1. Bonn
  2. Bad Godesberg

Interview mit Mareike Walbröl: "Ehrenamt ist Geben und Nehmen"

Interview mit Mareike Walbröl : "Ehrenamt ist Geben und Nehmen"

Seit drei Jahren ist Mareike Walbröl hauptamtliche Ehrenamtskoordinatorin der Bürgerstiftung Rheinviertel. Über ihre Arbeit sprach mit ihr Rüdiger Franz.

Frau Walbröl, was genau macht eine Ehrenamtskoordinatorin?
Mareike Walbröl: Ich bin Ansprechpartnerin für alle, die sich bereits engagieren oder engagieren möchten. Gerade heute Morgen habe ich ein Erstgespräch mit einer Dame geführt, die sich überlegt, in der Bürgerstiftung Rheinviertel einzubringen. Außerdem betreue ich einige Teams näher und unterstütze einzelne Gruppen bei der Nachwuchssuche und überlege, wer zu Ihnen passen könnte.

Könnte man Sie also als "Scout" für ehrenamtliches Engagement bezeichnen?
Walbröl: Ich sehe mich eher als Lotsin. Ich mache mich immer wieder auf die Suche nach Menschen, die sich engagieren möchten. Derzeit etwa müssen wir die Büchereileitung neu besetzen, das erfordert natürlich eine zugeschnittene Recherche und aktive Suche. Gleichzeitig führt das rege Leben im Viertel aber auch dazu, dass sich zunehmend Menschen von sich aus bei mir melden, weil sie bei uns mitmachen wollen. Ihnen kommt es dann entgegen, dass es einen hauptamtlichen Ansprechpartner gibt, der sich Zeit für sie nimmt.

Wie geht es dann weiter?
Walbröl: Ich möchte die Leute natürlich zunächst einmal kennenlernen und setze mich mit ihnen zusammen. Wichtig ist es sicher, die Interessen, Talente und Kompetenzen zu berücksichtigen und nicht einfach Lücken zu füllen. Das Ehrenamt soll im Idealfall ja ein Geben und Nehmen für alle Beteiligten sein. Wichtig ist dann natürlich, dass es menschlich passt und sich diejenigen, die möglicherweise zusammenarbeiten, zunächst ausgiebig "beschnuppern". Wenn man mit Freude dabei ist, entsteht auch eine ganz andere Begeisterung, die sich auf die anderen überträgt und die das Miteinander in der Bürgerstiftung Rheinviertel ausmacht.

Wie viele Menschen engagieren sich denn überhaupt im Rheinviertel, mit denen Sie zusammenarbeiten?
Walbröl: In Kirchengemeinde und Stiftung kommen wir auf 1000 Personen, die sich in rund zwei Dutzend Gruppen engagieren. Es gibt auch Menschen die drei Ehrenämter ausfüllen, weil sie beispielsweise in der Bücherei, im Bistro und in der Messdienerarbeit mitarbeiten. Im Jahr führe ich rund 50 Erstgespräche.

Lässt sich dabei ein bestimmter Typus erkennen?
Walbröl: Es ist wirklich die ganze Bandbreite vertreten: Alle Alters- und Berufsgruppen, beide Geschlechter, Alteingesessene und Zugezogene. Unsere älteste Helferin ist 88 Jahre alt und liest immer noch im Kindergarten vor.

Inwieweit beobachten und begleiten Sie einen Wandel des Ehrenamtes?
Walbröl: Es wird in jüngster Zeit vom "Neuen Ehrenamt" oder von "Freiwilligenmanagement" gesprochen. Dabei geht es darum, dass sich Menschen projektbezogen engagieren und dabei auch eine klar definierte Aufgabenstellung über einen bestimmten Zeithorizont verfolgen, sich aber nicht von vornherein langfristig binden möchten. Was ich aber auch beobachte: Viele von ihnen allerdings machen dann von Jahr zu Jahr weiter, beispielsweise bei den Buchpaten. Eine Fluktuation gibt es naturgemäß bei den Jugendleitern und den Eltern im Kindergartenbereich.

Die hauptamtliche Ehrenamtskoordination der Bürgerstiftung war ja lange Zeit einzigartig. Gibt es inzwischen Nachahmer?
Walbröl: Ja, das Erzbistum Köln hat diese Funktion inzwischen in sechs weiteren Gemeinden installiert. Auch in der Diözese Essen gibt es solche Initiativen.

Inwieweit ist Ihre Stelle ein Prototyp, der auch auf kommunaler Seite Schule machen sollte?
Walbröl: Die Kommunen können hier eine Schnittstelle sein. In Bonn gibt es ja die Freiwilligenagentur, die eine hilfreiche Plattform für alle Seiten bietet. Die Basisarbeit mit dem einzelnen Bürger ist für die Verwaltung in Großstädten natürlich schwerer als in überschaubaren Gemeinden.

Zur Person

Mareike Walbröl (35) stammt aus Dernau an der Ahr und ergänzte ihr Studium der Pädagogik und Theologie mit einem Master der Betriebswirtschaft. Erste berufliche Stationen lagen in Spanien und Österreich. In ihrer Freizeit ist sie im Bad Godesberger Ruderverein aktiv und engagiert sich ehrenamtlich.