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Sanierung für rund 2,5 Millionen Euro: Die Johanneskirche wird zur Baustelle

Sanierung für rund 2,5 Millionen Euro : Die Johanneskirche wird zur Baustelle

Als letzte ihrer Immobilien lässt die evangelische Johannes-Kirchengemeinde ein Jahr lang ihr Pennenfelder Gotteshaus sanieren. Kosten: 2,5 Millionen Euro

Die evangelische Johannes-Kirchengemeinde geht ab sofort an ihre letzte große Renovierungsaufgabe: Im Laufe des Augusts wird die Pennenfelder Johanneskirche Stück für Stück ausgeräumt. Geplant sind an dem vor 60 Jahren begonnenen wuchtigen Bau einjährige Arbeiten am Dach, die Sanierung der Außenwände, die Überarbeitung aller 160 Fenster und der Orgel inklusive Aus- und Einbau, die Heizung, die Beleuchtung und der Innenanstrich, erklärt der vormalige Presbyter Hans-Georg Kercher. „Wir wünschen uns, dass die Kirche wesentlich heller und die Beleuchtung strahlender wird, denken an Einbauten für WLAN und Visualisierungsmöglichkeiten.“ Bei einer Gemeindeversammlung im Oktober werde man die Planung vorstellen. Vorerst werden Gottesdienste in der Heiderhofer Immanuelkirche gefeiert.

Mit dieser Sanierung ist die Gemeinde dabei, ihre Hausaufgaben an ihren zahlreichen Immobilien zu beenden. Die waren nämlich inzwischen wie auch generell 50- bis 60-jährige Sakralbauten im Lande äußerst marode geworden. 2008 diskutierte die Gemeinde den Abriss der besonders sanierungsbedürftigen Johanneskirche. Doch es fanden sich Mitglieder wie Ex-Presbyter Kercher, die heftig für ihre Lieblingskirche stritten und sie mit dem Matthias-Claudius-Haus nebenan schließlich sogar zur Herzkammer der Gemeinde machten. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen musste man sich aber schließlich von einer der vier Kirchen trennen. So verkaufte man 2016 die abgelegenere Marienforster Kirche an die Russisch-Orthodoxe Gemeinde. Zwei dortige Häuser gingen an die Axenfeld-Gesellschaft.

Dann ging es an die Erneuerung der übrigen Immobilien. 2019 erweiterte man das Matthias-Claudius-Haus neben der Johanneskirche und musste kurzfristig den wackligen freistehenden Kirchturm reparieren. Mit Geldern aus einem Nachlass renovierte man im selben Jahr die Rigal`sche Kapelle. Dann begann die Kernsanierung der Heiderhofer Immanuelkirche. Die Arbeiten dort sind seit Herbst 2020 beendet. Kürzlich wurde, wie versprochen, erstmals deren bislang wie eine Burg abgeschirmte Gartenanlage zum Einkaufszentrum hin geöffnet. In der Ausgestaltung der dortigen neuen Möglichkeiten stehe die Gemeinde gerade noch am Anfang, erläutert der neue Pfarrer Tobias Mölleken. „Aber es gibt eine große Motivation, etwas Schönes und vielleicht auch Nachhaltiges auf dem Heiderhof zu schaffen.“

Nun steht für die Gemeinde also noch die Überholung der stark maroden Johanneskirche an. Deren Grundstein war im Sommer 1961 von der Architektin Trude Cornelius gelegt worden, die das für 350 Besucher ausgelegte Gotteshaus dann blockhaft mit vertikal überhöhtem Mittelschiff an die Zanderstraße setzte. Für das nachbarliche evangelische Amos-Comenius-Gymnasium und die weiteren Pennenfelder Schulen ist es seither auch Schulkirche und inzwischen unter Denkmalschutz gestellt. „Ich freue mich, dass die Gemeinde sich diesem Prozess gestellt hat“, sagt Pfarrer Mölleken zum letzten Sanierungsprojekt. So könne man sich auch Gedanken machen, „wie wir die Kirche zukünftig nutzen wollen: Welches Licht benötigen wir? Wie könnte eine multimediale Ertüchtigung aussehen?“ Im Zuge der zunehmenden Säkularisierung müsse man sich aber auch fragen: Kommen die Pennenfelder überhaupt noch in die Johanneskirche, stellt der neue Pfarrer plötzlich unerwartet in den Raum.

Der Gemeinde sei es auf jeden Fall wichtig, auch weiterhin im Ortsteil aktiv zu sein, so Mölleken. Nach den Ferien plane man, den Gottesdienst jeden zweiten Sonntag im Monat, mit Ausnahme zu besonderen Feiertagen, im Gemeindesaal des Matthias-Claudius-Hauses zu feiern. Die übrigen Sonntage lade die Gemeinde in die Immanuelkirche. „Durch die Corona-Pause konnten wir diese frisch sanierte Kirche noch gar nicht so richtig nutzen“, bedauert Mölleken.

Die Sanierung der Johanneskirche wird auf jeden Fall „sehr aufwendig und teuer“, verrät Ex-Presbyter Kercher und spricht nach zweijähriger Planung von geschätzten 2,5 Millionen Euro. 460.000 Euro Zuschüsse habe die Gemeinde bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und beim Landesamt für Denkmalförderung erkämpft. „Wir stoßen hier an die Grenzen unserer finanziellen Möglichkeiten“, gibt Kercher zu. Auch alle bisherigen aufwendigen Sanierungen seien nur möglich gewesen, „weil wir noch Reserven vom Verkauf des Waldkrankenhauses und der Marienforster Kirche mit den beiden Häusern oberhalb der Kirche haben, die aber damit verbraucht sind.“

Wie berichtet, hatte das Waldkrankenhaus der Johanniter vormals allen evangelischen Gemeinden Godesbergs gehört. Wenn jetzt an der Johanneskirche unvorhergesehene Mehrkosten entstünden, „wären diese nur durch größere Spenden unserer Gemeindeglieder zu finanzieren“, sagt Kercher.