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Ausstellung in der Mehlemer Villa Friede: Eine Männerfreundschaft und ihre Folgen

Ausstellung in der Mehlemer Villa Friede : Eine Männerfreundschaft und ihre Folgen

In der Villa Friede treffen der Pekinger Zhang Xiaogang und der Mehlemer Ren Rong künstlerisch aufeinander. Beide verbindet eine enge Freundschaft so wie auch mit Professor Dieter Ronte. Der frühere Chef des Bonner Kunstmuseums ist regelmäßiger Gast im Kunstraum.

Nur zwei Lebensjahre trennen den Pekinger Zhang Xiaogang und den Mehlemer Ren Rong. Und auch wenn das Werk der beiden Künstler stark auseinandergeht, gibt es mehr Verbindendes als Trennendes. Im Kunstraum Villa Friede an der Mainzer Straße treffen die Männer derzeit in einer dialogischen Ausstellung aufeinander.

Beide können sich mit Superlativen schmücken. Zhang (Jahrgang 1958) gilt als einer der bedeutendsten Künstler der zeitgenössischen chinesischen Kunstwelt, Hausherr Ren (Jahrgang 1960) als einer der international bekanntesten Künstler chinesischer Herkunft der Gegenwart. Die zwei sind seit mehr als 25 Jahren eng befreundet. Und da kommt noch ein dritter Mann ins Spiel, Professor Dieter Ronte. Als Direktor des Bonner Kunstmuseums hatte Ronte Zhang 1996 in der großen China-Schau präsentiert. Ren wiederum hatte 1996 die Wanderausstellung mitorganisiert. Seitdem schätzt man sich sehr, wie Ronte beim Gespräch in Mehlem erzählt.

Die aktuelle Gegenüberstellung war vorher schon im Ostmuseum Hagen zu sehen. Die intime Aura der Villa Friede verleiht Zhangs Bildern den perfekten Rahmen. „Er ist ein Gesellschafts- und Familienmaler und komponiert seine Bilder aus Vorlagen von Fotos oder Kohlezeichnungen heraus“, erzählt Ronte, der mittlerweile als freischaffender Kurator arbeitet und zwischen dem Brüser Berg und Mallorca pendelt. Zhang zeige das chinesische Individuum in einer Massengesellschaft.

Folglich spielen das System und die Kulturrevolution immer irgendwie ins Private hinein, was sich an kleinen, gewollten Flecken im Makellosen zeigt – wie dem Gesicht, das viel zu gelb gemalt ist, die roten Handschuhe in einer ansonsten gedeckten Bildkomposition, das weiße Nichts am Kopf. „Er transformiert Wirklichkeiten und schafft eine neue Zukunft“, meint Ronte.

Noch kurz vor Corona war der frühere Bonner Museumschef durch China gereist, hatte Vorlesungen gehalten und einen Lehrauftrag für Peking in der Tasche. „Den kann ich jetzt nicht wahrnehmen, aber ich kuratiere gerade mehrere Ausstellungen, darunter eine in Palma“, so Ronte. Bonn hat für ihn einen besonderen Stellenwert, da er hier 14 Jahre gearbeitet hat, was die längste Station seines Berufslebens darstelle.

Sein Freund Ren ist im unteren Ausstellungsbereich mit einem großformatigen Werk vertreten. „Bei den Kreuzen geht es aber nicht um Symbole, sondern um eine geometrische Konstruktion, nämlich eine ikonografische Form“, urteilt der Fachmann. Nicht fehlen darf natürlich auch dort eine Anspielung an Rens bekannte Pflanzenmenschen, diesmal als Blätter auf den das Kreuz bildenden Platten. „Er ist wahnsinnig breit aufgestellt, man merkt die Ausbildung in Peking und die Düsseldorfer Schule“, so Ronte.

Der Mehlemer Künstler selbst entdeckt bei aller Unterschiedlichkeit viele Ansätze zum Dialog zwischen seinen und Zhangs Arbeiten. „Es geht um Sehnsucht, Einsamkeit, aber auch Würde und Zukunft“, erläutert Ren. Und eben auch um Bildsprache, wie bei der schon etwas älteren Kosmos-Installation, die er nochmal im Obergeschoss der Villa Friede aufgebaut hat. Auf einer Umlaufbahn aus Reis kreisen die Satelliten, versehen mit Fischen (Lebendigkeit), Feuer (Leidenschaft) und anderen mehr. Angeregt wird der Geist des Betrachters auch durch die herrlich duftenden Reiskörner. Das geht schon auf der Treppe los.