordnung einhalten müssen, plaudert er schmunzelnd aus dem Nähkästchen. Selbst Botschafter hätten sich von ihren Chauffeuren noch schnell die Krawatten ausleihen müssen.

 Zeitzeugin Eveline Poser erinnert sich an den Amerikanischen Club, wie er früher einmal aussah.

Zeitzeugin Eveline Poser erinnert sich an den Amerikanischen Club, wie er früher einmal aussah.

Foto: Kai von Westerman

Im Club gab es typisch amerikanisches Essen

Eveline Poser, eine andere Zeitzeugin, tappt derweil im dunklen Inneren über Glasscherben, Styropor- und Tapetenreste. Mit einer großen Lampe bewaffnet, versucht sie, sich an die monatlichen „Family Buffets“ zu erinnern, die sie als niederländisches Diplomatenkind genoss.

An langen Tischen habe man hier typisch Amerikanisches gegessen, Roastbeef, süße Brötchen und Eis, während drüben eine Band Jazz spielte, zeigt Poser. Und da vorne hätten sich, eine Attraktion für ein Kind, die glamourösen Damentoiletten „mit viel Licht, rotem Plüsch und Spiegeln wie im Film“ befunden.

Der Club sei immer auch ein Statussymbol der jungen Demokratie in Deutschland gewesen, erklärt dem GA Filminitiatorin Ruth Gilberger, Vorständin der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft. Von Westermans Film untersuche also die Bedeutung und Stimmung des historischen Ortes. „Gleichzeitig öffnet die Darstellung den Blick für Potenziale, die in dem Gebäude stecken.“

Im GA-Gespräch erinnert sich der Regisseur, der als Kameramann der „Sendung mit der Maus“ inzwischen Kultstatus hat, dass er selbst 1992 als Nachrichtenkameramann zu einer Politikerparty anlässlich der US-Präsidentschaftswahl im Ami-Club gewesen sei. „Mir ist damals aufgefallen, wie die großzügige Architektur Weiträumigkeit und gleichzeitig verschiedene Feierbereiche zuließ. Trotz der vielen Menschen wirkte es nirgendwo zu eng.“

Was in seinem Film Alexander Kleinschrodt, Sprecher des Netzwerks Baukultur Bonn, bestätigt. Der Club sei, wenn man sich die Bretter wegdenke, durch eine gläserne Architektur geprägt, durch maximale Transparenz und schlanke Säulen. „Das ist demokratische Architektur im Vergleich zu dem, was in Deutschland an Monumentalem in den 1930er und 1940er Jahren gebaut wurde.“

Skater funktionierten Gebäude zu kreativem Treffpunkt um

1951 sei hier also eine Antithese entstanden, führt Kleinschrodt aus: Hier gab es flexibel zu nutzende Räume, Pluralität, Offenheit, die eine Geschichte erzählten, die aber auch das Potenzial besäßen, heute zu einer neuen Aneignung, zu neuen Geschichten einzuladen. Sein Film sei deshalb nicht ein „Medium zur Abbildung des Stillstands“, stellt von Westerman klar.

Er habe den Aufbruch, den das Vorhaben der Montag Stiftungen für den Club bedeute, dokumentieren wollen. „Mancher wird überrascht sein, welche Nutzer es bisher als einzige verstanden haben, einen sinnvollen Umgang mit Teilen des Clubs zu finden.“ Und so treten im Film auch zwei ehemalige Skater auf. Die hatten die glatten Außenflächen des Ami-Clubs bis 2009 ja mal eine Zeit lang zum schillernd kreativen Treffpunkt umfunktioniert.

Filmpremiere und Diskussion: Sonntag, 10. Dezember, 11 Uhr, „Zentrifuge“ im Haus der Luft- und Raumfahrt, Godesberger Allee 70. Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter posteingang-mkg@montag-stiftungen.de. Bitte jahreszeitgemäß warm kleiden.

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