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Konzerte im Gemeindesaal der Erlöserkirche: Die große Kunst des Pianissimo

Konzerte im Gemeindesaal der Erlöserkirche : Die große Kunst des Pianissimo

Seit 2013 gibt es im Historischen Gemeindesaal der Erlöserkirchen-Gemeinde im Godesberger Villenviertel die kleine, aber sehr feine Konzertreihe "EinViertel". Es ist erstaunlich, welche Größen der Musiker und Veranstalter Christoph Fassbender für die Reihe gewinnen kann: So war in der Vergangenheit unter anderem das international renommierte Trio Wanderer zu Gast.

Eröffnet wurde die Reihe im Dezember 2013 von dem jungen Chiaroscuro Quartet, das seinen Sitz in London hat. Die vier jungen Musiker haben seitdem eine glanzvolle Karriere hingelegt und einige renommierte Preise der Klassikszene eingeheimst. Die offensichtlichste Besonderheit des Ensembles liegt darin, dass sie im Gegensatz zu den meisten anderen Quartettkollegen auf Darmsaiten musizieren.

In den Abend leitete Dr. Heide Volckmar-Waschk ein, die als Musikwissenschaftlerin am Haydn-Institut in Köln arbeitet. Ein Werk Haydns war auch direkt der erste Programmpunkt, das letzte der "Sonnen-Quartette", wobei Haydn diesen Beinamen niemals gewählt hat. In den Kopfsatz stieg das an sich hervorragende Ensemble noch mit kleinen Ungenauigkeiten ein, die aber bald vergessen waren.

Denn schon sehr schnell zeigten sich die Musiker wieder auf der gewohnten Höhe und bewiesen ihr einfühlsames Zusammenspiel. So bezauberten sie im zweiten Satz mit wunderschöner Schlichtheit - auch hier wieder mit nur sparsam eingesetztem Vibrato. Sicher und kraftvoll gelang dann auch der abschließende Fugensatz. Mit Schuberts Frühwerk D 173 ging es im Anschluss mit großen Schritten in Richtung Romantik. Primaria Alina Ibragimova und ihr Geigenkollege Pablo Hernán Benedí spielten besonders im zweiten und dritten Satz wie aus einem Guss. Durch das ganze Werk zog sich eine sehr organische und ausdifferenzierte Dynamik.

Heiter und volkstümlich erklang der Finalsatz, bei dem das Chiaroscuro Quartet sich von der zupackenden Seite zeigte. Nach der Pause erklang Mozarts Klarinettenquintett, und Klarinettist Nicolas Baldeyrou gesellte sich zu der Runde. Klanglich herrschte ab dem ersten Ton eine gelungene Balance zwischen Streichern und Klarinettist. Überirdisch schön gelang den fünf Musikern das "Larghetto", bei dem Baldeyrou teilweise fast unhörbar spielte - hier war die große Kunst des Pianissimo zu erleben. Durch die gedämpften Darmsaiten klangen die Streicher fast noch ein wenig sphärischer als mit modernem Instrumentarium.

Virtuos zeigten sich alle fünf Musiker noch einmal im abschließenden Variationssatz. Für den anhaltenden Applaus bedankten sich das Chiaroscuro Quartet und Nicolas Baldeyrou mit einer Wiederholung des langsamen Satzes, nach der man selig in die Nacht ging.