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Maria Spohr wird 103: Ein Lebensabend auf der Terrasse

Maria Spohr wird 103 : Ein Lebensabend auf der Terrasse

65 Bonner sind älter als 100 Jahre. Eine von ihnen ist Maria Spohr, die am Dienstag ihren 103. Geburtstag feiert.

Das Leben hat es nicht schlecht gemeint mit Maria Spohr. Man sieht es ihr an. "Hier kann man gut überleben", sagt sie selbst und schmunzelt - und meint damit Bad Godesberg, Mehlem und ihr Domizil, die Kursana Villa Camphausen. Während sie aus ihrem Leben erzählt und auf das Mittagessen wartet, gönnt sie sich auf der Terrasse in der Sonne einen Piccolo. Der Tisch mit Blick hinüber zum Drachenfels ist ihr Stammplatz. Auch am Dienstag wird sie wieder dort sitzen. An ihrem 103. Geburtstag.

Ein solch gesegnetes Alter ist zwar nach wie vor etwas Besonderes, jedoch nicht mehr so ein Einzelfall wie noch vor einigen Jahren: 65 Bonner, so berichtete Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch vor wenigen Tagen bei einem Termin in Bad Godesberg, seien inzwischen 100 Jahre und älter - Tendenz weiter steigend.

Statistische Daten, anhand derer die Alterung der Bevölkerung besonders anschaulich wird. Zugleich steckt hinter jedem Altersjubiläum eine zumeist beeindruckende Lebensgeschichte. Dabei erfreut sich naturgemäß nicht jeder einer so guten Gesundheit wie Maria Spohr: "Ich hatte bis heute nie eine Grippe", erzählt sie. Noch am Morgen hatte sie in der Mehlemer Seniorenresidenz für Aufregung gesorgt, weil sie plötzlich verschwunden war.

"Ich war im Ortskern, um einzukaufen", sagt sie und scheint sich ein wenig über die Hektik zu wundern, die sie damit beim Pflegepersonal verursacht hatte. Adrett, wie sie ist, fällt Maria Spohr auf. Auch in der Villa Camphausen, in der angesichts der Kosten ein eher ausgesuchtes Publikum residieren dürfte. Neben den Stunden auf der Terrasse liebt die gebürtige Kleverin bis heute das Kegeln.

"Bewegen bringt Segen", sagt die Kegelschwester dazu. "Auch wenn man Sie dabei immer festhalten muss, damit Sie nicht hinter der Kugel herfliegen", ergänzt Nadine Andersson, stellvertretende Direktorin der Villa Camphausen mit Blick auf die zierliche Statur ihrer Mieterin scherzhaft. Sie laufe ja noch "wie ein Bienchen" und sei "unser Vorzeigepüppchen" schmeichelt Andersson, erst kürzlich aus der Hauptstadt zugezogen, ihrer Bewohnerin in unnachahmlichem Berlinerisch. "Es kann jederzeit zu Ende gehen, aber ich hoffe, dass es noch ein wenig dauert", sagt Maria Spohr und lächelt.

In Bad Godesberg darf Maria Spohr guten Gewissens als stadtbekannt bezeichnet werden: Jahrzehntelang führte sie ihr Modegeschäft, das sie 1952 eröffnet hatte und für stilbewusste Godesbergerinnen und Diplomatinnen, erst in der Theaterpassage, später an der Villichgasse, eine feste Größe war. Gerade die Anfangsjahre sind ihr in lebhafter Erinnerung geblieben.