Lungstras, von Linden & Co. Diese Bonnerinnen machten sich für Frauenrechte stark

Bonn · Die Stadtführerin Gaby Brennig stellt bei einem Rundgang zum Weltfrauentag wegweisende Bonnerinnen vor. Eigentlich müssen sie Wegbereiterinnen heißen, denn sie haben sich für die Rechte stark gemacht, die Frauen heutzutage haben.

 Stadtführerin Gaby Brennig erinnert an die Frauenrechtlerin Berta Lungstras. Nach ihr ist eine Straße in Bonn benannt.

Stadtführerin Gaby Brennig erinnert an die Frauenrechtlerin Berta Lungstras. Nach ihr ist eine Straße in Bonn benannt.

Foto: Sebastian Flick

Auf Spurensuche wegweisender Bonnerinnen begaben sich am Mittwoch rund 20 Teilnehmerinnen eines Stadtrundgangs mit dem Titel „Frauen-Power“. Anlässlich des Internationalen Weltfrauentags hatte die Gleichstellungsstelle der Stadt Bonn einen Spaziergang organisiert, bei dem Stadtführerin Gaby Brennig die Rolle der Frau im Laufe der Jahrhunderte beleuchtete.

Gleich zu Beginn des zweistündigen Rundgangs ging es rund 2000 Jahre zurück in die Vergangenheit: Im Kreuzgang des Bonner Münsters erläuterte Brennig die Bedeutung eines Matronensteins, der bei Bauarbeiten unter der Krypta entdeckt wurde: Die dargestellten Frauen, Muttergöttinnen, sowie die Inschriften belegen, dass Frauen bereits zur Zeit um Christi Geburt eine bedeutende Rolle gespielt haben, und die Götterwelt weiblich geprägt war.

Einen großen Zeitsprung ins 19. Jahrhundert machte die Gruppe, als sie wenig später die Säulenhalle der Uni betrat: Dort stand die Bonner Frauenrechtlerin Berta Lungstras im Fokus von Brennigs „Frauen-Power“-Rückblick. Lungstras half jungen Frauen, die ein uneheliches Kind geboren hatten, indem sie ein Heim eröffnete. In den darauffolgenden 30 Jahren hat sie mehr als 3000 Mädchen dabei geholfen, in ein bürgerliches Leben zurückzukehren. Zu Ehren von Lungstras ist heute eine Straße in Tannenbusch nach ihr benannt.

Vier Mütter des Grundgesetzes

Zu weiteren wegweisenden Frauen, die auf dem Rundgang nicht unerwähnt bleiben durften, zählte auch Gräfin von Linden, die erste Professorin, die Ende des 19. Jahrhunderts jedoch keinen eigenen Lehrstuhl erhielt. „Die erste Studentin war in Bonn erst 1908 zugelassen“, berichtete Brennig. Am Alten Zoll blickten die Teilnehmerinnen des Stadtrundgangs auf das ehemalige Regierungsviertel, während Brennig von den „Müttern des Grundgesetzes“ berichtete. Zu den vier Politikerinnen, die 1948 an der Erarbeitung des Grundgesetzes mitwirkten, zählte unter anderem die Politikerin Elisabeth Selbert, die sich für die Gleichberechtigung der Frau im Grundgesetz stark gemacht hatte.

Wenige Kilometer vom Alten Zoll entfernt – im World Conference Center – würdigte am gestrigen Dienstag NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst die Leistungen aller Frauen in der Bonner Republik, die sich ihre Beteiligung am demokratischen Prozess hart erkämpfen mussten. Die Rede des Ministerpräsidenten im ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestages war sicherlich ein Höhepunkt des Weltfrauentags in Bonn, neben vielen weiteren Veranstaltungen. Die Gleichstellungsstelle der Stadt hatte zu zahlreichen Vorträgen und Workshops eingeladen, die größtenteils digital, teils aber auch in Präsenz durchgeführt wurden. Über 30 Initiativen, Vereine und Interessengruppen, die sich für Frauen- und Gleichstellungsthemen engagieren, gestalteten ein insgesamt sehr abwechslungsreiches Programm.

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