Don Jordan ist der wohl bekannteste Auslandskorrespondent in Deutschland

Bad Godesberg · Don Jordan ist der wohl bekannteste Auslandskorrespondent in Deutschland - und seit über 42 Jahren Godesberger

 Als Talk-Gast in vielen Fernsehsendungen ist Don Jordan einem großen Publikum bekannt.

Als Talk-Gast in vielen Fernsehsendungen ist Don Jordan einem großen Publikum bekannt.

Foto: dpa

Wenn Don Jordan einmal in Fahrt ist, dann wird alles andere unwichtig. Das wissen nicht nur die, die den amerikanischen Journalisten persönlich kennen, das wissen auch die Millionen Zuschauer, die den mittlerweile 67-Jährigen bei seinen vielen Fernsehauftritten gesehen haben.

Jahrzehntelang war Don Jordan Dauergast bei den sonntäglichen TV-Stammtischen des Journalismus, erst in Werner Höfers Internationalem Frühschoppen, dann im Presseclub. Dazu kommen unzählige Auftritte bei Polit- und sonstigen Talks im deutschen Fernsehen.

Don Jordan ist Kosmopolit. Geboren in New York als Sohn eines deutschen Diplomaten und einer Amerikanerin, kam er mit elf Jahren zum ersten Mal nach Bonn. Zwischen den Nachkriegstrümmern der Interimshauptstadt fühlte sich der kleine Don nicht besonders wohl. Auf der Straße wurden er und sein Bruder manchmal verprügelt, nur weil ihre amerikanischen Klamotten so provozierend bunter waren als die ärmlich-grauen deutschen Hosen und Hemden.

Don Jordan war froh, als die Familie weiter zog. Erst in die USA, dann nach Kuba, wo der Vater einige Jahre deutscher Botschafter war. Er verbrachte seine Jugend auf Internaten, zweimal flog er, weil er zu undiszipliniert war. Erst in einer streng methodistischen Anstalt kam er zur Ruhe.

Während dieser Jahre ist Don Jordan wohl zu dem geworden, was er bis heute ist: Ein Einzelgänger, ein Wanderer zwischen den Welten. Seine Lieblingsrolle, die ihn so bekannt gemacht hat, ist die des amerikanischen Kritikers. Nur Stichworte muss man ihm zuwerfen, dann sprudelt aus ihm raus, was ihn an Deutschland stört: Rücksichtlose Fahrradfahrer, die glauben, sie hätten immer Vorfahrt; linke Politiker, die rechts leben; Menschen ohne Manieren; der rheinischen Karneval; Obrigkeitsdenken. Am schlimmsten findet er Political Correctness: "PC ist die Impotenz der Gesellschaft, es ist der reinste Terror."

So viel Kritik klingt irritierend aus dem Mund eines Mannes, der vor über 40 Jahren freiwillig wieder nach Deutschland kam. Damals suchte die Deutsche Welle einen Reporter, der auf Englisch die deutsche Politik erklären konnte. Da er nicht besonders an seinem Wirtschaftsstudium und den kleinen Jobs beim Radio in Miami hing, ging Jordan 1966 nach Bonn. Es folgten 40 Jahre in der Weltpolitik. Ein Alltag in engstem Kontakt mit Ministern, Kanzlern und Präsidenten.

Jordans Beiträge landeten beim staatlichen Sender "Voice of America", bei CBS und etlichen anderen Stationen. Später schrieb er auch für den englischen Guardian. Das politische Bonn war damals ein kleines Raumschiff, und Don Jordan gehörte zur Crew. So verwundert es nicht, dass er auch seine Frau Dorothea von Riesen-Jordan über ein anderes Mitglied dieser Crew, einen Kollegen, kennen lernte. Sie studierte noch, als sich die beiden näher kamen. Dorothea wurde nach der Hochzeit Hausfrau.

Trotz seiner "deutschen Frau und seiner deutschen Hypothek, in der Reihenfolge", wie er selbst sagt, trotz der langen Zeit, die er hier lebt: Zur Heimat ist Deutschland ihm nicht geworden. Eine "emotionale Irrationalität", eine Realitätsverkennung bestimme dieses Land, sagt er. Und dann erzählt Don Jordan von der Morddrohung.

Als er sich 2004 öffentlich für den Irak-Krieg ausgesprochen hatte, drohten angebliche Pazifisten, ihn und seine Familie umzubringen. "Auf drei Seiten haben die haarklein dargelegt, warum sie Gewalt generell ablehnen, um dann auf der vierten Seite bis ins Detail zu beschreiben, wie sie mich umbringen werden." Jordan schnaubt verächtlich: Monatelang inspizierten er und seine Frau den Unterboden ihres Autos, bevor sie losfuhren - aus Angst vor einer Bombe.

So wie er in Deutschland als Konservativer abgestempelt wird, so spiegelverkehrt ist seine Rolle in den USA: "Seit Jahrzehnten versuche ich, den Amerikanern zu erklären, dass nicht alles, was mit S wie sozial anfängt, gleich kommunistisch und damit feindlich sein muss." Es ist vor allem die Ignoranz, die Jordan an seinen Landsleuten stört. Die Ignoranz zum Beispiel, nicht erkennen zu wollen, dass ein funktionierender Sozialstaat auch seine Vorteile haben kann.

Doch viel Erfolg hat er damit nicht. Ganz im Gegenteil, der Geheimdienst hat jahrzehntelang eine Akte über ihn geführt; er stand im Verdacht, links zu sein. Heute kann Don Jordan darüber nur lachen. "Wenn die einen mich von links und die anderen von rechts angreifen, dann bin ich ja wohl in der Mitte." Don Jordan will ein Missionar sein für das Beste beider Welten.

Vor einigen Jahren kaufte Don Jordan ein Haus in der Nähe von Washington, gedacht als Verpflichtung, den Kontakt zu seiner Heimat nicht zu verlieren. "Ich wollte auch meiner Frau damit zeigen, dass ich nicht gedenke, hier in Deutschland begraben zu werden". Er hat das Haus mittlerweile wieder verkauft.

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