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Kunst im Glaskaree des Kunstvereins Bad Godesberg: Ein Jahr Pandemie in Collagen

Kunst im Glaskaree des Kunstvereins Bad Godesberg : Ein Jahr Pandemie in Collagen

Ein bunter Mix aus müden Kriegern, wilden Tieren und vielem mehr: Das Künstlerkollektiv „indertat“ stellt im Glaskaree des Kunstvereins Bad Godesberg seine Collagen aus. Die Kunstwerke zeichnen sich auch durch ihren Tagebuch-Charakter in der Pandemie aus.

65 Collagen hängen seit kurzem im Glaskaree des Godesberger Kunstvereins. In diesen „Tagebüchern“ hat das Kollektiv „indertat“, bestehend aus Renate Barth und Nika Rossmöller-Schmidt, während der Pandemie seine Eindrücke festgehalten. Die Ausstellung „Outside-In“ kann zu jeder Tageszeit noch bis zum 6. Juni bestaunt werden. „In diesen seltsamen Zeiten haben wir beschlossen, die Wunderkammer unserer neuesten Collagen zu öffnen“, sagen Barth und Rossmöller-Schmidt. Über ein Jahr haben die beiden Künstlerinnen gemeinsam an ihren neuen Werken gearbeitet. Das Ergebnis ist ein bunter Mix aus wilden Tieren, Untertassen, müden Kriegern, mutigen Schwimmerinnen, Bambis, Spiderman und James Bond aber auch unauffälligen Hinterlassenschaften, wie kleine Modelboote, die auf Bilderahmen schwimmen.

Ganz im Stil eines Kollektivs sollen die Collagen mehrfach zwischen den Ateliers in Bonn und Ippendorf gewechselt sein, berichtet Rossmöller-Schmidt. „Wenn ein Abschnitt fertig war, haben wir die Collage weitergereicht. Im Laufe der Zeit sind die Werke dann um mehrere Schichten gewachsen und haben ständige Wandlung durchgemacht.“ Manche Motive sollen während des Schaffensprozesses gar vollständig ihre Gestalt verändert haben. „Erst wenn wir beide mit der Collage fertig waren, haben wir den Stempel auf die Rückseite gemacht und das Werk für vollendet erklärt“, sagen die Malerinnen. Bis das soweit war, sollen manche der Werke siebenmal zwischen den beiden Ateliers gewandert sein. „Wir haben uns überlegt, was wir machen können, ohne ständig gemeinsam in einem Raum zu stehen“, erzählt Rossmöller-Schmidt. Deswegen habe man sich zum „Collagen bauen“ entschieden. Um den Tagebuchcharakter herauszuarbeiten, enthielten manche der 65 ausgestellten Werke das Datum ihrer Entstehung, aus anderen könne man die Ereignisse mehr oder weniger deutlich ablesen.

Eine eigene Verarbeitung der Wirklichkeit

Verstehen könne man die Ausstellung „Outside-In“ vielleicht auch als künstlerische Umsetzung ihrer eigenen Idee von Realität, sagen die Künstlerinnen. „Sie ist eine Collage davon, was wir als Gegenwart und wie wir unsere Vergangenheit wahrnehmen.“ Unterstrichen werde das durch die verarbeiteten „clusterartigen“ Momente, die sich auf aktuelle neurobiologische Erkenntnisse stützen. „Was der Mensch als seine Realität wahrnimmt.“ Vor allem in der Gedächtnisforschung werde laut den Künstlerinnen immer klarer, dass Ereignisse, die mit starken Emotionen verbunden sind, priorisiert abgespeichert werden und Cluster bilden. Barth und Rossmöller-Schmidt rufen in ihren Werken seit März 2020 immer wieder Tagesereignisse auf und verbinden sie mit den Kernemotionen: Wut, Trauer, Freude, Ekel, Liebe, Angst, Abwehr und „auch Langeweile.“

All das werde in den Collagen verarbeitet. Nun wollen die Künstlerinnen mit der Bilderflut beim Betrachter eine Mehrdeutigkeit erzeugen und so auch den Dialog anregen. Zum Gespräch laden die Künstlerinnen am 6. Juni ein. Dann könnten Interessierte draußen vor dem Glaskarree über ihre Eindrücke sprechen. Weitere Informationen gibt es auf www.kunstverein-bad-godesberg.de