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Ein Stück Heimat für die Nachwelt

Schlesier in Bad Godesberg : Ein Stück Heimat für die Nachwelt

Die Oppelner Heimatsammlung im Bad Godesberger Rathaus wird digitalisiert. Damit kann aus aller Welt auf die Exponate zugegeriffen werden.

Ostdeutsche Heimatsammlungen und Heimatstuben sind Stätten der Erinnerungskultur der Vertriebenen, die meist in den Nachkriegsjahren eingerichtet und über Jahrzehnte ausgebaut wurden. In ihnen wurde und wird das, was die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat an materiellen Kulturgütern gerettet und mitgebracht hatten, gesammelt und ausgestellt. Die Oppelner Heimatstube im Bad Godesberger Rathaus gehört zu diesen Kulturarchiven. Der Raum und die zugehörigen Exponate werden seit kurzem von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen digital erfasst. Gemälde, Modelle, Krüge, Bücher und Pokale werden fotografisch aufgenommen und dann samt einer Beschreibung und weiteren Informationen im Internet in Form einer „virtuellen Heimatsammlung“ für die Öffentlichkeit verfügbar gemacht.

Die Digitalisierung der Stube sei ein wichtiger Schritt, denn so könnten mehr Menschen zumindest im Internet an den Ort gelangen, und nachfolgenden Generationen würde der Zugang zu den Exponaten so erleichtert, sagt Ernst Gierlich, Vorstandsmitglied der Kulturstiftung. Damit sich der Internetbesucher frei in den Räumen der Sammlung bewegen kann, kommt eine 360 Grad-Panorama-Fotografie zum Einsatz. „In den abgelichteten sowie virtuell konstruierten Räumen werden außerdem einzelne Objekte hervorgehoben präsentiert. Der Besucher kann sich die Objekte heranholen und von allen Seiten betrachten“, erklärt Gierlich. Dafür wurde im Rathaus ein Drehtisch installiert, auf dem ausgewählte Exponate von allen Seiten abgelichtet werden. Die 3-D Ansichten entstehen anschließend durch eine spezielle Fotosoftware. Ohne eine Förderung vom Land NRW sei dieser Schritt nicht realisierbar gewesen, betont Gierlich. Insgesamt sollen in NRW 20 Heimatstuben ihren virtuellen Zwilling bekommen.

Seit 2020 wurden bislang 14 Heimatstuben und -sammlungen unterschiedlicher Art erfasst. Laut der Kulturstiftung erfolgt die Auswahl der zu präsentierenden Exponate in Abstimmung mit den Betreuern der Sammlungen, die auch Informationen zu den Exponaten und ihrer Geschichte liefern. Es sei wichtig die Orte für die Nachwelt zu dokumentieren und zu sichern, so die Kulturstiftung. Außerdem wolle man sich weiterhin für den Erhalt der Heimatstuben einsetzen, sagt Gierlich.

Der 1954 gegründete "Bund der Oppelner" richtete seine "Heimatstube" im Rathaus ein. Gesammelt werden Erinnerungsstücke, Schriften und Chroniken aus Oppeln und anderen Teilen Schlesiens. Bernhard Wieczorek (85), der die Oppelner Sammlung seit 40 Jahren betreut, freut sich über die Digitalisierung. „Die Stube war auch immer ein fester sozialer Standort für die Oppelner Heimattreffen. Es ist schön, dass die Exponate nun für die Nachwelt festgehalten werden.“

Rund zwei Monate soll das Projekt noch andauern, danach können die Godesberger die Oppelner Heimatstube im Internet besichtigen. Bezirksbürgermeister Christoph Jansen (CDU) findet den Erhalt solcher Heimatarchive wichtig: „Bad Godesberg lebt als Stadtbezirk auch ein Stück weit von seiner Geschichte als Diplomatenstandort, und auch die Partnerschaft zu Oppeln wird mit der Stube dokumentiert“, sagt Jansen. Die virtuellen Heimatsammlungen sind abrufbar unter: www.heimatsammlungen.de