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Schwimmbad in Friesdorf: Eine Halle fürs Friesi

Schwimmbad in Friesdorf : Eine Halle fürs Friesi

Die Stadt mietet eine Überdachung für vier Jahre und bezahlt dafür 655.000 Euro. Der erster Aufbau wird im kommenden Februar stattfinden.

Mit ihren rautenförmigen Waben sieht sie aus wie eine aufgeblähte Steppdecke oder die Miniversion der Allianz-Arena in München. Noch nicht gebaut, aber so gut wie bestellt ist die Traglufthalle für das Friesdorfer Freibad, die es in den nächsten vier Jahren wintertauglich machen soll – als Ersatz fürs geschlossene Kurfürstenbad, etwa beim Schulschwimmen. Der Betriebsausschuss SGB (Städtisches Gebäudemanagement) soll nun am 31. August einen Dringlichkeitsantrag beschließen, wonach die Firma Paranet den Zuschlag für die Anmietung der Halle bekommen soll.

Das Berliner Unternehmen hatte nach öffentlicher Ausschreibung der Stadt den besten Preis gemacht: Die Miete für die Traglufthalle soll für vier Jahre genau 654 819,36 Euro betragen – inklusive einer Immobilienversicherung für 21 263,36 Euro. Dringlich ist die Angelegenheit deshalb, weil schon direkt nach der Freibadsaison im September mit den Vorbereitungen für den Aufbau begonnen werden soll. Im Sommer lagert die Halle in einem Container.

Nach Friesdorf kommt eine drahtseilgestützte Traglufthalle, wie die Firma Paranet sie auch schon in Rüsselsheim, Neumünster und Regensburg aufgebaut hat. Darmstadt folgt im Oktober. „Wir haben auch schon Schwimmhallen in Kuwait und Norwegen überdacht“, sagt Geschäftsführer und Inhaber Jürgen Wowra. Auch wenn es sich im Prinzip immer um dasselbe Produkt handele, würden die Hallen maßgefertigt. Mehr als 35 Rohlinge liegen dafür im Lager. In Bonn geht es um 56 mal 25 Meter.

Die Befestigung am Boden erfolgt über Punkt- oder Ringfundamente. „Wir können beides unsichtbar machen“, sagt Wowra zum Sommerbetrieb. Die Fundamente lägen dann unter der Grasnarbe. „Der Aufbau ist in zwei Tagen erledigt, das Verankern dauert zwei bis drei Wochen.“ Die Firma habe bereits 130 solcher Hallen gebaut, „das ist kein Hexenwerk“.

Das elastische Dach, das durch einen Luftüberdruck getragen wird, besteht aus einer Membran (Lkw-Plane), Isolier- und einer Schutzfolie. Die Berliner liefern fürs Geld auch den Rest: die Verbindungsschleuse zu den Umkleiden, Nottüren und die Beleuchtung. Wobei die Hülle 60 bis 70 Prozent des Tageslichts durchlasse: „Man sieht den Schatten der Bäume und Wolken“, sagt Wowra. Die Schwimmer seien also nicht ganz von der Außenwelt abgeschottet. Paranet baut auch den Brenner für die Heizung ein und das Gebläse, das mit 45 Dezibel nicht lauter als die üblichen Geräusche in einer Wohnung sein soll. „In der Halle hören Sie gar nichts, das ist wie ein säuselnder Wind“, versichert Wowra. Erster Aufbau soll laut Stadt im Februar 2018 sein.

Solche Hallen, die zwischen zehn und 20 Jahre haltbar sind, produziert die Firma seit 1996. Sie hat ihren Ursprung in einer alten Seilerei in Augsburg, die 2011 verkauft wurde. So ist dann Paranet an der Spree entstanden.

Das Winter-Friesi steht nach Angaben von Elke Palm, Vizechefin im Sport- und Bäderamt, zunächst Schulen und Vereinen zur Verfügung. Da es nur zwei Sammelumkleiden gibt, können sich je nur eine Klasse oder ein Verein in der Traglufthalle aufhalten. Wenn deren Training beendet ist, dürfen alle anderen Badegäste schwimmen. Hinein geht es über den jetzigen Hintereingang zur Straße hin. Wie es die Stadt sagt, bleibt es bei den veranschlagten 1,3 Millionen Euro an Kosten für vier Jahre – inklusive Auf- und Abbau sowie Umbauten, etwa bei den Umkleiden.

Ein offenes Thema ist noch der Sprungturm im Friesi: Laut Paranet sei es kein Problem, den unter die Haube zu bekommen.