1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Aloisiuskolleg in Bad Godesberg: Ehemaliger Ako-pro-Leiter und Jugendpfleger angeklagt

Aloisiuskolleg in Bad Godesberg : Ehemaliger Ako-pro-Leiter und Jugendpfleger angeklagt

Ab 26. Oktober müssen sich zwei ehemalige Mitarbeiter des Aloisiuskollegs und der Stadt vor dem Bonner Landgericht verantworten. Es geht um Betrug in drei besonders schweren Fällen.

Fast fünf Jahre, nachdem der General-Anzeiger den brisanten Bericht des Rechnungsprüfungsamts über eine Finanzaffäre um das Bad Godesberger Ako-pro-Seminar öffentlich machte, kommt es vor dem Bonner Landgericht zum Prozess gegen die beiden Angeklagten. Ab 26. Oktober müssen sich die Männer wegen mutmaßlichen Betrugs in drei besonders schweren Fällen verantworten, bestätigt Landgerichtssprecher Bastian Sczech auf Anfrage. Es seien eine ganze Reihe Zeugenaussagen geplant.

Die Anklage gehe davon aus, dass die Stadt dem Ako-pro-Verein, der inzwischen insolventen, vormaligen Nachmittagseinrichtung des Aloisiuskollegs (Ako), für eine nicht bestehende Einrichtung Fördergelder der Kinder- und Jugendhilfe von gut 160 000 Euro gezahlt habe. Wie berichtet, handelt es sich bei einem der Beschuldigten um den ehemaligen Ako-pro-Leiter und Ako-Mitarbeiter im Externat. Das Ako hatte sich Ende 2010 von dem dort langjährig Beschäftigten getrennt. Ihn hatten Missbrauchsanzeigen belastet.Diese Verfahren wurden eingestellt, weil „strafbare Handlungen in nicht rechtsverjährter Zeit nicht feststellbar gewesen“ seien, so der damalige Oberstaatsanwalt Fred Apostel.

Der zweite Angeklagte ist ein inzwischen in Ruhestand befindlicher städtischer Jugendpfleger. Er war von 1991 bis 2012 zuständig für den Stadtbezirk Bad Godesberg und damit auch für Ako-pro. Er habe seine Stellung missbraucht und sich des Betrugs durch Unterlassen strafbar gemacht, weil er es unterlassen habe, seinen Dienstherrn über das betrügerische Handeln bei Ako-pro zu unterrichten, sagte Apostel 2012. Beide Beschuldigte hatten in der Jugendhilfe über Jahre auch auf überkommunaler Ebene zusammengearbeitet.

2011 hatte das Rechnungsprüfungsamt dem Vereinsleiter für 2008 bis 2010 systematische Täuschung bei der Beantragung von hohen Zuschüssen vorgeworfen. Er habe Jugendliche des Ako-pro instrumentalisiert, Fördervoraussetzungen für ihn zu fingieren und anlässlich eines Besuchs von städtischen Kontrolleuren den Betrieb einer Offenen Tür (OT) zu simulieren.

Ab 2011 kontrollierte die Stadt die Zuschüsse rückwirkend. Sie entzog dem Verein 2012 die Trägerschaft der freien Jugendhilfe und klagte auf Rückerstattung von 165 495 Euro. Der Verein wiederum positionierte sich nach der Trennung von seinem Mitarbeiter deutlich gegen ihn: Der Beschuldigte sei „seiner Verantwortung in keinster Weise gerecht“ geworden, sagte der neue Vorsitzende, Ako-Lehrer Dirk Stueber, dem GA.

Folglich musste Ako-pro Insolvenz anmelden, verbuchte aber vor dem Landgericht noch einen Erfolg: Der ehemalige Leiter sollte Ako-pro 23 500 Euro als „Schadensersatz und Rückgabe von Vereinseigentum“ zurückzahlen. Intern zog die Stadt die Konsequenz, ihre Jugendpfleger ab sofort in sämtlichen Stadtteilen rotieren zu lassen. 2013 erhob dann auch die Staatsanwaltschaft Bonn Anklage gegen den langjährigen Ako-pro-Leiter, aber auch gegen den ehemaligen Jugendpfleger der Stadt: und zwar wegen mutmaßlichen Betrugs in besonders schweren Fällen sowie mutmaßlichen Betrugs durch Unterlassen.

Es ging ihrer Ansicht nach bis 2010 um mindestens 165 000 Euro unrechtmäßig erworbene Fördermittel für eine, wie die Staatsanwaltschaft angab, auf dem Ako-Gelände nie betriebene OT-Einrichtung. In dieser Sache kommt es nun also zur Hauptverhandlung vor dem Landgericht. Laut vorläufiger Planung der zuständigen Strafkammer wird der Prozess bis 22. November dauern.