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Der chinesische Künstler Zhong Biao in der Villa Friede: Ein überbordender Bilderkosmos

Der chinesische Künstler Zhong Biao in der Villa Friede : Ein überbordender Bilderkosmos

Der international bekannte chinesische Künstler Zhong Biao stellt 20 seiner Werke in der Mehlemer Villa Friede aus. Die Ausstellung „Revelation“ ist zuvor in Deutschland schon im Osthaus Museum Hagen gezeigt worden.

In seinen Werken prallen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinander. Buddha-Figuren, Bäume, Felsen und Architekturen scheinen schwerelos versetzbar. Mit unterschiedlichsten Fragmenten schafft Maler Zhong Biao eine überbordende Bilderwelt, die den Betrachter auf internationale Probleme hinweisen soll. Seit Samstag sind die Arbeiten des chinesischen Künstlers im Kunstraum Villa Friede, Mainzer Straße, zu sehen. Die Ausstellung „Revelation“ ist zuvor in Deutschland schon im Osthaus Museum Hagen gezeigt worden.

„Ich freue mich sehr, dass wir in unserem Haus die Werke von einem so wichtigen chinesischen Künstler zeigen dürfen“, sagt Projektleiter Ren Rong vom Kunstraum Villa Friede. „In China hat Biao einen sehr starken Einfluss. Es ist schade, dass er wegen der Corona-Pandemie nicht nach Deutschland kommen kann“, so Galerist und Künstler Rong. 20 Werke sind in der Ausstellung zu sehen. Darunter ist auch eine etwa 17 Quadratmeter große Ölleinwand (Kostenpunkt: 190 000 Euro). In „All in Vain“ befinden sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einer Transformation, sagt Lidia Plajzer. „Die Fragmente formen sich und suchen nach einem Weg“, so die Ausstellungs-Organisatorin. Es scheine so, als würde alles gleichzeitig passieren.

Auf der Leinwand kann der Betrachter zwei Stadien erkennen, die in beiden Ecken die Szenerie einrahmen. Zwei nahezu symmetrische Automobile stehen auf einem Schrottplatz und bilden den zentralen Punkt im Werk. Ansammlungen von Menschen aus einem Parteikongress in Peking und aus einer Demonstration in Teheran oder Bagdad verteilen sich über das Bild. Hinzu kommen Schiffsfragmente und eine geheimnisvolle Unterwasserwelt.

„Biao ist ein Künstler, der mit großer Intelligenz Antworten auf die Fragen unserer Zeit malt“, sagt Dieter Ronte, Professor für Kunstgeschichte. „Wir leben alle in einer digitalisierten Welt, wo viele Bilder auf uns eindringen. Diese Bilder kommen in seinen Werken zu einem kritischen Kontext“, sagt der ehemalige Leiter des Bonner Kunstmuseums. So behandele Biao internationale Probleme wie den Klimawandel und Kriege sowie die soziale Stellung der Frau und des Kindes in der Gesellschaft. „Es sind die unterschiedlichsten Themen, und trotzdem ist seine durchgehende Handschrift erkennbar“, meint Ronte. Dem Kunstprofessor nach zeigten Biaos Arbeiten keine technischen Probleme auf. „Er kann realistisch, abstrakt und surrealistisch malen“, sagt er und fügt hinzu: „Ich halte ihn für einen der ganz großen Künstler, die wir heute haben.“

  Zhong Biao wurde 1968 in Chongqing, dem Zentrum der Provinz Sichuan geboren. Seitdem habe der Künstler in China eine „überwältigende Urbanisierung und Industrialisierung“ miterlebt. Mit der daraus resultierenden „neuen Realität“ setzte sich Biao nun in seinen Werken auseinander. Auf Acryl- und Ölmalereien bilden Menschen, Landschaften, Architekturen, Szenen vergangener Welten und ebenso die der gegenwärtigen modernen Welt einen „grenzenlos“ scheinenden Bilderkosmos.

Die Ausstellung „Zhong Biao – Revelation“ ist bis zum 26. Oktober im Kunstraum Villa Friede zusehen. www.kunstraum-villafriede.de