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Irmgard Wolf: Eine Ausnahmeerscheinung in der Zeitungswelt

Irmgard Wolf : Eine Ausnahmeerscheinung in der Zeitungswelt

Irmgard Wolf starb im Alter von 92 Jahren - In 70 Jahren beim Bonner General-Anzeiger erwies sie sich nicht nur in unzähligen Artikeln, sondern auch in zahlreichen Büchern über die rheinische Geschichte als brillante Historikerin

Der General-Anzeiger trauert um Irmgard Wolf. Die langjährige Redakteurin und Mitarbeiterin unserer Zeitung starb am vergangenen Samstag im Alter von 92 Jahren. Über sieben Jahrzehnte hinweg waren ihre Beiträge im GA zu lesen. Bis zuletzt hat Irmgard Wolf journalistisch gearbeitet.

Ihr Schreibtisch stand in der Bad Godesberger Redaktion. Dort war der Computer ihr Schreibgerät. Zu Hause bevorzugte sie die gute alte Schreibmaschine. Die promovierte Kunsthistorikerin, die ihren Doktortitel nach dem Krieg an der Bonner Universität erwarb, konnte für sich in Anspruch nehmen, unter den deutschen Zeitungsleuten eine Ausnahmeerscheinung zu sein.

Aber Irmgard Wolf hat dies nie getan. Ihr Auftreten war geprägt von selbstbewusster Bescheidenheit. Ihre Memoiren hätten Bände füllen können. Doch das Bändchen ihrer Lebenserinnerungen war nur 226 Seiten lang. Titel: "Kein Wort zuviel". "Na ja, ich schreibe manchmal Bücher", hat sie zwei Godesberger Schülerinnen auf die Frage geantwortet, was die denn "sonst noch so" mache.

Manchmal Bücher . . . Dahinter verbarg sich ein umfängliches Lebenswerk über rheinische Geschichte, über Kunst und Kultur. Neben unzähligen Zeitungsartikeln und Vorträgen weisen ihre zahlreichen Bücher - darunter die "Kleine Chronik der Rheinlande" und die "Kleine Kulturgeschichte der Rheinlande" - Irmgard Wolf als brillante Historikerin aus. Es gab wohl niemand, der auf ihrem Feld über profundere Kenntnisse verfügte und diese in gleichzeitig so verständlicher und im besten Sinn des Wortes unterhaltsamer Form zu vermitteln vermochte.

Irmgard Wolf war zudem eine kluge und nachsichtige Ratgeberin. Sich selbst legte sie eine eiserne Arbeitsdisziplin auf. "Ich möchte nochmal 70 sein. Es gibt so viele Bäume auszureißen." - Für ihren Lebensmut, den sie sich bis zuletzt bewahrte, sind diese Sätze ebenso charakteristisch wie der Stoßseufzer, mit dem sie sich dem WDR auf dessen Bitte als Zeitzeugin der 1920er Jahre zur Verfügung stellte: "Das hat man davon, wenn man so alt wird." Sie hat Geschichte nicht nur erforscht. Sie hat sie auch als hellwache Beobachterin erlebt.

Und darüber geschrieben - mal selbstironisch leichthändig, mal gewichtig. Ihre "Poetische Wallfahrt zum Rhein" wurde 1948 den Mitgliedern des Parlamentarischen Rates, die im Museum Koenig über das Grundgesetz berieten, von der Stadt Bonn überreicht. Irmgard Wolf war eine Frau mit Bürgersinn. Die Partnerschaft Bad Godesbergs mit dem flämischen Kortrijk verdankt ihr viel. Flämische Literatur hat sie ins Deutsche übersetzt.

Ihre Frische, ihren Humor, ihre Zuwendung zu den Menschen hat sie nie verloren. Geboren in Mannheim, aufgewachsen in Krefeld und Bonn, war sie in jungen Jahren eine der ganz wenigen Redakteurinnen in Deutschland. "Journalistin", erzählte sie, "wurde man nämlich nicht. Das war ein Männerberuf."

Die Exequien für Irmgard Wolf werden am Freitag, 16 Uhr, in der Pfarrkirche St. Albertus Magnus, Bad Godesberg, Albertus-Magnus-Straße, gehalten. Die Beerdigung findet im engsten Kreis statt.