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Unternehmertage: Die Spione aus dem Internet

Unternehmertage : Die Spione aus dem Internet

Man stelle sich vor: Da schmeißt ein Besucher eines Unternehmens 20 USB-Sticks auf den Tisch. Es wird wohl nur Minuten dauern, bis sich die Mitarbeiter großzügig bedienen und auf ihren Firmenrechnern mal so schauen, was auf den Sticks gespeichert ist.

Was sie nicht wissen, dass sofort ein kleines Programm darauf seinen Dienst aufnimmt und die Betriebs-PCs ausspioniert. Dies ist nur ein Beispiel für Wirtschaftsspionage, das Burkhard Freier, Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, am Dienstag zum Auftakt der 9. Bonner Unternehmertage nannte.

Er gab vor 200 Gästen einen Einblick in die Machenschaften zumeist fremder Länder. Tatort sei dabei häufig das Internet. "Unternehmenssicherheit ist heute unser Schwerpunkt", sagte Rechtsanwalt Michael C. Gussone von der Sozietät Meyer Köring, die mit der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg sowie der Volksbank Bonn Rhein-Sieg in die Redoute eingeladen hatte. Abends drehten sich die Vorträge um neue Finanzierungsmöglichkeiten, heute geht es um Arbeitsrecht und neue Anforderungen an die Mitarbeiterführung.

"Klauen ist billiger als selbst entwickeln", nannte Freier den Ansporn für Wirtschaftsspione - nicht nur Konkurrenten, sondern auch ausländische Nachrichtendienste etwa aus Russland oder China. Der Schaden dadurch liege in Deutschland jährlich bei 50, in NRW bei zehn Milliarden Euro. Mindestens, "weil viele Unternehmen sich nicht melden, da sie und einen Imageverlust befürchten", sagte Freier.

"Jedes zweite Unternehmen wurde bereits Opfer eines Spionageversuchs", ist sich Freier sicher. Das mache in NRW mehr als 200 000, vor allem Mittelständler. Gestohlen würden Produkte, Dienstleistungen, Ideen, Kunden- und Lieferantendaten. Da baut dann irgendwer einen Staubsauger fast perfekt nach, nur funktioniert der nicht so gut. Der Originalhersteller muss Verluste fürchten - an Image und Einnahmen.

"Entscheidend ist nicht die Entlarvung des Täters", sagte der Verfassungsschützer. Viel mehr müsse man seine Methoden kennen, um sich zu schützen. Bei seinen Beispielen fiel wohl manchem staunend die Kinnlade herunter:Viel gibt eine Firma schon preis, wenn sie ihr Produkt auf einer Messe vorstellt. Fundgruben seien aber auch soziale Netzwerke. Ein Rechner im Internet sei wie ein Scheunentor. Wer allein privat seinen Rechner ohne Schutz ans DSL anschließt, müsse in der ersten Stunde bereits mit 500 Angriffen von Viren, Trojanern und Würmern rechnen. So plädiert Freier für eine völlige Isolation der sensiblen internen Firmendaten.

Konkurrenten könnten laut Freier über leicht zu infizierende Smartphones - alles kleine Computer - mithören. Wer das Vertrauen eines unzufriedenen Mitarbeiters erlange, könne eine Menge über Unternehmen erfahren. Oder da ist der angebliche Geschäftspartner, der Vertrauen aufbaut, und dann infizierte Mails verschickt. "Der Mensch bleibt die größte Sicherheitslücke", sagte Freier. Die "Kronjuwelen" eines Unternehmens machten sieben Prozent aus. Er riet herauszufinden, welche Daten das seien und diese dann gut zu schützen. Auf Nachfrage gab Freier an, ein Handy ohne Kamera, nur mit Taschenlampe zu nutzen. Bei Facebook, Twitter oder Xing suche man ihn, Freier, vergeblich.

Wer am Mittwoch, 24. September, noch am kostenlosen Programm teilnehmen möchte, ist von 14 bis 19.15 Uhr an der Kurfürstenallee 1 willkommen. Mehr auf www.bonner-unternehmertage.de. Thema Spionage:www.mik.nrw.de/verfassungsschutz