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125 Jahre Clara-Fey-Gymnasium: Ehrwürdige Hallen mit modernem Konzept

125 Jahre Clara-Fey-Gymnasium : Ehrwürdige Hallen mit modernem Konzept

Seit 2008 werden an der ehemaligen Mädchenschule Clara-Fey auch Jungen unterrichtet. Das Gymnasium gilt deutschlandweit als Vorreiter der sogenannten Bi-Edukation.

Normalerweise erscheint die frühere Schule immer ein wenig kleiner, wenn man sie nach etlichen Jahren wieder betritt. Beim Clara-Fey-Gymnasium ist das nicht der Fall. Zu viele Erweiterungen und Ausbauten haben dort stattgefunden. Das Gymnasium feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Anlass, einen Blick in die Vergangenheit und Zukunft der Schule zu werfen.

Die Anfänge waren überschaubar: 1896 gründeten die Schwestern vom armen Kinde Jesu die Einrichtung als reine Mädchenschule. Die Anzahl der Schülerinnen belief sich zu Beginn auf 19, verteilt auf drei Klassen. „Die Schwestern haben von Beginn an für ihre Schule gekämpft und alles darangesetzt, den Mädchen die bestmögliche Ausbildung zukommen zu lassen“, erzählt Schulleiterin Birgit Heinen heute. So haben Schule und Orden auch zwei Weltkriege überstanden. Wobei im Zweiten Weltkrieg der Orden die Schule zwischenzeitlich verloren hatte, aber auch hier recht zügig wieder zurückerhielt, um weitermachen zu können.

Die Schule wuchs, nicht nur hinsichtlich der Anzahl der Schülerinnen, sondern auch räumlich. Zahlreiche Umbauten und Erweiterungen fanden noch unter der Trägerschaft des Ordens statt. So wurden Turnhalle und Schwimmbad gebaut, ebenso gesonderte Räume für die Naturwissenschaften. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. 1991 ging das Gebäude in die Trägerschaft des Erzbistums Köln über, als die Schwestern angesichts des enormen Wachstums der Schule an ihre Grenzen gekommen waren.

Blick auf den Menschen

„Der Träger der Schule hat sich damals geändert, aber die Idee, die die Schule immer schon vertrat, ist gleich geblieben“, so Heinen. „Das Wesentliche ist immer der Blick auf den Menschen, auf das Kind. Es geht nicht darum, jemanden zu verbiegen, sondern in seinen Talenten zu fördern. Jeder Mensch ist gleich wertvoll, aber das bedeutet nicht, dass alle Menschen gleich sind“, so fasst sie die pädagogische Idee des Clara-Fey-Gymnasiums zusammen.

Die studierte Mathematikerin und Chemikerin ist seit 2002 an der Schule, nachdem sie vorher sowohl an reinen Mädchenschulen als auch an einer gemischten Schule tätig war. „Wenn man den Vergleich hat, sieht man viele Dinge auf einmal anders“, so Heinen. Für sie als neue Schulleitung habe sich damals schnell die Frage gestellt, wie man das Fundament, auf dem die Erziehung am Clara-Fey-Gymnasium aufgebaut ist, weiterentwickeln und nicht zuletzt in die Zukunft führen könne.

1896 haben die Schwestern vom armen Kinde Jesu das Clara-Fey-Gymnasium als reine Mädchenschule gegründet.
1896 haben die Schwestern vom armen Kinde Jesu das Clara-Fey-Gymnasium als reine Mädchenschule gegründet. Foto: Clara-Fey-Gymnasium

2008 erfolgte dann ein gewaltiger Einschnitt in der Schulgeschichte, als erstmals auch Jungen angenommen wurden. Mit Unterstützung des Trägers sowie unter wissenschaftlicher Begleitung war das Clara-Fey-Gymnasium deutschlandweit die erste Schule, die die sogenannte Bi-Edukation einführte. „Inzwischen haben wir einige Nachahmer gefunden, aber wir selbst haben natürlich erst einmal viel auch ausprobieren müssen.“

Bi-edukative Erziehung

Die bi-edukative Erziehung sieht vor, dass Mädchen und Jungen bis zur neunten Klasse getrennt unterrichtet werden, um auf die Entwicklungssprünge von Jungen und Mädchen in diesem Alter sowie unterschiedliche Herangehensweisen eingehen zu können. „In diesem Alter gibt es zwischen Mädchen und Jungen einen Entwicklungssprung von ein bis zwei Jahren. Und auch die Interessen sind doch größtenteils anders gelagert.“

Ab der 9. Klasse wird die Trennung fächerweise aufgebrochen, während in der Oberstufe alles gemeinsam unterrichtet wird. Lediglich bei den Naturwissenschaften legt die Schule Wert darauf, dass es immer reine Mädchengruppen gibt. Die Trennung bei den Jüngeren betrifft jedoch nicht die Freizeitangebote. AGs wie Robotik, Tischtennis oder Bands und Orchester sind von Anfang an gemischt. „Das, was wir hier machen, entspricht eigentlich nicht dem Zeitgeist. Aber es wird nicht automatisch alles gut, wenn man alles zusammentut. Man muss schon genau hinschauen“, so Heinen.

Eine weitere Neuerung in der Schule gibt es seit 2016 mit dem gebundenen Ganztag und den sogenannten BeSt-Stunden (begleitete Studien-Stunden), in denen die Schülerinnen und Schüler ihre schriftlichen Hausaufgaben machen. „Wir versuchen auf diesem Weg, den Schülern das fokussierte Arbeiten zu vermitteln, damit sie es später auch eigenständig können.“ Eine Stunde pro Tag reiche in der Regel für die Hausaufgaben aus, wenn man konzentriert arbeite und sei häufig mehr, als im Elternhaus möglich ist.

Digitalisierung wichtig

Momentan kämpfe die Schule noch mit den Auswirkungen der Pandemiejahre: „Wir haben immer noch damit zu tun, die Corona-Folgen auszubügeln“, so Heinen. „Für uns ist es vor allem wichtig, die Schulgemeinschaft endlich wieder als Schulgemeinschaft leben zu können, denn Veranstaltungen und Klassenfahrten waren lange nicht möglich.“

Ein Bereich ist der Schulleiterin für die Zukunft besonders wichtig: Die Digitalisierung müsse weitergehen –im Sinne einer gesunden Medienpädagogik und auch mit einer Gegenkultur, um auch den Gefahren wie Süchten oder Cybermobbing vorzubeugen, so Heinen.