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Kommentar: Eckkneipe mal anders

Kommentar : Eckkneipe mal anders

Der Mann, der mir freundlich die Tür zur "Alten Post" aufhält, fragt: "Auch zum Kneipensterben?" Ja, aber dienstlich.

Durch einen sehr lebendig gefüllten Gastraum und am Zapfhahn vorbei geht es zum Bürgergespräch der CDU, um das oben genannte Thema zu diskutieren. Kneipensterben.

Bin ich eigentlich mit schuld? Privat sehe ich die klassische Dorfkneipe zugegebenermaßen selten von innen - was schlichtweg daran liegt, dass es in unserem Viertel schon keine Kneipe mehr gibt. Die Nachbarschaft trifft sich trotzdem, und zwar beim Italiener. Hier gibt es weiße Tischdecken statt Bierdeckel am Tresen, aber der persönlichen Atmosphäre tut das keinen Abbruch. Jeder Gast wird an der Tür mit Handschlag begrüßt, die freundlichen Inhaber aus Sizilien wissen, wer gerade aus dem Urlaub kommt, wer eine OP hinter sich hat und wer seinen Salat am liebsten mit Hausdressing isst.

Ich denke: Noch ist die Eckkneipe nicht tot, auch wenn sie ihr Gesicht verändert. Das zweite Wohnzimmer kann auch Griechen oder im französischen Café sein. Es ist natürlich schade es, wenn ein charmantes Traditionslokal nach jahrelangem Leerstand tatsächlich stirbt, weil einfach kein Pächter zu finden ist. Es gibt aber auch vollgequalmte Pinten mit lieblosem Essen, die ich nicht vermisse.

Eine Zuflucht für Nostalgiker ist übrigens gesichert: Im Freilichtmuseum Kommern wurde der Dorfkneipe der 70er ein Denkmal gesetzt. Zwischen Zinnkrügen, Mustertapete und Sparkästchen kann man dort Pils trinken und Soleier essen. So ganz wird sie nicht sterben, die gute alte Kneipe.