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Ehemalige erinnern sich: Die vergessene Realschule

Ehemalige erinnern sich : Die vergessene Realschule

Von 1970 bis 1984 lernen Mädchen und Jungen gemeinsam an der „Geschwister-Scholl-Realschule“. Die sogenannte Dritte Godesberger Realschule ist anders als die anderen beiden damaligen Einrichtungen koedukativ.

“Von unserer Schule weiß kaum noch jemand“, sagt Marlies Bechtold bedauernd. Die heutige Aegidienbergerin hat im damals ersten Jahrgang der 1970 gegründeten „Dritten Godesberger Realschule für Jungen und Mädchen“ 1976 ihre Mittlere Reife abgelegt. „Wir waren in zwei Klassen insgesamt 38 Schüler. Und bis zum Abschluss hatten wir kein eigenes Schulgebäude“, blickt Bechtold zurück.

Die neue Realschule wurde erst in Räumlichkeiten der Rüngsdorfer Andreas-Grundschule und dann, als sie Klasse um Klasse anwuchs, in Baracken auf dem Schulhof untergebracht. „Aber es war eine schöne Zeit“, betont Bechtold. Anders als die damalige Carl-Schurz-Jungenrealschule, die 1970 noch im heutigen Friedrich-List-Berugskolleg im Villenviertel saß, und die langjährige Mädchenbastion Gertrud-Bäumer-Schule im Pennenfeld war „die Dritte“ koedukativ.

Im Volksmund „Zitronenschule“ genannt

„Ein Experiment: Jungen und Mädchen in einer Klasse. Geht das gut?“, hätten damals viele gefragt, erinnert sich Jürgen Kottenstein, der ebenfalls im ersten Jahrgang der „Dritten“ lernte. Sie sei im Volksmund „Zitronenschule“ genannt worden, weil das Rüngsdorfer Gebäude gelb war. Später wurde ihr im Gedenken an die „Weiße Rose“, der Widerstandsgruppe im Dritten Reich, der Name „Geschwister-Scholl-Realschule“ gegeben. Jungen und Mädchen in einer Klasse: Das ging gut. Zuerst habe als kommissarische Leiterin Valentine Rothe Aufbauarbeit betrieben, sagt Marlies Bechtold, die selbst Klassen- und später auch Schulsprecherin war. „Frau Rothe war ein sehr guter Griff des Schulamts“, bestätigt Kottenstein. Dann habe Norbert Flechtker das Rektorat übernommen und 1976 den Umzug der Geschwister-Scholl-Schüler ins neu gebaute Pennenfelder Schulzentrum organisiert.

„Unsere A-Klasse war immer die verrufene, die B wurde als Klasse der Braven angesehen“, berichtet Bechtold über den ersten Jahrgang von 1970. Und später seien gerade aus „der Verrufenen“ die bravsten Beamten und Polizisten hervorgegangen. Bechtold organisiert seit vielen Jahren die regelmäßigen Ehemaligentreffen, bei denen sie auch Rothe, Flechtker und andere Lehrer begrüßen konnte. Beide Ex-Schüler können wunderbare Schulerlebnisse erzählen: Wie die Jungen etwa einen gern dozierenden Mathematiklehrer nervten und, als er sie vor die Türe schickte, draußen einfach Skat droschen, so Kottenstein. Und wie es in Klasse neun plötzlich zwischen ihm und einer besonders netten Mitschülerin funkte: 2027 wollen die beiden, die heute in Ostdeutschland leben, Goldene Hochzeit feiern.

Skelett auf dem Beifahrersitz

Bechtold weiß noch, wie sie 1976 das Skelett aus dem Biologieraum ins noch nicht fertige Pennenfelder Schulzentrum fuhren. „Und zwar angeschnallt auf dem Beifahrersitz unserer Lehrerin“, erzählt sie. Eine Skeletthand hing dabei aus dem Wagenfenster. Und als die Ampel an der Schranke am Kapellenweg wegen durchfahrender Züge auf Rot stand, hätten sich andere Autofahrer vor diesem seltsamen Co-Piloten gegraust. Das hätten auf ihren Fahrrädern amüsiert beobachtet. Bechtold lacht.

Das Ende ihrer Schule haben die beiden als Schüler nicht mehr miterlebt. Als Nachbarin der heutigen Johannes-Rau-Hauptschule war der Geschwister-Scholl-Schule in Pennenfeld kein langes Leben vergönnt. Schon 1984 sah sich der Stadtrat wegen damals sinkender Schülerzahlen gezwungen, die Carl-Schurz-Realschule von der Augustastraße mit der Scholl-Schule zusammenzulegen. Und obwohl es in Bonn ja noch eine weitere Carl-Schurz- und keine Scholl-Schule gab und gibt, verlor „die Dritte“ ihren Namen. „Trotzdem denken wir gern an sie zurück“, sagen die beiden ehemaligen Schulkameraden.